US-Automesse: Die sechs größten Irrtümer der Detroit Motor Show

KommentarUS-Automesse: Die sechs größten Irrtümer der Detroit Motor Show

von Martin Seiwert

In Detroit hat die Automesse „North American International Autoshow“ begonnen. Die Hersteller zeigen über 700 Autos, machen sich und ihren Kunden Mut – und verbreiten eine Weltsicht, die nicht immer mit der Realität übereinstimmt. WirtschaftsWoche-Redakteur Martin Seiwert über Mythen, Märchen und Mangelwahrheiten auf dem Messeparkett von Detroit.

Irrtum 1: General Motors wird wie Phoenix aus der Asche emporsteigen

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Arbeiter haben auf der Detroit Motor Show 2010 einen Dodge-Geländewagen auf der Decke befestigt

General Motors (GM) hat in der Krise ein Drittel seines Umsatzes eingebüßt, ein Dutzend Fabriken geschlossen, über 20.000 Mitarbeiter entlassen, die Massenmarke Saturn und die Sportwagenmarke Pontiac aufgegeben, Saab fallengelassen und die Geländewagenmarke Hummer nach China verscherbelt. Im Galopp absolvierte das einstige US-Vorzeigeunternehmen ein Insolvenzverfahren und wurde mit einer staatlichen Geldspritze von sage und schreibe 50 Milliarden Dollar am Leben erhalten.

Nach einem solchen Katastrophenjahr kann es für GM nur aufwärts gehen, das ist wohl wahr. Doch von einem glamourösen Wiederaufstieg kann nicht die Rede sein – nicht 2010, und danach wahrscheinlich auch nicht. Denn während das faktische Staatsunternehmen GM noch versucht, seine Prozesse an die internationalen Standards anzupassen und eine wettbewerbsfähige Produktpalette aufzubauen, verstärken mächtige Konkurrenten aus Europa und Asien ihre Angriff im US-Markt. In Zukunft werden sich fünf oder mehr große Autobauer den US-Markt teilen. GM – in den 60ern mit über 50 Prozent Marktanteil der unangefochtene Branchenkönig der USA – kann froh sein, wenn es gelingt, in diesem Quintett mitzuspielen und den jetzigen Marktanteil von 20 Prozent zu halten. 2010 wird sich GM nicht in die Lüfte schwingen, sondern – aller Voraussicht nach – die Marktführerschaft im Heimatmarkt an Toyota abgeben.

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Irrtum 2: Der US-Automarkt wird sich rasch erholen

Das Durchschnittsalter der Autos auf amerikanischen Straßen ist mit 10,5 Jahren hoch. Viele Kunden werden also nicht umhinkommen, sich ein neues Auto zuzulegen. Dennoch wird sich der Automarkt in den USA 2010 nicht erholen, sondern allenfalls ein wenig berappeln. Zu schwer lastet die Krise auf den Amerikanern, so groß sind die Sorgen vor dem Jobverlust. In guten Jahren wurden in den USA 17 Millionen Autos verkauft, 2009 waren es zehn Millionen. Experten sehen für 2010 einen Absatz von rund 11 Millionen. 

Irrrtum 3: Amerikaner kaufen in der Krise amerikanische Autos

„Buy American“ propagieren die US-Marken GM, Ford und Chrysler bereits seit Jahrzehnten in ihren Autohäusern. Genützt hat es wenig: In den 60er-Jahren hatten die „Big Three“ aus Detroit 90 Prozent Marktanteil, heute sind es nur noch gut 50 Prozent. Die Krise scheint die patriotischen Gefühle auf den ersten Blick zu beflügeln: 60 Prozent der Käufer von US-Marken, so hat ein Markforscher 2009 herausgefunden, wollen grundsätzliche keine Importautos kaufen. Ein Jahr zuvor sagten dies nur 48 Prozent. Doch dies wird konterkariert

Durch die schlechte wirtschaftliche Lage der US-Autobauer. Denn fast jeder fünfte Neuwagenkäufer in den USA möchte kein Auto eines schwer angeschlagenen Herstellers kaufen. Aus diesem Grund landete jeder zweite Autokäufer in den USA bei einer Importmarke – so viele wie nie zuvor.

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