Valley Talk: Teslas tollkühner Schachzug

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Elon Musk will Teslas Patente verschenken – um am Ende zu kassieren.

Kolumne von Matthias Hohensee

Elon Musk, Chef des Elektroauto-Pioniers Tesla Motors, will alle Patente freigeben. Profitieren würden die Chinesen – und am Ende auch Musk selbst.

Eigentlich ist’s ein Widerspruch in sich, aber im Silicon Valley sind sie inzwischen daran gewöhnt, von Elon Musk überrascht zu werden. Der gebürtige Südafrikaner tickt einfach anders. Als die E-Auto-Pioniere Martin Eberhard und Marc Tarpening vor zehn Jahren Investoren für Tesla Motors suchten, lehnten alle großen Wagnisfinanzierer des High-Tech-Tals ab. Der PayPal-Multimillionär aber glaubte an die Idee, investierte Teile seines Vermögens und übernahm das Management von Tesla Motors.

Auch sein Plan, mit Space X den ersten privaten Anbieter von Raumtransporten zu etablieren, stieß auf Skepsis. Nicht minder verstieß gegen übliche Gepflogenheiten, sich mit den Einkäufern des US-Militärs anzulegen, weil diese Boeing und Lockheed Martin Aufträge für Satellitentransporte ohne Ausschreibung zuschanzten.

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Verbrauchswerte von Hybridautos

  • BMW i8

    Motor: Drei-Zylinder-Benziner + Elektromotor

    Leistung: 231 PS Benzinmotor + 131 PS Elektro

    Fahrleistungen: 0–100 km/h in 4,4 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h

    Verbrauch: 2,1 Liter Super/100 km nach ECE-Norm CO2-Ausstoß: 49 Gramm pro km

    Gewicht: 1485 Kilogramm

    Verkaufspreis: Basispreis: 126.000 Euro

  • Porsche Panamera E-Hybrid

    Leistung: 416 PS (Elektro und Benzin)

    Fahrleistungen: elektrische Reichweite 30 km, 270 km/h

    Normverbrauch: 3,1 Liter pro 100 km

    Preis: ab 110.409 Euro

  • Volvo V60 Plug-in-Hybrid

    Leistung: 280 PS (Elektro und Diesel)

    Fahrleistungen: elektrische Reichweite 50 km, 230 km/h

    Normverbrauch: 1,8 Liter pro 100 km

    Preis: ab 58.710 Euro

  • Mitsubishi Outlander PHEV

    Leistung: 203 PS (Elektro und Benzin)

    Fahrleistungen: elektrische Reichweite 50 Kilometer, 170 km/h

    Normverbrauch: 1,9 Liter pro 100 km

    Preis: ab 39.990 Euro

  • Audi A3 e-tron

    Leistung: 204 PS (Elektro und Benzin)

    Fahrleistungen: elektrische Reichweite 50 km, 222 km/h

    Verbrauch: 1,5 Liter pro 100 Kilometer

    Preis: ab etwa 37.000 Euro

Trotzdem erschüttert, was Musk sich nun ausgedacht hat, die Grundfesten des Silicon Valley: Er will alle Patente von Tesla Motors zur Nutzung freigeben.

Ausgerechnet die Patente! Allein Apple beschäftigt Heerscharen von Anwälten, um sein geistiges Eigentum zu verteidigen. Oracle überzieht Google mit Klagen, weil der Suchkonzern Grundlagen seines Android-Betriebssystems beim Computerkonzern Sun Microsystems abgekupfert haben soll, den Oracle vor Jahren übernommen hatte.

Sicher, die freie Nutzung von Programmcode in Form von Open Source hat lange Tradition, nicht nur bei den Betriebssystemen Linux und Android. Aber Musk will alles freigeben – auch Hardware. Darunter Tafelsilber wie das Zusammenspiel der vielen Lithium-Ionen-Akkus im Batteriepack.

Damit gefährdet er auch seine eigenen Umsätze. Denn Verkauf und Lizenzierung von Komponenten war eigentlich das Ur-Geschäftsmodell von Tesla. Erst als sich zeigte, dass das Unternehmen den Markt nur mit kompletten Autos würde gewinnen können, stellte es E-Mobile in Serie her.

Berühmte letzte Worte Warum Tesla den Automarkt gezielt zerstört

An der Bedeutung von Tesla für die Autobranche scheiden sich die Geister. Doch mit den Open-Source-Patenten beweist Elon Musk endgültig, dass Tesla das iPhone der Automobilbranche werden wird.

Die Motorleistung der Grundversion steht noch nicht fest, dafür stellt Tesla derzeit seine Spitzenversion ganz in den Vordergrund. Die kostet 97.000 Dollar (rund 75.000 Euro) und wartet mit einem 85 Kilowattstunden-Akku auf. Der bringt 310 kW bzw. 421 PS Power und 600 Newtonmeter Drehmoment an die Hinterachse. Quelle: PR

Die Freigabe der Patente ist auch wegen der politischen Sprengkraft tollkühn. US-Politiker sorgen sich über den Fortschritt Chinas bei Forschung und Entwicklung. Was dessen staatlich gestützte Unternehmer nicht abkupfern können, akquirieren sie. Etwa in der Solarbranche, wo China am Stück innovative westliche Hersteller aufkaufte – und deren teils mit Milliarden öffentlicher Gelder geförderte Technologien.

Auch A123, ein innovativer Batteriehersteller für Elektroautos, ist inzwischen unter chinesischer Kontrolle. Der Einsatz von Elektroautos ist im größten Automarkt der Welt und seinen von Luftverschmutzung geplagten Großstädten sinnvoll. Zumal die Chinesen wenig Berührungsängste mit Nuklearenergie haben, um den nötigen Strom herzustellen.

Deshalb auch ist Musks Schritt so brisant für die westlichen Autoproduzenten, denen er damit die Daumenschrauben anzieht. Sie müssen endlich in die Gänge kommen, wenn sie beim Verkauf von E-Mobilen global noch mitmischen und den chinesischen Konkurrenten voraus sein wollen. Denn die könnten nun – dank Teslas Patenten – einen Sprung nach vorne machen.

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Das, so sein Kalkül, eröffnet nicht nur den Weg zum Massenmarkt für Elektrofahrzeuge und damit auch den Ausbau der Infrastruktur zum Laden der Akkus – von der wiederum auch Tesla profitiert. Zugleich könnte der Schritt Bemühungen bremsen, wie die von etwa Toyota, statt Elektroautos lieber den Brennstoffzellenantrieb zu fördern. Mit der Folge, dass Tesla auch vom boomenden Markt für Elektroauto-Akkus profitieren kann, in dem sich das Unternehmen gemeinsam mit Panasonic als Ausrüster etablieren will.

Trotzdem ist der Schritt, Tafelsilber zu opfern, tollkühn. Aber das erwartet man von Musk nicht anders.

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