Valley Talk: Was VW von Google lernt

kolumneValley Talk: Was VW von Google lernt

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Matthias Hohensee: Wird das Geld für neue Ideen und Produkte knapp?

Kolumne von Matthias Hohensee

Wie Volkswagen-Entwickler im Silicon Valley das Auto der Zukunft ersinnen.

Der Aufschwung im Silicon Valley schlägt sich nun auch in den Büromieten nieder. In der Top-Lage, rund um Palo Altos University Avenue, wo Google und Facebook einst starteten, ist fast gar nichts mehr zu haben. Der Leerstand dort hat sich binnen eines Jahres von 14 Prozent auf 7 Prozent halbiert. Gleichzeitig sind die Mieten um 25 Prozent gestiegen.

Es sind nicht nur Startups und Silicon-Valley-Stars wie Google, Facebook, Apple, Hewlett-Packard oder Oracle, die wieder kräftig Mitarbeiter heuern und Platz brauchen. Auch viele ausländische Unternehmen richten im High-Tech-Tal Außenposten ein oder bauen sie aus – wie die Autohersteller BMW, Daimler und Volkswagen. Sie sind seit Jahren mit Entwicklungslaboren im Valley präsent. „Doch nun bauen wir unsere Präsenz aus“, sagt Volkswagens Nordamerika-Chef Jonathan Browning.

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Rund 100 Mitarbeiter zählt das gerade eingeweihte Electronics Research Lab (ERL) der Volkswagen-Gruppe im Silicon Valley. Es ist das größte VW Forschungszentrum außerhalb Deutschlands und so entworfen, dass es problemlos erweitert werden kann. Sein Vorläufer startete 1998 mit nur drei Mitarbeitern. Das dreistöckige Gebäude aus Glas und Beton liegt strategisch günstig an Silicon Valleys Hauptverkehrsader Highway 101. Von hier aus sind es nur maximal 20 Minuten Autofahrt zu VWs wichtigsten Bündnispartnern im Silicon Valley: Google, die Stanford-Universität und der Grafikchipspezialist Nvidia.

„80 Prozent aller Neuerungen im Auto basieren auf Elektronik und Software“, erklärt ERL-Chef Burkhard Huhnke die Expansion. Die Bordcomputer der Automodelle, die in zwei Jahren auf den Markt kommen, werden ungefähr die Rechenleistung haben wie Apples aktuelle Macbook-Air-Rechner. Das Kalkül ist, sich frühzeitig mit Silicon-Valley-Spezialisten zu verbünden und so Wettbewerbsvorteile zu haben.

Wie etwa bei der Navigation. So ist das bekannteste Produkt des Lab ein integriertes Navigationssystem auf der Basis des virtuellen Globus von Google Earth. Via Mobilfunk lädt das Navi während der Fahrt die Satellitenbilder aus dem Netz und stellt die Route damit aus der Vogelperspektive dar.

Google liefert außerdem aktuelle Adressen wie etwa von Restaurants. Das System gibt es schon für den A7 und A8 der VW-Tochter Audi. Bald soll es auch für Oberklasse-Modelle von Volkswagen zu haben sein. Derweil testen die ERL-Forscher schon den Nachfolger, der über Googles Streetview sogar Fassaden anzeigt.

Volkswagen ist der erste Autohersteller mit dem innovativen Google-System. Doch andere werden folgen. Denn klassische Navigationsgeräte geraten immer stärker unter Druck, weil die Technik zur Standardausstattung von Smartphones wird, die ihre Besitzer ebenfalls ans Ziel führen können. Entsprechend eifrig arbeiten auch die Forscher von VW an neuen, ausgefeilteren Formen der Routenführung – auch wenn der Autokonzern zu Details noch schweigt.

Autos erkennen Ampeln

So viel ist schon klar: Es werden Systeme sein, die Bild- und Mustererkennung nutzen und so dem Fahrer assistieren. Etwa, indem sie das Rotsignal einer Ampel automatisch erkennen und zum Bremsen auffordern. Oder sie analysieren den Übergang der Ampelphasen von Grün zu Gelb und entscheiden, ob der Fahrer besser stoppen oder leicht beschleunigen sollte.

Heute schon praktisch nutzbar sind hingegen die zwei Elektrotankstellen, die VW vor seinem Lab aufgestellt hat und die allen Elektroauto-Besitzern offenstehen. Den Strom gibt’s gratis, denn VW-Nordamerika-Chef Browning hofft, dass der eine oder andere Besitzer von Elektroautos wie dem Tesla-Roadster oder Nissans Leaf das Angebot nutzt. „Denen drücken wir dann Broschüren mit unseren aktuellen Modellen in die Hand“, scherzt er. Darin steht dann auch, wie viel wirtschaftlicher VWs reguläre Dieselfahrzeuge noch in der Anschaffung sind, im Vergleich zu Elektrofahrzeugen.

Mit Zukunftsvisionen allein lassen sich schließlich keine Profite erwirtschaften.

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