VDA-Geschäftsführer: "Hersteller haben keinen Ermessensspielraum"

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InterviewVDA-Geschäftsführer: "Hersteller haben keinen Ermessensspielraum"

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VDA-Geschäftsführer Ulrich Eichhorn im Interview mit WirtschaftsWoche.

von Jürgen Rees

Deutsche Autobauer fürchten, durch neue Verbrauchsangaben ins Abseits zu geraten. Der VDA-Geschäftsführer Ulrich Eichhorn erklärt, warum.

WirtschaftsWoche: Herr Eichhorn, haben Sie sich in letzter Zeit selbst ein Auto gekauft und darauf geachtet, was der Wagen verbraucht?

Ulrich Eichhorn: Ich habe mir privat ein Elektroauto bestellt. Das verbraucht gar keinen Sprit.

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Zumindest nach dem aktuellen europäischen Fahrzyklus NEFZ. Aber Strom kommt auch aus Kohle- oder Gaskraftwerken. Die verbrauchen reichlich Energie und stoßen CO2 aus. Führt der NEFZ da nicht in die Irre?

Die meisten Besitzer von Elektroautos haben einen Grünstromvertrag, auch ich. Das heißt, der Strom wird nachhaltig mit Wind, Wasser oder Sonne erzeugt. Zudem ist der CO2-Ausstoß von Elektrizität aus Kraftwerken bereits komplett über Emissionsrechte geregelt. Sie können das nicht zwei Mal regulieren – beim Kraftwerk und beim Auto.

Was aber nichts an den alltagsfernen Ergebnissen des Messzyklus ändert. Warum liefert der teils so unrealistisch niedrige Werte – egal, ob bei Elektro-, Hybrid- oder Verbrennungsmotoren?

Der Wert dient in erster Linie dem Vergleich der Autos unter standardisierten Messbedingungen. Bei Überlandfahrten lassen sich die NEFZ-Werte auch unterschreiten. Aber klar ist: Vor 17 Jahren, als die Norm eingeführt wurde, waren Sitzheizungen oder Klimaanlagen kaum verbreitet, die den Verbrauch nach oben treiben.

Trotzdem schmückt sich auch mancher Autobauer gerne mit dem so ermittelten niedrigen Verbrauch. Ist das nicht Verbrauchertäuschung?

Nein, die NEFZ-Werte anzugeben ist gesetzlich vorgeschrieben, da haben die Hersteller keinen Ermessensspielraum. Es ist allseits bekannt, dass der Realverbrauch zum großen Teil vom persönlichen Fahrstil und der Fahrstrecke abhängt. Sie können leistungsstarke Achtzylinder, die im Schnitt zehn Liter auf 100 Kilometer brauchen, bei zurückhaltender Fahrt über Land auf sieben Liter drücken – im Stadtverkehr hingegen geht es auch mal auf 14 Liter. Das ändert nichts daran, dass auch wir die Messmethodik für überholt halten und schon lange auf einen neuen, realistischeren Zyklus drängen, der auch weltweit gültig sein soll.

Neuer Testzyklus Endlich realistische Spritverbrauchswerte?

Das kennt jeder: Im Prospekt noch so sparsame Neuwagen schlucken im Alltag viel mehr Treibstoff. Ein neuer Test soll nun endlich realistischere Verbrauchswerte liefern. Doch in den Details steckt jede Menge Sprengkraft.

Quelle: Presse

Lange ist gut. Über den neuen Standard namens WLTP wird seit 2009 gerungen.

Es war schon schwierig, sich auf eine Norm für Europa zu einigen. Zu unterschiedlich sind die Fahrbedingungen von Land zu Land. Und jetzt versuchen wir das weltweit, da sind Unterschiede noch größer. In Indien heißt es, ihr fahrt den Zyklus mit bis zu 130 Kilometern pro Stunde. Das nützt uns gar nichts. Denn in Indien ist so ein Tempo gar nicht erlaubt, es gibt auch kaum Straßen, auf denen das möglich wäre. Die Franzosen monieren, es gäbe zu viel Autobahnpassagen und zu wenig Stadtverkehr, und die Deutschen sehen es genau umgekehrt.

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