Verbrauchstest: Das Märchen vom sauberen Antrieb

Verbrauchstest: Das Märchen vom sauberen Antrieb

von Rebecca Eisert

Nicht nur Verbrennungsmotoren entpuppen sich als überdurstige Spritschlucker und Abgasschleudern. Auch bei den Tests für Hybride und Elektromotoren rechnen sich Autobauer ihre Ergebnisse schön.

"Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast", lautet ein alter Forscher-Witz. Weniger komisch sind die Folgen solcher Schönrechnerei für die Verbraucher. Bei ihren Spritverbrauchstests schummeln die Autohersteller, was das Zeug hält - selbstverständlich im Rahmen der Vorschriften, wie sie beteuern. Bei den Überlandfahrten werden Spalten an der Karosserie abgeklebt, um den Luftwiderstand zu verringern und das Fahrzeug um alle Teile erleichtert, die nicht zwingend notwendig sind. Weniger Gewicht bedeutet schließlich auch weniger Verbrauch. Leichtlauföl wird eingefüllt - passend zu den Leichtlaufreifen, die ein bisschen stärker als gewöhnlich aufgepumpt werden. So rollt es sich noch leichter, das Auto braucht noch weniger Benzin. Beinahe überflüssig zu erwähnen, dass die Testmodelle natürlich keine Sonderausstattungen haben, die das Gewicht und damit auch den Verbrauch erhöhen würden. Warum diese Testfahrten noch als "Realfahrten" bezeichnet werden, ist kaum nachvollziehbar.

So sparen Sie bis zu 20 Prozent Kraftstoff

  • Kaltstarts vermeiden

    Ein Kaltstart bedeutet Stress für den Motor und führt zu erhöhtem Verschleiß. Hohe Drehzahlen in dieser Phase steigern den Effekt zusätzlich. Durch die Kaltstartanreicherung liegt der Verbrauch bei bis zu 50 Litern je 100 Kilometer. Die Verbrennung läuft nicht optimal ab und im Abgas entstehen besonders viele Schadstoffe. Prinzipiell zählt jeder Anlassvorgang als Kaltstart, der bei einer Öltemperatur von weniger als etwa 50 Grad stattfindet.

    Deshalb den Motor starten ohne Gas zu geben, ein paar Sekunden im Leerlauf bleiben und dann ganz normal losfahren.

  • Ein Beispiel am Radfahrer nehmen

    Wer mit dem Rad unterwegs ist, fährt beim Losradeln nicht möglichst weit in möglichst kleinen Gängen und tritt auch nicht vor einer roten Ampel im Leerlauf oder mit wenig Luft in den Reifen. bergab tritt er nicht kräftig in die Pedale, sondern lässt sich rollen. Alles andere wäre zu anstrengend. Und alles, was beim Radfahren kräftig in die Beine geht, verbraucht beim Auto fahren unnötig Sprit.

  • Früh hochschalten

    Gerade die kleinen Gänge sollte man schnell durchschalten, im ersten Gang maximal bis zehn Kilometer pro Stunde fahren. 1500 bis 2000 Umdrehungen reichen schon, um in einen höheren Gang zu schalten, bei Dieselmotoren auch noch etwas früher. Je nach Geschwindigkeit können auch Gänge übersprungen werden.

  • Maximales Drehmoment kennen

    Ein Blick in die Papiere des Wagens kann beim Spritsparen helfen: Wer weiß, wo das maximale Drehmoment des eigenen Wagens liegt, kann sich entsprechend verhalten.

    Konkret heißt das: Moderne Motoren haben ihr maximales Drehmoment bei rund 1750 Umdrehungen. Ab dieser Drehzahl kann hochgeschaltet werden, ohne dass Motor und Leistung leiden.

  • Niedertourig fahren

    Fahren sie im höchstmöglichen Gang mit etwas Gas, also niedertourig (nicht untertourig). Dadurch fahren sie gleichmäßig und verbrauchen nicht so viel Energie, wie beim andauernden Beschleunigen und Abbremsen.

  • Vollgas geben

    So paradox es klingt: Wer Vollgas gibt, spart Sprit. Treten Sie das Gaspedal - außer im ersten Gang - zu etwa 90 Prozent durch, dann erkennt die Elektronik, dass die volle Motorleistung benötigt wird. Mit viel Gas ist frühes hochschalten problemlos möglich.

    Wer Automatik fährt, kann dafür den Energiesparmodus einstellen. Bei alten Automatikgetrieben wird erst das Gas zurückgenommen, damit die Automatik früher hochschaltet. Danach das Gaspedal so weit drücken, dass das Auto im höheren Gang dahin rollt, ohne wieder automatisch herunterzuschalten.

  • Vorausschauend fahren

    Wahrscheinlich hat es auch schon der Fahrlehrer gepredigt: Vorausschauendes Fahren ist wichtig. Wer Hindernisse schon in großer Entfernung erkennt, kann sie in den Fahrrhythmus einplanen. Wenn 400 Meter vor Ihnen ein Müllauto auf Ihre Straße einbiegt, ist Gas geben unnötig.

  • Abstand halten

    Wer zum Sicherheitsabstand noch einen zusätzlichen Reserveabstand einkalkuliert, kann Schwankungen im Verkehrsfluss ausgleichen, ohne sofort auf die Bremse treten zu müssen. So lässt sich auch in der Kolonne gleichmäßig rollen.

  • Tempomat nutzen

    Wer einen Tempomaten hat, sollte ihn außerorts und auf der Autobahn auch einsetzen: Er hilft Sprit zu sparen und der Fahrer kommt entspannter an.

  • Am Berg in hohen Gängen fahren

    Wenn Sie vor einer Steigung in den dritten Gang herunterschalten, um mit der Gaspedalstellung "1/4 Gas" und hohen Drehzahlen den Anstieg zu überwinden, liegt der Verbrauch deutlich höher, als wenn Sie den gleichen Berg bei gleicher Geschwindigkeit im fünften Gang mit der Gaspedalstellung "3/4 Gas" bewältigen. Der Unterschied kann mehr als drei Liter pro 100 Kilometer betragen.

  • Schubabschaltung nutzen

    Die Motorelektronik von Benzinern und der Einspritzpumpenregler bei Dieselmotoren sorgen dafür, dass bei eingelegtem Gang und rollendem Auto kein Kraftstoff in die Zylinder eingespritzt wird, solange kein Gas gegeben wird. Erst kurz vor Erreichen der Leerlaufdrehzahl wird wieder Kraftstoff zugeführt. Wer also ohne Gas zu geben, dafür mit eingelegtem Gang bergab oder auf eine Ampel zurollt, spart jede Menge Sprit.

  • Motor ausschalten

    Wer keine Start-Stopp-Automatik hat, sollte den Motor immer dann ausschalten, wenn das Auto voraussichtlich länger als 30 Sekunden irgendwo steht, beispielsweise vor Bahnübergängen oder im Stau. Ein Motor verbraucht nämlich nie so viel Kraftstoff wie im Stand.

  • Reifendruck prüfen

    Ein zu geringer Reifendruck führt zu höherem Verschleiß und erhöht den Rollwiederstand. Deshalb den Reifendruck vierteljährlich prüfen und lieber etwas mehr als etwas weniger Luft auf die Pneus geben. Als Basis am Besten die Werte für das vollbeladene Fahrzeug verwenden.

  • Klimaanlage ausschalten

    Eine eingeschaltete Klimaanlage kann den Spritverbrauch im Stadtverkehr um bis zu 30 Prozent steigern. Deshalb bei kurzen Strecken besser nur das Fenster öffnen.

Sie laufen weder unter realen, sprich praxisnahen, Bedingungen einer alltäglichen Autofahrt durch Stadt, Land und über die Autobahn, noch liefern sie in der Folge reelle Verbrauchswerte. Bis zu 25 Prozent weichen die Messwerte der Hersteller vom tatsächlichen Verbrauch ab, wie kürzlich eine Studie des International Council of Clean Transportation belegte. 500.000 Datensätze aus ganz Europa gingen in die Analyse sein, tausende Autofahrer hatten auf spritsparmonitor.de und honestjohn.co.uk. ihren Spritverbrauch protokolliert, auch der ADAC und sein Schweizer Pendant TCS, sowie Leasinggesellschaften und Verbraucherverbände haben Daten beigesteuert.

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Neue Testverfahren ab 2017

Fazit: Die Lücke zwischen offiziellen Angaben der Hersteller und dem tatsächlichen Verbrauch wird immer größer. Wer aus Kostengründen oder beseelt von dem Wunsch, umweltfreundlich unterwegs zu sein, ein Auto mit besonders niedrigem Spritverbrauch und geringem CO2-Ausstoß kaufen will, kann sich nicht auf die Werte der Hersteller verlassen. Gruppen wie der ADAC und der Verbraucherzentralen-Bundesverband pochen daher auf die Einführung neuer Messverfahren.

In der Kritik steht der Neue Europäische Fahrzyklus, kurz NEFZ, der den Herstellern nach Meinung der Kritiker zu viel Spielraum gibt, um besonders niedrige Verbrauchswerte zu erhalten. Die Hoffnung liegt auf dem Worldwide Harmonized Light Vehicles Test Procedures (WLTP). "Dieses Verfahren ist deutlich realitätsnaher als der NEFZ", lobt Reinhard Kolke, Leiter des ADAC-Technikzentrums in Landsberg am Lech. Das Auto darf während der Testfahrt nicht mehr so lange stehen (Stichwort Start-Stopp-Automatik) und wird stärker und für längere Zeit beschleunigt. Bis die zuständige Arbeitsgruppe ihre Vorschläge präsentiert, dauert es noch mindestens ein halbes Jahr, erst ab 2017 wird der WLTP dann EU-weit Anwendung finden.

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