Verkehrssicherheit: Was die Blackbox fürs Auto bringen soll

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Verkehrssicherheit: Was die Blackbox fürs Auto bringen soll

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Ein zerstörter Pkw nach einem Zusammenstoß mit einer Regionalbahn. Bei Unfällen sollen in Zukunft Blackboxes Daten sammeln

von Max Haerder und Franz W. Rother

Bundestag und Europäisches Parlament forcieren Pläne, Autos serienmäßig mit Unfall-Datenschreibern auszurüsten. Was steckt dahinter? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Worum geht es genau? Wie weit sind die Pläne?

Im November 2010 schickte Markus Havemann aus Nordrhein-Westfalen dem Bundestag eine Petition. Sein Wunsch an die Abgeordneten: Sie mögen ein Gesetz zur Einführung eines Unfall-Datenschreibers (UDS) für alle zugelassenen Autos beschließen; quasi eine serienmäßige Blackbox wie man sie sonst aus Flugzeugen kennt. Bei einem Unfall (extreme Bremsung, Airbag) würden die Daten gespeichert, um etwa der Polizei zur Verfügung zu stehen.

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Im Mai dieses Jahres hat der zuständige Petitionsausschuss des Bundestages über den Vorschlag entschieden. Das Ergebnis: Die Chancen für die Verkehrssicherheit würden „positiv eingeschätzt“, aber Deutschland sei nicht zuständig. Die Parlamentarier haben die Idee deshalb an die Kollegen im Europäischen Parlament weitergereicht, denn bei technischen Vorschriften ist im EU-Binnenmarkt nur noch einzig und allein Brüssel zuständig. Dort ist man ebenfalls angetan von der Idee – und hat wiederum die Kommission zum konkreten Handeln aufgefordert. Beschlossen ist aber noch nichts.

Was versprechen sich Experten von der Blackbox?

Über die Einführung eines UDS für Kraftfahrzeuge – Pkw wie Lkw - wird in Deutschland seit rund zehn Jahren diskutiert. Schon auf dem 41. Verkehrsgerichtstag 2003 in Goslar hatten sich Juristen dafür ausgesprochen, die EU-Kommission beschäftigt sich selbst seit 2009 mit dem Thema im Rahmen des Programms „VERONICA“ – dem „Vehicle Recording based on Intelligent Crash Assessment“.

Dahinter steht die Erwartung, bei gerichtlichen Verhandlungen von Verkehrsunfällen mit Personenschäden die Schuldfragen schneller und eindeutiger klären zu können. Hinzu kommt die Hoffnung, dass die Autofahrer disziplinierter fahren, wenn sie wissen, dass beispielsweise eine Übertretung der Höchstgeschwindigkeit von einer Blackbox unter dem Fahrersitz aufgezeichnet wird. Ein solches Gerät könnte dem Autofahrer beispielsweise auch akustische Signale geben, wenn er eine gesetzlich vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit über längere Zeit ignoriert. Das Ergebnis wäre – so prognostizieren es Gutachten – wahrscheinlich eine defensivere Fahrweise. Einige Großspeditionen setzen deshalb Datenspeicher heute schon ein.

Was soll die Blackbox überhaupt aufzeichnen?

Denkbar und machbar ist bei modernen, mit Elektronik vollgepackten Autos vieles. Schon heute nutzen einige Hersteller die Datenflut im Fahrzeug dazu, um Informationen, die für die Wartung relevant sind – gefahrene Kilometer, Hinweise auf auftretende Defekte –, auszulesen und auf dem Transponder im Fahrzeugschlüssel abzulegen. In der Werkstatt können dann die Kennzahlen schnell weiterverarbeitet werden. Für einen UDS wäre es aber nicht nur wichtig, die gefahrene Geschwindigkeit festzuhalten, sondern auch Informationen über Richtungsänderungen, Bremsvorgänge, das Einschalten des Fahrlichts und Setzen des Blinkers aufzuzeichnen, ebenso wie die Information, ob sämtliche Fahrzeuginsassen auch den Sicherheitsgurt nutzen.

Theoretisch wäre es auch möglich, Fahrtdauer und Strecke abzuspeichern – ein kleiner GPS-Empfänger und/oder Signale des Autotelefons würden dafür genügen. Datenschützer dürften aber hier Einspruch erheben. Leichter wäre es, wenn nur die Daten ausgewertet würden, die im Zeitfenster rund um einen Unfall anfallen – aktiviert würde der UDS durch eine Vollbremsung oder die Meldung von Crashsensoren. Kommt es nach einer Vollbremsung zu keinem Unfall, würden die Daten nach kurzer Zeit wieder aus der Box gelöscht. Datenschützer sollten dann mit dem elektronischen Spion an Bord weniger Probleme haben.    

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