Vernetzte Autos : Justizminister Maas mahnt Datenschutz

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Vernetzte Autos : Justizminister Maas mahnt Datenschutz

Autos werden in der Zukunft immer mehr Daten austauschen. Justizminister Maas sieht die Gefahr eines „gläsernen Autofahrers“ und fordert einen strikten Datenschutz.

Die Bundesregierung setzt sich für mehr Datenschutz bei vernetzten Autos ein. „Autofahrer müssen selbst entscheiden können, welche Daten erhoben und an wen diese übermittelt werden“, sagte Bundesjustizminister Heiko Maas der Deutschen Presse-Agentur zum „Safer Internet Day“. Zugleich sieht er keinen Raum für nationale Alleingänge und setzt auf europäische Regelungen.

Daten aus Fahrzeugen könnten Vorteile bringen, etwa wenn Opfer bei Unfällen schneller zu erreichen seien, sagte Maas. „Was wir nicht wollen, ist aber der „gläserne“ Autofahrer, für den Bewegungsprofile erstellt und Daten über den Fahrstil gesammelt werden“, betonte der SPD-Politiker.

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Eine mögliche Liste mit Daten aus dem Auto

  • Identifikationsdaten des Fahrzeugs

    Identifikationsdaten des Fahrzeugs und der Hardware – etwa Codierung in Prozessoren oder Chips, Softwarelizenzen, Computerzugänge für Updates oder Wartung.

  • Kommunikations- und Logdaten

    Kommunikations- und Logdaten wie IP-Nummer oder Mobilfunknummer.

  • Übertragen und Verifizieren der Identifikationsdaten des Fahrers oder des Besitzers

    Das ist nicht nur das Einloggen in den Bordcomputer des Autos. Das Fahrzeug loggt sich in das Mobilfunknetz ein und greift auf die unterschiedlichsten Cloud- oder Rechenzentrumsanwendungen verschiedener Hersteller zu. Die Identifikation ist beispielsweise über Passwort, Kreditkarte, Augenscan oder Fingerabdruck möglich.

  • Übertragung der technischen Daten des Autos

    Der Bordcomputer sammelt diese Daten von den Sensoren oder Messgeräten im Fahrzeug. Sie geben den Leasingbanken oder den Werkstätten detailliert Auskunft über Zustand, Wartung und Wert des jeweiligen Fahrzeugs.

  • Daten des digitalen Fahrtenbuches

    Das sind beispielsweise Bewegungsdaten, die über GPS und Kartendienste gesammelt werden. Der Weg eines Fahrzeugs führt über Berge oder durch die Stadt. Die Anwendungen in den Rechenzentren kalkulieren besondere Risiken durch Abnutzung, Diebstahl, Steinschlag ...

  • Daten über das Fahrverhalten des Fahrers zur Ergänzung des Profils

    Wo ist die Person momentan unterwegs, wie ist der Fahrstil? Ergänzung und Update des Datenbestandes mit den Daten der aktuellen Fahrt.

  • Daten aus dem Mobiltelefon

    Das Mobiltelefon ist als Schnittstelle an den Bordcomputer angeschlossen. Es liefert Logdateien an den Mobilfunkanbieter, Verbindungsdaten und Daten für die Datenübertragung und Telefongespräche. Die Datensätze zeigen Dauer und Umfang des Downloads, Gesprächsdauer und Ort des Gespräches.

  • Daten aus der Cloud oder den Rechenzentren der Autohersteller

    Die Anwendungen sammeln Daten über den Zustand der Leasingflotte, den Wert jedes einzelnen Fahrzeugs, dessen Abnutzung, und berechnen einen Blick in die Zukunft. Wie sehr wird das Fahrzeug vom derzeitigen Halter beansprucht und wie hoch ist der Wertverfall bis zum Ablauf des Leasingvertrages?

  • Daten aus den digitalen sozialen Netzwerken

    Gleichgültig ob der Fahrer chattet, telefoniert, Bilder postet oder Geschäftskontakte recherchiert, die sozialen Netzwerke halten den Kontakt und schicken Bilder, Werbung und Text direkt ins Auto.

  • Daten aus den Fahrerassistenzsystemen

    Das Fahrzeug überträgt ständig Positionsdaten und erhält Daten beispielsweise über die anderen Fahrzeuge auf einer Straße zurück.

  • Daten aus Clouds der Business-Prozess- oder Office-Anbieter

    Die Anbieter von Unternehmenssoftware haben ihre Anwendungen für mobile Geräte erweitert. Autofahrer können über ihre Bordcomputer oder Smartphones auf Dokumente, Datensätze, Mails, Chats und Listen zugreifen und sie in das Fahrzeug übertragen.

  • Verbindungsdaten des Netzanbieters

    Entlang der gefahrenen Strecke erhält der Mobildienstleister die Verbindungsdaten mit dem Mobilfunknetz.

  • Stromlieferanten

    Beim Laden identifizieren sich die Elektrofahrzeuge gegenüber dem ausgewählten Stromlieferanten für die Abrechnung – beispielsweise über die Telefonrechnung oder die Kreditkarte.

  • Der eCall-Datensatz

    Ein kleiner Datensatz, der die Rettungskräfte über einen Unfall sofort informiert (ab 2015 wohl Pflicht in Neuwagen). Der Datensatz ist bei Autoherstellern und Versicherungen sehr begehrt. Derjenige, der den Datensatz als Erster bekommt, bestimmt das Geschäft mit Reparatur, Werkstätten und Unfallwagen.

Der Minister forderte die Hersteller zur Datensparsamkeit auf. „Systeme müssen so konzipiert werden, dass möglichst wenige Daten erhoben werden und die Datenverarbeitung auf ein Minimum beschränkt wird.“ Schon bei der Neuentwicklung von Fahrzeugen müsse der Datenschutz mitbedacht werden, ergänzte Maas bei einem Auftritt am Dienstag. „Vor allem ist aber wichtig: Die Übermittlung von Daten, zu welchen Zwecken auch immer, bedarf der ausdrücklichen Zustimmung.“ Es müsse größtmögliche Transparenz geben.

Der Datenaustausch bei vernetzten Fahrzeugen müsse international geregelt werden, betonte Maas. „Nationale Regelungen im Datenverkehr helfen uns überhaupt nicht weiter.“ Er setze auf die anstehende EU-Datenschutzverordnung.

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Die Autos werden zunehmend mit dem Internet verbunden. Nach Einschätzung der Marktforscher der Analysefirma Gartner könnten zum Jahr 2020 etwa 250 Millionen vernetzte Fahrzeuge unterwegs sein. Das wäre rund jedes fünfte Auto weltweit. Damit könnten auch die vielen Daten, die von den Sensoren der Fahrzeuge gesammelt werden, weitergefunkt werden. In Entwicklung sind unter anderem Systeme, bei denen sich Fahrzeuge automatisch vor Unfällen, Staus oder Behinderungen wie Glatteis und Nebel warnen können. Der Schlüssel dafür ist ein freier Fluss von Daten.

Zudem stehen etwa Versicherer stehen in den Startlöchern mit Geschäftsmodellen, bei denen Tarife an die Auswertung des Fahrverhaltens angepasst werden. Werkstätten wollen Service-Angebote an Daten über den tatsächlichen Verschleiß von Teilen anbinden.

Gleichzeitig arbeiten Autobauer und Internet-Firmen an selbstfahrenden Fahrzeugen, die noch stärker auf digitale Informationen angewiesen sind.

Am Dienstag wurden auch Differenzen zwischen der Position von Politik und Datenschützern und der IT-Branche deutlich. „Wenn wir immer darauf warten, dass wir bei allem Neuen einen verlässlichen Rahmen haben, dann verpassen wir einen Teil der Zukunft“, warnte der Chef des IT-Branchenverbandes Bitkom, Dieter Kempf. Der Bitkom-Chef hält besser aufbereitete Nutzungsbedingungen - zum Beispiel in Fragen und Antworten - grundsätzlich für sinnvoller als kleinteilige Zustimmungs-Abfragen bei einzelnen Datenarten, wie Maas es für möglich hält.

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