Wasserstoffautos: Brennstoffzelle reloaded

Wasserstoffautos: Brennstoffzelle reloaded

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Brennstoffzellen-Taxi

von Jürgen Rees

Erst war die Brennstoffzelle die große Hoffnung der Autohersteller – dann eine noch größere Enttäuschung. Nun sind viele anfängliche Probleme gelöst. Wird der saubere Antrieb nun zum Rivalen für Batterie-Autos?

Dieser Auftritt ist den Entwicklern der Daimler-Brennstoffzelle auch nach zehn Jahren noch peinlich. Vor den Augen der Weltöffentlichkeit präsentierten Autokanzler Gerhard Schröder und Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp im November 2000 großspurig so etwas wie das Perpetuum mobile der Autoindustrie: „das erste Null-Liter-Auto“ der Welt, das brennstoffzellenbetriebene „New electric car 5“, kurz: Necar 5. Der Autokanzler sonnte sich im Glanz des damals erfolgreichen Unternehmenschefs und lächelte wohlgefällig, als Schrempp die Serienreife der neuen Technologie für das Jahr 2004 versprach.

Die Daimler-Entwickler um den damaligen Projektleiter Ferdinand Panik wussten damals schon, dass es so schnell nie gehen würde. Sie behielten recht. Statt eines technologischen Wunders produzierte die Brennstoffzellentechnik vor allem Enttäuschung: Sie war teurer als geplant, anfälliger als gedacht, und an ein Tankstellennetz war überhaupt nicht zu denken. Die Branche war blamiert, und es wurde still um Brennstoffzellenantrieb und Wasserstofftechnik. Kein Hersteller wagte sich mehr mit irgendeiner Prognose aus der Deckung.

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Nun aber, zehn Jahre nach dem denkwürdigen Auftritt von Autokanzler und Autokönig, ist der Brennstoffzellenantrieb wieder da. Die zur Neige gehenden Erdölvorräte und der Klimawandel zwingen die Hersteller, den CO2-Ausstoß ihrer Flotten zu senken. Alternativen zu Benzin- und Dieselmotoren sind daher so dringend gesucht wie noch nie.

Wasserstoffautos werden wettbewerbsfähig

Lange standen dabei alleine batteriebetriebene Fahrzeuge im Fokus. Doch neue Wasserstoffautos vor allem von den Marktführern Mercedes und Toyota zeigen, dass die Technik allmählich wettbewerbsfähig wird. Gewaltige Fortschritte haben die Ingenieure vor allem bei der Haltbarkeit der Brennstoffzelle, den Anschaffungskosten und dem Fahrkomfort für die Passagiere gemacht. Selbst gegenüber batteriebetriebenen Elektroautos hat die Brennstoffzellentechnik Vorteile: Sie ist ähnlich lautlos und abgasfrei. Brennstoffzellenautos fahren im Schnitt aber sechsmal so weit wie ihre Rivalen. Und zugleich kann die Brennstoffzelle im Gegensatz zu den akkubetriebenen Elektromotoren auch schwere Transporter und Busse antreiben.

Genial einfaches Prinzip

Auch deshalb ließen die Forschungsabteilungen der Autokonzerne trotz anfänglicher Rückschläge das Thema nicht ruhen. Denn das Prinzip ist genial einfach: Kern der Brennstoffzellentechnik ist die kontrollierte Knallgasreaktion. Dafür führen Ingenieure Wasserstoff und Sauerstoff in der Brennstoffzelle so zusammen, dass die Energie nicht in Form einer Explosion oder Flammenhitze, sondern als elektrischer Strom frei wird, der zum Antrieb eines Elektromotors genutzt wird. Aus dem Auspuff kommt nur Wasserdampf. Zudem ist der Prozess nahezu lautlos.

Eindrucksvoll zeigt das der weiße, knapp zwei Tonnen schwere Geländewagen Toyota Highlander, der 2015 in den Handel kommen soll. Der auf den sperrigen Namen FCHV-adv getaufte Brennstoffzellenwagen kurvt geräuschlos über die Straßen Berlins. Wie es für Elektroantriebe typisch ist, steht immer die volle Leistung von 122 PS zur Verfügung, ganz gleich, ob die Drehzahl hoch oder bei null liegt. Das hat den Effekt, dass der dicke Brummer deutlich flotter beschleunigt als gleichstarke Benziner oder Turbodiesel.

Die Ruhe im Auto lernen Fahrer wie Beifahrer schnell schätzen. Die Reichweite ist mit 600 Kilometern komfortabel. Ähnlich auch die Daten des F-Cell von Mercedes, der auf der B-Klasse basiert: Er schafft mit einer Tankfüllung von 3,8 Kilogramm Wasserstoff zum Preis von rund acht Euro pro Kilogramm 400 Kilometer. Zum Vergleich: Die ersten Elektroautos erreichen im Alltag gerade 100 Kilometer. Auch bei der Tankzeit ist das Brennstoffzellenauto im Vergleich zum Elektroauto wettbewerbsfähig: „Nach drei Minuten ist der Tank voll. Niemand muss also an der Tankstelle übernachten“, sagt Daimler-Chef Dieter Zetsche.

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