Wie die Käufer manipuliert werden: Keine ESP ohne Lederlenkrad

Wie die Käufer manipuliert werden: Die großen Tricks der Autobauer

« 2 / 8 »

Keine ESP ohne Lederlenkrad

Ford T
Das Modell T von Ford, Spitzname „Tin Lizzie“, war das erste am Fließband gebaute Auto und dürfte damit als wichtigster Meilenstein der US-Autoindustrie gelten. Bevor der VW Käfer es in den Siebzigern ablöste, war das T-Modell der meistverkaufte Wagen der Welt. Noch heute gilt die Entwicklung des Autopioniers Henry Ford als Urknall in Sachen Massenmotorisierung. Die äußerst puristische Ausstattung - das T-Modell der ersten Produktionsjahre hatte keine vorderen Türen – tat seiner Beliebtheit keinen Abbruch. Sein Siegeszug führte Ford 1926 auch nach Deutschland.

Bild: GNU


2. Unnötige Ausstattung, teure Extras und komische Pakete

Lenkradheizung im Range Rover Evoque, gekühltes Handschuhfach im Hyundai i30, Rückenmassage und klimatisierter Stauraum im Citroen DS5, Warmhalte- und Kühlfunktion für Cupholder im Jeep Grand Cherokee, Warmluft-Nackenschal im Mercedes SLK-Roadster, Internet-Zugang während der Vollgas-Fahrt im BMW, stimmungsvolles Ambiente-Licht im Mini und 550 Watt-Surround-Klang aus 18 Hifi-Lautsprechern im Jaguar. Brauchen wir das wirklich?

Die Liste der teuren Extras, die uns die Industrie aufschwatzt, ließe sich fast beliebig fortsetzen: Licht- und Regen-Sensoren, selbstständiges Einparken des Autos, Spurwechselassistenten und Verkehrsschilderkennung, das sind Sonderausstattungen, die noch vor 30 Jahren kein Mensch gebraucht, geschweige denn mit tausenden von Euro extra bezahlt hätte.

Dass einige der technischen Neuerungen das Fahren sicherer machen, ist unbestritten und gut. Aber klar ist andererseits auch, dass die Industrie nur suggeriert, wir brauchten bestimmte Features im Auto, für die sie dann satte Aufpreise verlangt.

Ein VW Up beispielsweise, mit einem Grundpreis von 8.950 Euro lässt sich ohne große Anstrengung auf deutlich über 13.000 Euro bringen. Wer aber glaubt, für den Grundpreis auch Reserverad samt Wagenheber im Kofferraum zu finden, der irrt. Auch das kostet extra. Wir können uns aber an keinen Autofahrer erinnern, der sich jemals gewünscht hätte, dass das fünfte Rad entfällt.

Platz 5: Volkswagen

Nur 5,4 Prozent der Befragten erleben VW-Fahrer als Drängler, Raser oder solche Fahrzeuglenker, die gerne dicht auffahren.

Viele Verkehrsteilnehmer schließen übrigens von der Autofarbe auf das Fahrverhalten. Bei einem schwarzen Auto haben 43, 5 Prozent der Befragten das ungute Gefühl, dass hinterm Steuer ein aggressiver Fahrer sitzt. 9,7 Prozent haben diese Einschätzung immerhin noch bei silbernen Fahrzeugen. Fahrer von PS-starken Autos werden allgemein als besonders bedrohlich wahrgenommen. Dazu zahlen...

Bild: Volkswagen


Ein besonderes Ärgernis für viele Neuwagenkäufer sind die spezifischen Ausstattungspakete, die von den Herstellern geschnürt werden. Wenn es beispielsweise eine Klimaanlage nur in Kombination mit Leder-Vollausstattung gibt. Der Hersteller schützt sich dann üblicherweise mit dem Argument, viele andere Kunden würden genau diese Zusammenstellung wünschen, daher würde sie nur genau so zum Vorzugspreis angeboten.

Unter dem Titel ein Extra kommt selten allein, listete Auto Bild 2011 folgende Beispiele für abenteuerliche Paketlösungen auf: Abstandsradar im Toyota Prius gibts nur wenn man sich für eine 3.300 Euro teure Ausstattungslinie entscheidet und zudem Ledersitze für 1.700 Euro dazukauft.

Beim Audi A4 kann der Kunde für 565 Euro eine Sitzheizung bestellen. Jedoch muss er auch hier tiefer in die Tasche greifen und zusätzlich Ledersitze für 1.795 Euro, ein Lederlenkrad für 190 Euro und eine Mittelarmlehne vorn für ebenfalls 190 Euro bestellen.

Und manche Extras scheinen von bestimmten Motorisierungen abhängig zu sein. Beim Dacia Duster gibts das Sicherheitssystem ESP nur im großem Diesel-Modell 110 DCi, und nur, wenn man ein Lederlenkrad mitbestellt. Ähnlich der Renault Mégane. Ein Glasschiebedach kostet 900 Euro Aufpreis – allerdings nicht im Basis-Benziner, sondern nur in der 3.350 Euro teureren 110-PS-Variante.

Tipp für Käufer: Wer einen genauen Blick auf die Exportmodelle eines solchen Herstellers für andere europäische Märkte wirft, dem gehen teilweise die Augen über: Nicht nur, dass das Modell im Grundpreis deutlich billiger ist, die Ausstattungs-Kombinationen, die es angeblich für den deutschen Markt nicht gibt, sind hier zu bekommen. Wer seinen Wunsch realisieren will, dem bleibt aber nur der Weg zum Re-Importeur.

Anzeige

6 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 03.09.2012, 18:24 UhrDerstahldoctor

    tja das "unverzichtlich wichtige" Wirtschaftswachstum ist zu unserer neuen Religion geworden. Da müssen sich die Systemsklaven eben anpassen, und mehr Geld für mehr Unsinn der nicht Zufrieden macht ausgeben. Wer das Spiel etwas besser verstehen will, dem empfehle ich den Film Moving Forward auf Youtube. Ich lebe heute freier, glücklicher und Zufriedener. Jetzt habe ich endlich mehr Zeit da ich weniger Arbeiten muss und auch mehr Geld da ich es nicht mehr für den ganzen Blödsinn ausgeben muss der mir angeblich noch gefehlt hat. :-)

  • 01.09.2012, 21:01 Uhrsagauchwas

    völlig richtig

  • 01.09.2012, 20:59 UhrOttavo

    Bravo, dass sich die WiWo als Wirtschaftsblatt traut, auf diesen Unsinn hinzuweisen!

    Üblicherweise sind es gerade Journalisten, die mir ständig suggerieren, dass ich ohne einen PS-Protz mit Lederausstattung, Xenonlicht und allem möglichen Schnick und Schnack, kein vollwertiger Mensch bin. Man bedankt sich halt gerne beim Sponsor, der einem den tollen Neuwagen zum ausgiebigen Testen zur Verfügung stellt. Sollte man später mal ein eigenes Auto erwerben müssen, winkt gewiss ein fabelhafter Preisnachlass. Und da ist ja auch noch das wichtige Anzeigengeschäft …...

    Das gilt im Übrigen auch für viele Gazetten, denen eher Linkslastigkeit vorgeworfen wird.

    Ich gebe zu, man kann sich diesem Quatsch leider nicht ganz entziehen – aber als Innenstadtbewohner einer Großstadt, helfen mir die Verhältnisse, auf dem Teppich zu bleiben.

Alle Kommentare lesen
weitere Fotostrecken

Blogs

Microsoft gegen Apple: Weniger Gelaber von Siri, mehr Aufgaben erledigen
Microsoft gegen Apple: Weniger Gelaber von Siri, mehr Aufgaben erledigen

Der Softwaregigant aus Redmond nutzt die Sprach-App beim iPad in einem Werbe-Spot für Windows-8-Tablets. Microsoft lernt...

    Folgen Sie uns im Social Web

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.