Wie die Käufer manipuliert werden: Wenn alle Luxus haben müssen

Wie die Käufer manipuliert werden: Die großen Tricks der Autobauer

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Wenn alle Luxus haben müssen

Mit dem Karosserieprogramm "Cyrano" macht Tuner Hamann aus dem eher zurückhaltend gestylten Porsche Panamera einen brutal anmutenden Hingucker. Und damit die Optik auch den Tatsachen entspricht, haben die Hamänner auch gleich noch unter der Motorhaube Hand angelegt. Statt 405 kW/550-Turbo-PS sorgen jetzt 443 kW/603 wilde Pferde für gewaltigen Vortrieb. Zum Basispreis von 168.987 Euro verlangt der Tuner dann allerdings noch einen Zuschlag von happigen 64.000 Euro für den Komplettumbau.

Für den Preis bekommt der Kunde eine Leistungssteigerung von 53 PS aus dem V8-Zylinder-Turbomotor. Damit soll der Viersitzer in 3,7 Sekunden auf 100 km/h sprinten und nach 12,4 Sekunden 200 km/h schnell sein. Als Höchstgeschwindigkeit geben die Oberschwaben 315 km/h an. Neben der reinen PS-Leistung überzeugt der Hamann-Panamera auch mit dem gewaltigen Drehmoment von 870 Newtonmetern, das zwischen 2.500 Umdrehungen und 4.500 Umdrehungen anliegen soll.

Bild: PR


4. Premium-Wahn

Wer sich für Kompakt- und Kleinwagen auch nur im entferntesten interessiert, dem ist den den vergangenen Jahren eine bestimmte Entwicklung aufgefallen: Die Hersteller packen Extras und Technik aus den oberen Segmenten, also größeren und teureren Fahrzeugen auch in Kleinstwagen und die so genannte Golf-Klasse. Vom Nutzen der unterschiedlichen Features abgesehen, zahlt der Kunde dafür aber immer zweimal.

Warum, zeigt ein Blick auf die Entwicklung der Fahrzeug-Restwerte. Das darauf spezialisierte Prognoseintitut Bähr & Fess Forecasts stellt fest: Ausstattungen, selbst hochwertigste, verfallen im Preis schneller als das Basisfahrzeug. Die Experten aus Saarbrücken rechnen unter anderem aus diesem Grund die Ausstattungen aus ihren Prognosen („Was ist das Neufahrzeug x in vier Jahren wert?“) extra heraus.

Qualmende Reifen stinken, oder? Nicht unbedingt: Kumho kann auch anders. Angeblich äußerst beliebt bei asiatischen Kunden sind die Duftreifen des japanischen Herstellers. Bislang gibt es nur die Duftnote Lavendel, geplant sind aber Orangenblüte, Rosmarin und Jasmin. Zur Technik: Die Reifen verströmen ihren Duft sobald eine bestimmte Wärme der Reifen erreicht ist und das sogar in einem Umkreis von ca. zehn Metern. Im Reifen eingearbeitet sind hitzeresistente Öle, die dann den Lavendelduft verströmen. Die Reifen basieren auf dem Modell Ecsta HM KH31. Der Duft bleibt laut Hersteller für mindestens ein Jahr erhalten. Die Firma hat übrigens auch den Coloured Smoke Tire entwicket. Das Highlight für Tuningfreunde verqualmt bei durchdrehenden Antriebsrädern wahlweise rot, blau oder gelb. Eine Zulassung ist noch offen, die Pneus könnten bei Angebern zu übertrieben rasanten Ampelstarts führen. (Quelle: Thomas Pospiech, Auto - Das große Sammelsurium; eigene Recherche)

Bild: Pressefoto


Hinzu kommt ein weiterer Effekt: Tendieren Premium-Hersteller wie Daimler, BMW und Audi dazu, immer mehr Fuhrpark-Fahrzeuge und Leasing-Flotten innen höherwertiger auszustatten, so wird Luxus bald zum Masseneffekt. Laut Bär & Fess ist dies schon seit Jahren der Fall, denn es ist ein gutes Geschäft für die Hersteller. Ein schlechtes aber für die Leasingnehmer und noch mehr für Privatleute.

Denn als Folge lassen sich spartanischer ausgestattete (Privat-)Fahrzeuge nur noch mit hohem Abschlag verkaufen. Im Umkehrschluss können sich immer weniger Privatleute deutsche Premium.Neuwagen leisten. Nicht umsonst gehen schon heute manche Audi-Avant-Modelle zu 70 Prozent an Geschäftskunden. Warum das so ist, zeigt ein einfaches Beispiel: Unser fast voll ausgestatteter Testwagen, ein Audi A4 Avant 2.0 TDI kostet mit den angenehmen Extras an Bord 51.450 Euro. Der Basispreis liegt bei 31.680 Euro.

Vielen potenziellen Neuwagen-Käufern sind die Preise längst zu abgefahren. So schreibt Handelsblatt Online-Leser "danke_dir" im Forum: "Sie bauen am "Geld vorbei". Ein Dacia Logan MCV kostet als LPG in Vollausstattung mit Überführung gerade mal rund 13.000 Euro. Sorry, aber wenn ich da deutsche Autos ansehe, vergehts mir. Und Qualität hin oder her: 3x länger hält ein vergleichbar großer VW auch nicht. Im Gegenteil, was ich mit VW schon an Motorfehlern und Elektronikfehlern durchmachen musste, ist eine glatte Frechheit. VW= VOLKSwagen. Ich glaube das Volk haben die schon lange aus den Augen verloren."

Was indirekt in dieser Kritik steckt, ist der Trend zu mehr Firmenkunden. Privatkunden machen im Schnitt laut Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer nur noch 40 Prozent des Gesamtabsatzes aus. Sie sind aber das ertragreichste Geschäft. Die 60 Prozent Firmenkunden bringen den Herstellern deutlich weniger Marge.

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6 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 03.09.2012, 18:24 UhrDerstahldoctor

    tja das "unverzichtlich wichtige" Wirtschaftswachstum ist zu unserer neuen Religion geworden. Da müssen sich die Systemsklaven eben anpassen, und mehr Geld für mehr Unsinn der nicht Zufrieden macht ausgeben. Wer das Spiel etwas besser verstehen will, dem empfehle ich den Film Moving Forward auf Youtube. Ich lebe heute freier, glücklicher und Zufriedener. Jetzt habe ich endlich mehr Zeit da ich weniger Arbeiten muss und auch mehr Geld da ich es nicht mehr für den ganzen Blödsinn ausgeben muss der mir angeblich noch gefehlt hat. :-)

  • 01.09.2012, 21:01 Uhrsagauchwas

    völlig richtig

  • 01.09.2012, 20:59 UhrOttavo

    Bravo, dass sich die WiWo als Wirtschaftsblatt traut, auf diesen Unsinn hinzuweisen!

    Üblicherweise sind es gerade Journalisten, die mir ständig suggerieren, dass ich ohne einen PS-Protz mit Lederausstattung, Xenonlicht und allem möglichen Schnick und Schnack, kein vollwertiger Mensch bin. Man bedankt sich halt gerne beim Sponsor, der einem den tollen Neuwagen zum ausgiebigen Testen zur Verfügung stellt. Sollte man später mal ein eigenes Auto erwerben müssen, winkt gewiss ein fabelhafter Preisnachlass. Und da ist ja auch noch das wichtige Anzeigengeschäft …...

    Das gilt im Übrigen auch für viele Gazetten, denen eher Linkslastigkeit vorgeworfen wird.

    Ich gebe zu, man kann sich diesem Quatsch leider nicht ganz entziehen – aber als Innenstadtbewohner einer Großstadt, helfen mir die Verhältnisse, auf dem Teppich zu bleiben.

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