Wohnmobile : Mein Schloss für unterwegs

Wohnmobile : Mein Schloss für unterwegs

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In einem Wohnmobil der ersten Generation aus dem Jahre 1965 sind Fortbewegung wie Ankommen entschleunigte Erlebnisse. Mit Tempo 90 bleibt Zeit für Ausblicke nach hinten wie nach vorne.

von Thorsten Firlus-Emmrich

Vor 60 Jahren starteten die Deutschen mit ihren Schlafplätzen auf Rädern in die Welt. Aus Abenteuerlust und Freude an Unabhängigkeit hat sich mit der Zeit der Wunsch nach einem kleinen Schloss für unterwegs entwickelt.

Die Welt, die ich am Steuer des Bulli, Baujahr 1965, hinter mir lasse, verschwindet im Rückspiegel, die Dinge werden kleiner, bis sie alle Bedeutung verloren zu haben scheinen. Auf der Fahrt an die Küste wechseln die Bilder wie Gemälde, während der Rahmen aus zwei Stoffgardinen rechts und links der Heckscheiben bleibt. Ich bekomme eine leise Ahnung, wie die Westdeutschen, die in den Fünfzigerjahren aufbrachen zu Auslandsreisen, gestärkt durch das Wirtschaftswunder und mit der jungen, erstarkenden D-Mark im Gepäck, optimistisch nach vorn schauten, die noch so junge, bittere Geschichte hinter sich lassend, eine aufregende Reise vor sich.

Es ist das Jahr 1951, als Volkswagen der Wunsch eines deutschen Kunden erreicht, für den auf dem Käfer basierenden VW-Transporter mit der schlichten Bezeichnung T1 eine Wohneinrichtung anzubieten. Der Zulieferer Westfalia aus Rheda-Wiedenbrück entwickelt daraufhin eine sogenannte Camping-Box. Man kann diese Konstruktion leicht ein- und wieder ausbauen, damit der Wagen im Alltag weiter als Transporter eingesetzt werden kann.

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Simple Kastenaufsätze sind passé

Das insgesamt rund 800 Mark teure Ausrüstungspaket besteht unter anderem aus einem Schrank über dem Heckmotor, einer Sitzbank vor dem Motor, einer Frisierkommode mit Auszug direkt hinter dem Fahrersitz und einem Fach für den Benzinkocher. Für die Nacht werden die Polster der Rücksitzbank zu Liegeflächen für zwei Personen. Mehr ist nicht nötig, um sich am Ende des Tages nach langer Fahrt auszuruhen, auf einer Wiese, an einem Seeufer oder direkt am Meeresstrand – dort, wo niemand sonst ist, der die Einsamkeit stört. Der Reisende, die Natur und das mobile Dach über dem Kopf für die Nacht – sie bildeten damals eine harmonische Einheit.

Derart bescheidene Verhältnisse sind 60 Jahre später längst passé. Gewiss, immer noch gibt es simple Kastenaufsätze, mit denen sich Lieferwagen in Wohnmobile verwandeln lassen. Aber selbst der VW California, die Wohnmobilausführung des T1 in der fünften Generation, bietet mit elektrischem Ausstelldach und Schaltautomatik, mit Klimaanlage und Drehsitzen, Gaskocher, Kühlschrank und Standheizung schon jede Menge Luxus.

50 Jahre Campingmesse

Und wer mag und das nötige Kleingeld hat, kann Wohnmobile auf Bus- oder Lkw-Plattform als rollende Villen erwerben, die über Badezimmer, Waschmaschine und Fußbodenheizung verfügen und in einer integrierten Garage einen Kleinwagen für Einkaufsfahrten mit sich führen.

"Platz ist in der kleinsten Kabine", lautet das Motto der Hersteller, die zwischen dem 27. August und dem 4. September auf dem Düsseldorfer Caravan Salon ihre Reisemobile und Wohnwagen neuester Bauart zeigen. Europas größte Campingmesse feiert ihren 50. Geburtstag, und die Hersteller haben Grund, sich zu freuen. Allein im ersten Halbjahr 2011 wurden in Deutschland 14 680 Reisemobile zugelassen, wie der Caravaning Industrieverband meldet, 18 Prozent mehr als 2010 und nur 56 Stück weniger als im Rekordjahr 2008.

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