Autobauer: Fiat macht Kunden zu Erfindern

Autobauer: Fiat macht Kunden zu Erfindern

In Brasilien hat Fiat-Chefdesigner Peter Fassbender zusammen mit Internet-Nutzern ein Auto entwickelt. Das Beispiel zeigt, wie radikal Crowd Sourcing die Industrie verändert.

Kontrolliert radikal

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Autodesigner Fassbender. "Gelésen, interpretiert und vorgetastet"

Peter Fassbender liebt die Extreme. Ob privat, wenn er sich mit einem Gleitschirm von den Bergen des Minas Gerais in Brasilien in die Tiefe stürzt – oder beruflich: Ein Designzentrum sollte der gebürtige Saarbrücker in Brasilien aufbauen, das einzige außerhalb Italiens. Denn der Autohersteller will dort, in seinem wichtigsten Markt, noch mehr Autos verkaufen – obwohl in Brasilien ohnehin schon jedes vierte Fahrzeug ein Fiat ist. Um diese Mission zu erfüllen, das ist Fassbender klar, muss er völlig neue Wege gehen.

Am radikalsten hat Fassbender diese Erkenntnis bei der Konzeption des Stadtwagens Mio umgesetzt: Dafür hat er sogar das Erfinden ein Stück weit neu erfunden. Er zog sich nicht – wie üblich – monatelang mit seinen Kollegen in abgeschirmte Labors zurück. Diesmal fragte Fassbender Kunden und Auto-Enthusiasten via Internet, wie für sie das perfekte Stadtfahrzeug aussehen sollte.

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Die Antworten kamen prompt: Zwei Millionen Menschen besuchten die für das Projekt eingerichtete Seite – 17 000 meldeten sich als Midesigner an. Ihre gut 10 000 Vorschläge – von brillant bis banal – waren für die Profis „eine unglaubliche Quelle der Inspiration“, sagt Fassbender. Sie mündeten in die Fahrzeugstudie Mio, die der Designer vergangenes Jahr auf dem Autosalon in São Paulo vorstellte.

Die Resonanz bei Kritikern wie Publikum war überwältigend: Bis heute tourt Fiat mit dem Mio um die Welt und sammelt Designpreise ein.

Das Wagnis hat sich gelohnt – und die Idee, auf die Intelligenz der Masse zu vertrauen, findet weltweit Nachahmer. Schon haben Experten mit Open Innovation oder Co-Creation neue Begriffe für diese Art der Zusammenarbeit mit Kunden und Experten im Internet gefunden. Und sie wird in den Innovationsabteilungen vieler Konzerne nicht mehr nur diskutiert, sondern zunehmend praktiziert.

Der Autozulieferer Scheffler beispielsweise hat auf diesem Weg Probleme mit Antriebstechniken gelöst. BMW befragt seine Kunden über das Internet-Portal Co Creation Lab danach, wie sie sich künftige Fahrzeuggenerationen vorstellen. Und auf der Web-Plattform Innocentive suchen Unternehmen nach technischen Lösungen aller Art: Waschmittelhersteller etwa befragen Netz-Experten nach neuen Enzymen, um Hosen und Hemden noch besser reinigen zu können.

„Riesiger Wissenspool“

Allen Projekten gemein ist: Kunden und Experten werden via Internet zu Ideengebern, Mitentwicklern, ja, letztlich Partnern der Entwicklungsabteilungen. „Das Netz wird für die Unternehmen zu einem riesigen Wissenspool“, sagt Innovationsexperte Frank Piller von der RWTH Aachen. Plötzlich erhalten sie Lösungen für Probleme, an denen die eigenen Entwickler teils jahrelang gescheitert sind. Mal helfen die Nutzer ohne Bezahlung, mal schreiben die Unternehmen Millionenbeträge für die Lösung von Problemen aus.

Wie auch immer – für Unternehmen zahlt sich die neue Offenheit aus: Schon deshalb, weil das Open-Source-Design das Risiko von Konstruktionsfehlern reduziere, glaubt Carlos Arruda von der renommierten brasilianischen Business School. „Die können schon im Vorfeld ausgeräumt werden – und nicht erst kurz vor der Produkteinführung“, sagt Cabra. „Dann wird es nämlich richtig teuer.“

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