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Autobauer: Mogelpackung beim Elektroauto

von Franz Rother

Schon vor 15 Jahren bot ein 42 Millionen Mark teurer Großversuch der Bundesregierung mit Elektroautos eine nur ernüchternde Bilanz. Auch heute handelt es sich trotz aller Fortschritte nicht um mehr als lautes PR-Getrommel, kommentiert Franz Rother.

WirtschaftsWoche-Redakteur Franz Rother
WirtschaftsWoche-Redakteur Franz Rother

15 Jahre ist es mittlerweile her, dass ich mit einem Elektromobil über Rügen kurvte. Dort lief damals der 42 Millionen Mark teuerer Großversuch der Bundesregierung, der „schonungslos“, wie es damals hieß, die Leistungsfähigkeit von Autos mit Elektrotraktion offenlegen sollte. Zugelassen waren allein deutsche Hersteller. VW, Mercedes, BMW, Opel und Neoplan waren damals mit von der Partie und schickten Prototypen auf die Ostseeinsel.

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Die Bilanz war ernüchternd – von acht Testfahrzeugen war bei meinem unangemeldeten Besuch auf Rügen gerade mal ein einziges verkehrstüchtig. Die übrigen Autos standen in der Werkstatt oder waren schon wieder auf dem Heimweg, weil die Batterien vorzeitig schlapp gemacht hatten. Mein Testwagen – ein Fiat Panda Elettra, den ich auf dem Hänger zur Ostsee geschleppt hatte – wurde deshalb vom Publikum umso heftiger beklatscht.

„Lügen auf Rügen“ titelte ich damals über meine Geschichte, die in einer automobilen Fachzeitschrift erschien. In diesen Tagen wird wieder an einer Lügengeschichte gestrickt: Die deutsche Autoindustrie will uns in diesen Tagen erneut Glauben machen, dass die Zukunft dem Elektromobil gehört. Wieder werden Steuermittel mobilisiert, um Versuchsfahrzeuge auf die Straße zu schicken. Und wieder heißt es, der Elektroantrieb sei die Lösung unserer Mobilitätsprobleme.

Technische Problem sind immer noch immens

In Kalifornien übergibt BMW elektrogetriebene Minis an Testfahrer, in London sausen 100 Exemplare des Smart mit Elektroantrieb durch den Stadtverkehr. Hierzulande kündigen Daimler und RWE unter lautem PR-Getrommel den Aufbau eines Netzes von Ladestationen für Elektromobile an und wird in Gestalt des Tesla Roadster der erste elektrogetriebene Sportwagen werbewirksam an seinen stolzen Besitzer übergeben.

Der Eindruck könnte da leicht entstehen, dass wir schon morgen alle auf Elektromobile umsteigen können, dass die Autoindustrie alles im Griff hat, dass die CO2-Emissionen aus dem Straßenverkehr in den nächsten Jahren drastisch sinken werden, da jene Stromer keinen Auspuff haben. Wer dies tatsächlich glauben sollte, ist erneut den Werbestrategen auf den Leim gegangen.

Allein die technischen Probleme sind bei allen technischen Fortschritten in der Steuerungs- und Speicherungstechnik immer noch immens. Gewiss, der Tesla Roadster kommt bei moderater Fahrweise mit einer Ladung seiner Lithium-Ionen-Batterie rund 200 Kilometer weit. Aber das Auto, das ich kürzlich auf einer Testfahrt mit dem ehemaligen Formel-1-Piloten Heinz-Harald Frentzen kennen lernte, ist in dieser Form nicht großserientauglich.

Tesla Roadster im Test von Heinz Harald Frentzen Quelle: Robertino Nikolic für WirtschaftsWoche
Tesla Roadster im Test von Heinz Harald Frentzen Quelle: Robertino Nikolic für WirtschaftsWoche

Keiner kann beispielsweise sagen, wie lange der schwere Akku im Kofferraum hält, der sich aus 6381 Zellen zusammensetzt. Entwickelt und erprobt wurde das Auto im sonnigen Kalifornien, Erfahrungswerte aus kälteren Landstrichen liegen noch nicht vor. Gebraucht werden Hochleistungs-Akkus, die tausende von Ladezyklen aushalten und die sich dabei nicht überhitzen dürfen – damit das Auto nicht abfackelt.

In Asien, Nordamerika und Europa wird derzeit von allen möglichen Herstellern mit Hochdruck an diesen Wunder-Batterien gearbeitet. Erste Ergebnisse werden wir frühestens in zwei Jahren sehen. Aber auch mit diesen Akkus werden wir höchstens 150 Kilometer weit kommen. Hinzu kommt: Aus Kostengründen werden die Elektromobile, die von ihnen angetrieben werden, keine wirklichen Volkswagen sein können.

Ohnehin machen Elektroautos nur Sinn, wenn der Strom, mit dem sie betankt werden, regenerativ, also mit der Kraft von Sonne, Wind und Wellen, erzeugt würde. Der elektrische Antrieb allein ist noch keine umweltfreundliche Lösung. Kommt der Strom aber aus Atom- oder Kohlekraftwerken, bleibt das Elektroauto eine Mogelpackung. Die Autoindustrie kann damit zwar ein wenig von den Problemen ablenken, die sie mit den strengen Erfordernissen des Klimaschutzes hat. Aber unsere Abhängigkeit vom zur Neige gehenden Erdöl wird damit nicht wirklich verringert.

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49 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 24.02.2011, 16:04 UhrAnonymer Benutzer: Peter

    Folgendes ist doch noch Fakt :
    - die batteriereichweite reicht nicht für normale belange aus.Zur Arbeit reichen 100 km aus.im Urlaub brauche ich aber 500 und will nicht Stunden auf die Ladung warten.
    - der Preis eines e- Autos wird deutlich über dem der heutigen Fahrzeuge liegen und die sind schon teurer genug.
    -die Lebensdauer und das Recycling der batterien ist ungeklärt
    und das KO Kriterium : soll das eAuto an der CO2 bilanz etwas verbessern, müssen statt 80 Mill. benzin und Vergaser Autos wenigstens die Hälfte eAutos fahren und der Strom ökologisch erzeugt werden.Dazu gibt es aber keine infrastruktur zum Aufladen.Die Städte werden das Geld nicht haben das flächendeckend zu tun und mit weniger Ladestellen kauft keiner ein eAuto. Die paar Leute die auf Dörfern leben und eine Steckdose in Reicheite haben und auch das Geld für ein eAuto haben,machen den Kohl nicht fett. Neue bestrebungen wegen der wegfallenden Mineralölsteuer den Autostrom teurer zu machen als der Haushaltsstrom geben der Sache den Rest. Das will keiner.
    ich würde mir wünschen dass es eine Lösung gäbe,aber ich sehe sie nicht...

  • 16.11.2010, 22:34 UhrAnonymer Benutzer: Roger J. Zamofing BBA

    Trotz dieser negativen Kommentare aus den Verhindererkreisen sind sowohl Fisker als auch Tesla mehr geworden, als nur Traumwagen für Reiche. Sogar der THiNK City wird gebaut und gekauft und Grossserien-Hersteller PEUGEOT/CiTROEN bringt Vollelektrofahrzeuge in Kooperation mit Mitsubishi oder in Eigenregie den 3008 HYbrid 4, der mit 500 Nm-Drehmoment und 200 System-PS jedem Toyota Prius bei weitem überlegen ist und das bei einer vergleichsweise genial einfachen Technik, die aber sogar einen 4 x 4-Antrieb ermöglicht und kaum Laderaum kostet.

    Deutsche Autojournalisten haben sich an ihre Geldgeber gewöhnt und dadurch etwas den Horizont für Realitäten verloren, die nichts mehr mit der eigenen, untergehenden branche zu tun haben. Vergleicht man z.b. die Qualitäten eines neuen, schlechtgeredeten 3008 Peugeot mit Golf Plus oder gar bMW X1, X3 und selbst dem gleich motorisierten Mini, um einigermassen gleichwertige Raumangebote und Konzepte zu vergleichen, so kommt man als Realist auf die Welt der Tatsachen zurück. Das bestätigte jüngst gerade die grösste Fachzeitschrift in Grossbritannien. Warum soll ich also für das "gleiche" Deutsche Produkt rund 20' - 30'000 Euro mehr bezahlen, wenn ich einen mit innovationen vollgestopften 3008 haben kann? Wenn dann erst noch die HYbrid 4-Version im Laden steht, dann müssen sich die Konstrukteure in der bRD mehr einfallen lassen, als gekaufte Testberichte aus Deutschen Autofachzeitschriften oder Deutsche Zulieferer (bOSCH) die seit über einem Jahr die Markteinführung zumindest behindert oder gar verzögert haben! Wirklich grosse und eben nicht langweilige Würfe sind nun endlich auch aus Deutschland und zu erschwinglichen Preisen dringend zu erwarten und nicht nur negative, neidvolle Aussagen zu solchen Projekten, die noch einen gewissen unternehmerischen Mut zeigen. VW, Audi, bWM, Mercedes ist doch nur noch zum Einschlafen langweilig und eben nur noch massentauglicher Schrott ohne "Motion mit Emotion".

  • 03.01.2010, 00:54 UhrAnonymer Benutzer: Dipl.-Ing. (FH) Andreas Lehneis

    Journalisten wie Herr Rother sind daran Schuld, dass Elektro-Antriebs-Pläne wieder in der Schublade verschwinden. Schließlich ist jeder Automobil-Hersteller auf Käufer angewiesen. Sind die Käufer verunsichert, sind auch keine großen Umsätze zu erwarten. Herr Rother lästert über eine in den Kinderschuhen steckende Technik, als hätte diese bereits eine Chance bekommen, ausgereift zu sein. Es ist sofort zu erkennen, dass er der Erdöl-Lobby angehört. ich arbeite in der Automobil-Zulieferindustrie an Motorsteuerungen für Verbrennungsmotoren, und es ist ganz selbstverständlich, dass Prototypen die längste Zeit in der Werkstatt stehen, man arbeitet schließlich noch daran! Meine Hoffnung besteht immer noch darin, dass es doch einen entscheidenden Anteil intelligenter Leute in der bevölkerung gibt, die erkennen, dass Herr Rother nur einseitig über Elektro-Antriebe berichtet, und mittlerweile ein Sprung in der Technik ähnlich dem bei Computer, Kommunikations-(Handy) oder Unterhaltungs-Elektronik (LCD-TVs) möglich ist!


    Dipl.-ing. (FH) Andreas Lehneis

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