Autoindustrie: Gespart wird nur unter Druck

Autoindustrie: Gespart wird nur unter Druck

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Super E10

Die deutschen Autobauer wollen E10, weil sie sonst mehr in effektivere Antriebstechnik investieren müssten.

Der Mann könnte in die Geschichte der deutschen Umweltpolitik eingehen. Unverhofft. Thomas Brüner, Leiter der Motorenentwicklung bei BMW, hatte mit Journalisten darüber gesprochen, wie sich die Kraftstoffqualität und die Beimischung von Ethanol auf die Motoren auswirken. Es könne je nach Land und Kraftstoffqualität zu einer Verkürzung der Ölwechselintervalle kommen, hatte er laut Welt am Sonntag gesagt. Daraus wurde die Schlagseite: Bio-Sprit für alle Autos gefährlich. Da fühlten sich Millionen von Autofahrern in ihrer Skepsis gegenüber der Kraftstoffsorte Super E10 bestärkt.

Seither versucht die Autobranche, ihre Kundschaft zu beruhigen. In der Münchner BMW-Zentrale zeigte man sich arg erschrocken über die Wirkung der Aussage. Der Entwicklungsvorstand Klaus Draeger beeilte sich, das Publikum umgehend zu besänftigen: "Grundsätzlich ist in allen BMW-Pkw-Modellen sämtlicher Baujahre der unbedenkliche Einsatz von E10-Kraftstoffen möglich." Ausnahme seien nur einige ältere Modelle, die Super Plus mit höherer Oktanzahl benötigten. Die erforderlichen Tests zum Thema seien längst durchgeführt.

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Autoindustrie dankbar für E10

Bei Mercedes heißt es klipp und klar: "Wir stehen zu E10." Zudem habe man vor Jahren, als die Einführung des Biosprits schon einmal geplant war, eine Liste mit den wenigen Mercedes-Modellen erstellt, welche diese Mischung nicht vertragen. Ähnlich abwiegelnd auch der Auftritt von Volkswagen, Europas größtem Autohersteller: "Bei unseren Tests hat E10 funktioniert", hieß es in Wolfsburg, und deshalb habe man den Kraftstoff für 99 Prozent der Autos freigegeben. Die wenigen Ausnahmen – einige Benziner mit FSI-Motoren – seien in den Listen der Deutschen Automobiltreuhand (DAT), von ADAC und natürlich auch auf der VW-Homepage aufgeführt. Selbstverständlich könnten auch alle VW-Händler Auskunft geben.

Wem so viel Zuversicht noch nicht genügt, der erfährt vom Verband der Automobilindustrie (VDA), dass man keine Bedenken hinsichtlich Schadstoffemissionen oder Motorschäden habe: "93 Prozent aller Pkw, die auf unseren Straßen fahren, vertragen den neuen Kraftstoff", sagt VDA-Sprecher Eckehart Rotter. "Bei den deutschen Marken sind es sogar 99 Prozent." Natürlich sind nur Benziner gemeint.

Dass die Autoindustrie fest zur Beimischung von Bioethanol steht, verwundert nicht. Dankbarkeit ist im Spiel. Der Beschluss, dem fossilen Kraftstoff solchen aus nachwachsenden Rohstoffen unterzumischen, hat den Druck gemindert, den Verbrauch der Autos noch weit radikaler als bisher zu senken. Nicht zuletzt aus diesem Grund wurde seinerzeit der von der EU-Kommission vorgeschlagene durchschnittliche "Flottenverbrauch", den neu zugelassene Pkw bis 2015 erreichen sollten, von 120 Gramm CO₂ pro Kilometer auf 130 Gramm erhöht. Das ersparte der Industrie Milliardeninvestitionen.

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