Banknoten-Hygiene: Geld stinkt doch

Banknoten-Hygiene: Geld stinkt doch

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Yuan-Banknoten. Das dreckigste Geld ist in China im Umlauf

von Silke Wettach

Ein internationales Forscherteam findet reihenweise Bakterien auf Scheinen: Die chinesische Währung ist am dreckigsten, die Euronoten sind in den Ländern unterschiedlich stark verunreinigt.

Geld stinkt nicht, sagt der Lateiner, „pecunia non olet“. Der Ausspruch geht auf den römischen Kaiser Vespasian zurück, der mit diesen Worten seinem Sohn gegenüber eine Latrinensteuer rechtfertigte. Zum Beweis hielt er ihm geruchsfreie Münzen hin.

Was ihm antiken Rom galt, trifft heute längst nicht mehr zu. Ein internationales Forscherteam hat Banknoten aus zehn Länder auf Sauberkeit untersucht. Ergebnis: Geld ist überall dreckig. Auf dem Zahlungsmittel tummeln sich Bakterien der unterschiedlichsten Art. Allerdings hängt der Befall von der wirtschaftlichen Entwicklung der Länder ab. In wohlhabenden Ländern ist das Geld tendenziell sauberer, fand das Team um den Mikrobiologen Frank Vriesekoop von der australischen University of Ballarat heraus.

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Allerdings ist der Zusammenhang nicht ganz so simpel. Nicht das Bruttoinlandsprodukt entscheidet über die Sauberkeit der Banknoten, sondern der Index für wirtschaftliche Freiheit. Länder, die in dem Ranking ganz weit oben stehen, weil ihre Wirtschaft liberal organisiert ist, glänzen auch mit sauberen Geldscheinen. Am besten schnitten Australien und Neuseeland in der Untersuchung ab. Das dreckigste Geld kursiert dagegen in China. Dort tummeln sich pro Quadratzentimeter gleich hunderte von Bakterien.

Selbst in armen Ländern wie Nigeria und Burkina Faso ist das Geld in einem hygienischeren Zustand. Der Euro belegt in der Untersuchung einen mittleren Platz. In Irland fanden die Forscher sauberere Noten als in den Niederlanden. In Deutschland wurden keine Geldscheine untersucht.

Eigentlich sollten die Euronoten überall ähnlich sauber sein, denn in Euroland herrschen Auflagen für die Qualität der Banknoten. Bevor die Banken sie in den Umlauf geben, testen sie die Scheine maschinell mit hochsensiblen Geräten auf Risse und Verschmutzung. Beschädigte und verdreckte Exemplare werden aussortiert und geschreddert. Die Bundesbank beziffert die durchschnittliche Lebensdauer einer Euro-Note auf zwei Jahre. In anderen Teilen der Welt bleiben Banknoten teilweise deutlich länger im Umlauf, auch wenn sie mit Telefonnummern und bekritzelt oder stark eingerissen sind.  

Je älter, je dreckiger

Wenig überraschend ist das Forschungsergebnis, dass Geldscheine mit dem Alter dreckiger werden. Beim Pfund Sterling lässt sich als einziger Währung das Produktionsjahr verfolgen. Dort konnten die Forscher nachweisen, dass Scheine pro Jahr Lebensdauer eine Falte aufwiesen. Mit jeder Falte nahm auch der Dreck pro Quadratzentimeter zu.

Allerdings gibt es Ausnahmen beim Alter. Die Forscher, die insgesamt 1280 Geldscheine untersuchten, kamen zu dem Ergebnis, dass Geld aus Polymeren dem baumwollbasierten Produkt überlegen ist. Australien und Neuseeland mit ihrem Kunststoffgeld schneiden weit besser ab als der Euro und der Dollar, die beide auf Baumwolle gedruckt werden. In Mexiko, wo sowohl Banknoten aus Kunststoff als auch aus Baumwolle kursiert, ist die aus dem natürlichen Rohstoff die schmutzigere Variante.

Die Bandbreite der Bakterien ist groß. Die Forscher fanden beispielsweise Exemplare von E. coli, die Harnwegsinfektionen und Bauchfellentzündungen auslösen können. In China war mehr als die Hälfte der Noten davon befallen, in den USA die Hälfte. In China tummeln sich auf einem Viertel der Noten Salmonellen, die auch in den USA und in Irland auf dem Geld anzutreffen sind, wenn auch wesentlich seltener.

Geld vom Lebensmitteleinkauf

Die Forscher hatten für die Studie bewusst in jedem Land die jeweils am häufigsten gebräuchlichen Scheine gewählt, in den Euro-Ländern waren das die Fünf- und 20-Euroscheine. Alle Scheine kamen aus Läden, in denen Lebensmittel verkauft waren.

Biologen befassen sich übrigens schon sehr lange mit der Sauberkeit des Geldes. Schon Ende des 19. Jahrhunderts finden sich in der wissenschaftlichen Literatur erste Hinweise, dass Geldscheine Krankheiten übertragen könnten. Die Forscher der aktuellen Studie beruhigen allerdings: Eine akute Gefahr für Leib und Leben geht vom Geld nicht aus. Eine wie auch immer geartete Geldwäsche ist nicht angesagt. Allerdings sollten Verkäufer sich die Hände waschen, bevor sie nach dem Abkassieren wieder Brot und Wurst anfassen.

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