Battlefield 3: Gamer fühlen sich von Electronic Arts überwacht

Battlefield 3: Gamer fühlen sich von Electronic Arts überwacht

, aktualisiert 02. November 2011, 08:12 Uhr
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Viele Gamer sind von "Battelfield 3" begeistert - von der Datenschutz-Politik des Herstellers Electronic Arts weniger.

Quelle:Handelsblatt Online

Die Plattform Origin späht Nutzer von Electronic-Arts-Spielen aus. Zwar hat der Konzern nun seine AGB geändert, seine Politik aber wohl nicht. Datenschützer ermitteln.

HamburgGegängelte Menschen sind nicht glücklich. Für die meisten ist das hoffentlich eine Binsenweisheit. Wohl aber noch nicht für alle. Die Spieleindustrie zumindest befindet sich derzeit offensichtlich in einem entsprechenden Lernprozess.

Electronic Arts (EA), einer der größten Entwickler von Computerspielen, hat gerade ein hoch gelobtes Game namens Battlefield 3 veröffentlicht. Grafik, Sound, Action – die Käufer sind begeistert.

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Trotzdem geben sie der PC-Version beispielsweise bei Amazon reihenweise miese Bewertungen, eben weil sie sich überwacht und gegängelt fühlen. Denn Battlefield kann auf seinem Rechner nur der spielen, der sich zuvor auf der Onlineplattform des Konzerns namens Origin angemeldet hat.

Kopierschutz auf Kosten ehrlicher Nutzen

Grundsätzlich ist die Idee der Cloud nicht schlecht. Viele Unternehmen machen vor, dass es praktisch sein kann, seine Daten von jedem beliebigen Gerät aus zu nutzen und die Gefahr zu bannen, sie versehentlich zu löschen oder zu verlieren. Die Plattform Origin aber demonstriert anschaulich, welche Probleme das Konzept Cloud gleichzeitig enthält.

Das Programmieren von Spielen wie Battlefield 3 kostet viele Millionen, und die Firmen versuchen mit allen Mitteln, diese Investition zu sichern. Daher wurde die Onlineplattform als Vertriebsweg aufgebaut. EA erhofft sich damit einen wirksameren Kopierschutz, muss sich ein Spieler doch ständig gegenüber dem Server identifizieren.

Geknackte Versionen, so die Hoffnung, fallen damit auf. Allerdings geht das massiv auf Kosten der ehrlichen Nutzer. Denn der Kopierschutz wird einerseits rigoros durchgesetzt und hat andererseits Tücken. 

Exzessive Überwachung

So drohte EA vor Kurzem, Nutzer könnten ihren Origin-Account samt der darüber gekauften Spiele auch wieder verlieren, wenn sie sich nicht an die Regeln hielten. Findige Gamer hatten Battlefield 3 auf eigenen Servern zum Laufen gebracht. Die Drohung galt wohlgemerkt nicht den Hackern, sondern all jenen, die es auf diesen unautorisierten Servern einfach nur spielten.

Tückisch sind aber auch die offiziellen Server selbst. Sind die wegen technischer Schwierigkeiten offline, kann das gekaufte Spiel nicht gestartet werden. Ubisoft hat dank solcher Probleme heftige Proteste erlebt. Die Onlineautorisierung des großen Publishers lief im vergangenen Jahr nicht sauber, viele Gamer mussten darunter leiden.

Und all diese Kopierschutzideen haben eines gemeinsam: Sie sammeln exzessiv Daten. In den – nach ersten Protesten gerade geänderten – Nutzungsbedingungen von Origin hieß es ursprünglich: „Du gestattest EA und seinen Partnern das Sammeln, Nutzen, Speichern und Übertragen von technischen und verwandten Informationen, die deinen Computer (einschließlich IP-Adresse), dein Betriebssystem, deine Nutzung der Anwendung (einschließlich erfolgreicher Installation und/oder Deinstallation), Software, Software-Nutzung und deine Hardware-Peripherie identifizieren (...). EA kann diese Daten ebenfalls in Verbindung mit personenbezogenen Informationen zu Marketingzwecken und zur Verbesserung seiner Produkte und Dienste nutzen.“


Gesammelt wird immer noch

Das bedeute nichts anderes, als dass der Nutzer zustimmen soll, sich und sein Verhalten vollständig überwachen zu lassen. Nach Protesten von Spielern und Datenschützern wurden die Nutzungsbedingungen überarbeitet.

Nun heißt es in der gleichen Passage: „Zusätzlich zu den Informationen, die Sie selbst direkt an EA weitergeben, sammelt EA nicht-personenbezogene (oder anonyme) Informationen (...). Die nicht-personenbezogenen Informationen, die EA sammelt, schließen technische und zugehörige Informationen ein, die Ihren Computer (einschließlich IP-Adresse) und Ihr Betriebssystem identifizieren, sowie Informationen über Ihre Nutzung der Anwendung (einschließlich erfolgreicher Installation und/oder Deinstallation), Software, Software-Nutzung und Ihre Hardware-Peripherie.“

Trotz Nachbesserung sind die Nutzer weiter unzufrieden

Gesammelt wird immer noch und auch der Rechner und der Nutzer können weiter eindeutig identifiziert werden. Was in diesem Zusammenhang mit „nicht-personenbezogen“ gemeint ist, ist nicht klar.

Ganz verschwunden ist dafür zumindest der folgende Absatz, der in der ersten Version noch enthalten war: „EA behält sich das Recht vor, die über die Anwendung stattfindende Kommunikation zu überwachen und jegliche Information zu veröffentlichen, die EA für nötig hält, um (i) deine Einhaltung dieser Lizenz sicherzustellen; (ii) geltende Gesetze, Regelungen oder Bestimmungen rechtlicher Verfahren einzuhalten; (iii) die Rechte, Interessen und das Eigentum von EA, seinen Angestellten oder der Öffentlichkeit zu schützen.“

Nachgebessert wurde also, zumindest ein wenig. Zufrieden scheinen die Nutzer damit aber nicht zu sein. Ein öffentlicher Aufruf an die Verbraucherzentralen, Battlefield 3 wegen der Spähattacken mit einem Verkaufsverbot für Deutschland zu belegen, fand tausende Unterstützer.

Origin scheint weiterhin Rechner zu scannen

Auch Datenschützern genügen die Änderungen nicht. Der Landesbeauftragte von Nordrhein-Westfalen, der sich zuständig sieht, da die deutsche EA-Niederlassung in Köln ist, prüft den Fall. Vor allem deshalb, weil man überhaupt erst einmal wissen wolle, welche Daten denn zu welchem Zweck erhoben und verarbeitet würden.

Aus den Geschäftsbedingungen sei das nicht ersichtlich, wie eine Sprecherin sagte. Die Datenschützer haben daher einen Fragenkatalog zusammengestellt und wollen ihn in den kommenden Tagen überreichen.

Am Programm selbst hat sich aber trotz geänderter Lizenzbedingung offensichtlich auch nichts geändert. So gibt es in Nutzerforen Berichte, Origin schaue sich diverse Dinge auf einem Rechner an, noch bevor überhaupt den Nutzungsbedingungen zugestimmt werden könne. Der Download-Ordner werde genauso gescannt wie die Desktop-Ebene. Einige Nutzer fürchteten, dass Origin sogar Inhalte auf dem betroffenen Rechner ausliest, sagte die Sprecherin des NRW-Datenschutzbeauftragten.

Zu dem ganzen Vorgehen passt ein Satz, den CCC-Mitglied Felix von Leitner schon vor mehr als einem Jahr zum Thema Kopierschutz und Gamesindustrie gebloggt hatte: „Ich erwarte ja nicht, dass die Industrie Wege findet, um mir einen Mehrwert beim Kaufen zu bieten. Ich würde auch kaufen, wenn ich nur die gleiche Leistung kriege wie beim illegalen Download. Weil ich ja möchte, dass die weitere Spiele produzieren. Aber so wie das im Moment ist, wo ich sogar noch bestraft werde für mein Geld, so ist das dem Untergang geweiht.“ Eine Erfahrung im Übrigen, die die Musikindustrie bereits hinter sich hat.

Quelle:  Handelsblatt Online
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