Bedrohte Tierwelt: UN-Naturschutz-Konferenz: Viel Engagement, aber wenig Besucher

Bedrohte Tierwelt: UN-Naturschutz-Konferenz: Viel Engagement, aber wenig Besucher

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Umweltminister Sigmar Gabriel und sein "Patenkind" Knut, das Maskottenchen der Naturschutz-Konferenz: Dass am Ende der internationalen Tagung ein Ergebnis steht, davon ist Gastgeber Gabriel offenbar wenig überzeugt

Die weltgrößte Naturschutz-Konferenz lädt in den nächsten zwei Wochen internationales Publikum nach Bonn. Unsere Redakteurin Steffi Augter hat sich auf dem Platz der Vielfalt umgesehen, sie entdeckte dort viele bedrohte Tiere, jede Menge Ideen und Engagement - aber kaum Besucher.

"Wo geht's denn hier zur biologischen Vielfalt?" fragt der Frosch auf dem Programmheft zur UN-Naturschutzkonferenz, die heute in Bonn begonnen hat. Die Frage ist berechtigt, auch die indischen Delegierten am Bahnhof sehen sich orientierungslos um. Keine Schilder, kein Bus-Shuttle, kein Infozentrum - nichts.

Schließlich weist ein Passant den Weg: Mit der U-Bahn Richtung Süden, am Platz der Vereinten Nationen vorbei, zum Robert-Schumann-Platz. Dort, nahe der Rheinaue beim Maritim Hotel, tagt zwei Wochen lang die weltgrößte Naturschutzkonferenz. 6000 Teilnehmer haben sich angekündigt, darunter allein 500 Journalisten.

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Doch wo sind all die Teilnehmer hin? Wo sind sie geblieben? Gähnende Leere auf dem "Plaza der Vielfalt", wo laut Veranstalter immerhin 180 Firmen, Verbände und Forschungsinstitute ihre Zelte aufgeschlagen haben. Umweltschützer von WWF und Co. stehen sich vor schön gestalteten Infoständen die Beine in den Bauch. 

Weder die bunte Prozession der "Kids for Earth" von Greenpeace, noch die Patentwerkstatt Bionik oder die Ausstellung über Buchenwälder und Wattenmeere im Bundesumweltministerium ziehen die erwarteten Massen an. Dabei gibt es dort viel zu sehen und entdecken - und das meiste davon ist öffentlich.

Doch bisher finden kaum Besucher den Weg zur Naturschutz-Kirmes, wo die Currywurst aus biologischem Anbau und der Kaffee fair gehandelt ist. Auf den Wiesen der Rheinaue schwingen sich die Akrobaten von Roncalli zum "Salto Globale", das Motto dazu schmettert die Höhner Band: "I'm a part of it".

Ein Teil - aber von was? Seit der Eröffnungsrede von Umweltminister Sigmar Gabriel scheinen auch die Delegierten wie vom Erdboden verschluckt. In Arbeitsgruppen schwitzen sie darüber, was sie nächste Woche als Ergebnis präsentieren sollen. Dass das gelingt, davon ist selbst Gastgeber Gabriel nicht überzeugt. 

Denn die Ziele sind hoch gesteckt: Gabriel hat der Biopiraterie den Kampf angesagt, er will die Pharmaindustrie zur Kasse bitten. Einnahmen aus dem deutschen Emissionshandel sollen künftig in die Erhaltung von Regenwäldern, Mooren und Savannen fließen. Wie viel das insgesamt kosten soll, verrät er jedoch nicht.

Noch ist nicht einmal klar, was Naturschutz volkswirtschaftlich bringt. Ökonomen von der Deutschen Bank versuchen gerade, den Wert der Artenvielfalt zu berechnen. Erste Ergebnisse sollen in Kürze auf der Konferenz vorgestellt werden. Niemand weiß bisher, wie hoch die Summe ist - und wozu diese Erkenntnis letztlich führt.

Heißt es demnach künftig: Rettet den Regenwald - denn er wirft mehr Rendite ab als eure Rente? Investieren wir ins Wattenmeer - oder versackt das Geld dort nur? Und überhaupt - was ist uns eigentlich der vom Aussterben bedrohte Haussperling wert? Was sind wir bereit für das entfernt grasende Nashorn zu bezahlen?

Die Botschaft ist im Grunde simpel - und prangt auf jedem Plakat: "Vielfalt ist sauwichtig" grunzt das Schwein, der Bär brummt für Biodiversität, der Orang Utan weiß: "Vielfalt ist kein Affentheater". Ein tierisches Vergnügen also, dieser Naturschutz made in Germany. Schade nur, dass sich kaum jemand dafür interessiert.

Aber vielleicht ist das bereits in einer Stunde völlig anders. Dann startet nämlich mit dem Open-Air-Konzert auf der Bonner Museumsmeile das erste Highlight der Konferenz. Dort tritt neben Sängern aus Tokio, Brasilien und Südafrika auch ein bekannter irischer Barde auf, der nie weit ist, wenn es gilt, die Welt zu retten: Bob Geldof.

Nur so viel dazu: Tell me why I don't like Mondays... Knut, Du süßes Konferenz-Maskottchen, steh mir bei!

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