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Bioenergie: Alles Öko oder was?

von Steffi Augter (Berlin) und Wolfgang Kempkens

Bioenergie aus Sonne, Wind und Holz hilft dem Klima, ist aber nach wie vor teurer als Energie aus fossilen Quellen. Und der Preis für Ökostrom wird noch steigen. Da hilft nur: den Verbrauch drosseln und in Zukunftstechnik investieren.

Sonnenkollektoren in einem Solarkraftwerk Quelle: dpa
Sonnenkollektoren in einem Solarkraftwerk Quelle: dpa

Kornkraft statt Kernkraft hieß einst die Parole der Grünen. Landwirte mutierten darüber zu Energiewirten, sahen sich schon als die Ölscheichs von morgen. Doch dann platzte die Bioenergie-Blase: Hohe Rohstoffpreise und der Konflikt mit der Nahrungsmittelindustrie könnten das Ende vom Hype auf den Höfen sein. Anfang Februar brach in Deutschland der Verkauf von Biodiesel vom Acker zusammen. Jeder dritte Betreiber von Biogasanlagen steckt bereits in finanziellen Schwierigkeiten. Jetzt rufen die vom Ruin bedrohten Bauern den Staat zu Hilfe – und der dreht den Geldhahn tatsächlich weiter auf: Es gibt künftig eine höhere Grundvergütung, einen Güllebonus für den Einsatz von Exkrementen bei der Biogaserzeugung und obendrein einen zusätzlichen Zuschuss für den Verkauf von Wärme.

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Schon jetzt hilft die Bundesregierung mit Einspeisevergütung, Marktanreizprogrammen und Ökozulagen kräftig nach, damit die vermeintlich klimafreundlichen Alternativen zu den fossilen Energieträgern auch wirklich wachsen und gedeihen. Das freut alle, die auf der grünen Welle surfen. Umwelttechnik wird zum Exportschlager, der Hunderttausende neue Arbeitsplätze schafft – das verkündeten die Propheten der Energiewende noch Anfang des Klimajahres 2007 euphorisch.

Doch mit den steigenden Energiepreisen und in Zeiten schwächelnder Konjunktur mehren sich die kritischen Stimmen. Der Verbraucher will wissen: Wer muss eigentlich die Klima-Zeche zahlen? Was kosten Biodiesel, Erdwärme und Ökostrom zusätzlich? Fördert der Staat mit den Steuergeldern die richtigen Technologien – also die mit den geringsten Kosten für die Vermeidung von Treibhausgasen? Und wie sieht die Ökobilanz von Sonne, Wind und Biomasse wirklich aus – bringt das Ganze der Umwelt überhaupt etwas?

Politiker in Berlin und Brüssel drücken sich bislang um die Antwort auf all diese Fragen. Dabei ist sie ganz einfach: Das grüne Gewissen kommt Otto Normalverbraucher teuer zu stehen – egal ob an der Tankstelle, beim Heizen des Hauses oder beim abendlichen Anknipsen des Lichts. Beispiel Strom: Ökosteuer, CO2-Zertifikate und die Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung haben dazu geführt, dass die Strompreise in Deutschland inzwischen zu den höchsten Europas zählen. Das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) garantiert den Produzenten von Ökostrom feste Vergütungen, die deutlich über den Marktpreisen liegen. Die Differenz zahlt der Kunde – zwischen einem und zwei Euro monatlich. Auf den ersten Blick ist das nicht viel. Doch die Subventionen läppern sich, im vergangenen Jahr auf eine Summe von gut sieben Milliarden Euro. 2010 wird voraussichtlich die Schwelle von zehn Milliarden Euro überschritten.

Zitat

Dabei hatten die Lobbyisten eigentlich versprochen, dass Ökostrom im Laufe der Zeit billiger würde. Das Gegenteil trat ein: Grüner Strom kostet heute 27 Prozent mehr als vor fünf Jahren. 2003 kostete eine Kilowattstunde im Durchschnitt 9,16 Cent. In diesem Jahr werden es voraussichtlich 11,66 Cent sein, schätzen die Netzbetreiber. Schuld sei vor allem die starke Förderung der Sonnenenergie. Denn sie ist die einzige Ökostrom-Quelle, die noch weit von der Wettbewerbsfähigkeit entfernt ist. Gleichzeitig wächst ihr Anteil an der grünen Energie – und das wiederum treibt die Kosten.

Die Rechnung ist einfach: Solarstrom wird, wenn er in einer 2008 errichteten Anlage gewonnen wird, mit bis zu 46,75 Cent pro Kilowattstunde vergütet. Zum Vergleich: Für Windstrom gibt es maximal 9,1 Cent pro Kilowattstunde. Und konventioneller Strom kostet derzeit an der Leipziger Energiebörse etwa fünf Cent. Auch wenn dieser in den nächsten Jahren teurer werden dürfte, bleibt eine große Differenz.

Diese sogenannten „Solarschulden“ belaufen sich in Deutschland inzwischen auf 112 Euro pro Kopf. Die Novelle des EEG sieht zwar vor, dass die Vergütungssätze für regenerative Energien jährlich sinken – bei Solarstrom zum Beispiel um fünf Prozent. Trotzdem steigen die Gesamtkosten, weil jedes Jahr viele neue Anlagen ans Netz gehen, wodurch die Ersparnis aus den sinkenden Sätzen überkompensiert wird.

Das traurige Ergebnis: Das EEG fördert zu intensiv. Bis zum Jahr 2010 werden die Herstellungskosten für Solarmodule dank Massenproduktion auf etwa die Hälfte sinken, also auf wenig mehr als 1000 Euro pro Kilowatt Spitzenleistung. Das prognostiziert das Aachener Marktforschungsunternehmen Photon Consulting. Die Stromerzeugungskosten lägen dann bei rund 15 Cent pro Kilowattstunde. Dieses Missverhältnis zur hohen Vergütung ließe sich vermeiden, wenn die Fördergelder zunächst in Forschung und Entwicklung gingen und Marktanreizprogramme erst dann griffen, wenn Solarmodule einer neuen Generation mit optimierten Wirkungsgraden zu erheblich niedrigeren Preisen angeboten werden.

Das würde auch dazu führen, dass die Dächer der Republik nicht jahrzehntelang mit den wenig effizienten Solarzellen der heutigen Generation zugepflastert werden. Um etwa den jährlichen Strombedarf einer Stadt wie Berlin mit Solarzellen zu decken, müsste man immerhin ein Achtel der Stadtfläche damit bedecken. Und diese arbeiten auch nur bei strahlendem Sonnenschein optimal.

Überhaupt stoßen die grünen Energien hierzulande auf natürliche Wachstumsgrenzen. Die Kraft von Sonne, Wind und Wasser ist nie konstant – folglich schwankt auch die darauf basierende Energieerzeugung. Sie leisten nur dann einen Beitrag zur Versorgungssicherheit, wenn sie aus fossil befeuerten oder beispielsweise Druckluftkraftwerken ergänzt werden. Eine Anlage speziell für diesen Zweck will EnBW demnächst an der Nordseeküste errichten.

Auch Biomasse ist keine sichere Bank: Analysen der Maiserträge der letzten 45 Jahre in den USA zeigen, dass die Verfügbarkeit aufgrund von Ernteausfällen extrem unterschiedlich war. Mais ist in den USA Basis für die Herstellung von Bioethanol. Damit wird das geopolitische Risiko beim Erdöl durch ein möglicherweise höheres Ernterisiko ersetzt.

7 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 07.03.2008, 18:08 UhrAnonymer Benutzer: vandale

    Es mag sinnvoll sein den benzinverbrauch einzuschraenken wobei Europaeer und Nordamerikaner ohnehin effizient mit dem Treibstoff umgehen.

    Es gibt jedoch sicherlich keinen Grund Strom zu sparen solange sich dieser umweltfreundlich, kostenguenstig und in nahezu beliebiger Menge mit Kernkraftwerken herstellen laesst.

    Vandale

  • 07.03.2008, 15:05 UhrAnonymer Benutzer: Vandale

    Oekoenergien beruhen in Deutschland auf einer inbruenstigen Oekoreligiositaet. Sie bringen warscheinlich keine Ent- sondern eine belastung fuer Klima und Umwelt.
    Wenn man davon ausgeht das der Preis eines Gutes - in diesem Fall Energie - ein sehr guter indikator fuer den Aufwand und belastung der Umwelt darstellt kann man zu folgender Reihenfolge kommen:

    Strom aus Sonnenenergie wird mit knapp 50c/KWh verguetet. Der Preis legt nahe das es mehr Energie bedarf derartige Anlagen zu bauen und zu betreiben als diese je erzeugen.

    Strom aus Windenergie (Meer) soll mit 12,5c/KWh verguetet werden. Hinzu kommt der Anschluss ans Netz durch Unterwasserkabel (allein diese Kosten liegen hoeher als den Strom umweltfreundlich in AKW zu erzeugen). Es ist sehr zweifelhaft ob dies der Umwelt hilft.

    bioenergie wird letztlich durch das Roden tropischen Urwalds und dem Anbau von Zuckerrohr oder Oelsaaten erzeugt (man kann das auch mit heimischen Raps machen und dafuer mehr Speisoel importieren). Landwirtschaftliche Abfaelle in benzin oder dergleichen umzuwandeln, z.b. Winkler Hochtemperaturvergasung mit anschliessender Fischer Tropsch Synthese ist extrem energieaufwaendig.

    Strom laesst sich in braunkohlekraftwerken zu etwa 4c/Kwh erzeugen... bestimmt umweltfreundlicher als Wind oder Sonne

    Strom laesst sich in den abgeschriebenen AKW's zu etwa 2c erzeugen. Warscheinlich die umweltfreundlichste Energiequelle in Deutschland.

    Vandale

  • 27.02.2008, 10:18 UhrAnonymer Benutzer: Energie auch Besorgter

    (....Fortsetzung:)
    ....Verbraucher sehr unangenehm sein würde bzw. dies derzeit natürlich "noch" nicht wirtschaftlich ist usw.)
    in (nicht allzu??) ferner Zukunft wird die Kernfusion ein neuer Quantensprung in der Energiegewinnung sein, die uns ein hohes Maß an zusätzlicher Energie bereitstellen wird. Dies ist damit zu vergleichen, wie einst Atomkraft ein enormer Schritt in der Energiebereitstellung Deutschlands war und bis heute ist. interessant ist auf jeden Fall, dass obwohl der erste Entwurf dieser Reaktoren noch nicht einmal serienreif ist, bereits die zweite bauform (Tokamak-Reaktoren), von denen man sich ein noch höheres Potential verspricht, erforscht bzw. entwickelt wird.

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