Bioenergie: Eisige Hallen

Bioenergie: Eisige Hallen

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Verbrauchswerte einer Heizung werden von einem Mitarbeiter des Essener Energiedienstleisters ISTA gemessen.

Mit Contracting wird moderne Energiespartechnik erschwinglich. Auch Hausbesitzer können von dem Finanzierungsmodell profitieren.

Das Haus ist fast 100 Jahre alt. Wie die meisten Gebäude in der 140.000 Einwohner zählenden Stadt Fürth hatte es den Zweiten Weltkrieg unbeschadet überstanden. Bei der Modernisierung in den frühen Siebzigerjahren waren die drei Mietwohnungen zwar mit Bädern ausgestattet worden. Zum Einbau von Zentral- oder Etagenheizung konnte sich der Eigentümer aber nicht durchringen: Die alten Öfen, von denen einer noch mit Kohle und Briketts befeuert wurde, blieben weiter im Betrieb.

Kürzlich jedoch änderte der Besitzer seine Meinung: Mit dem Auszug des letzten Mieters sollten die Wohnungen auf den neuesten Stand gebracht werden. Ein Angebot des örtlichen Energieversorgers Infra Fürth kam da gerade richtig. Seit 2007 bietet er als eines der ersten Unternehmen in Deutschland privaten Hausbesitzern eine Modernisierungsform an, die es bisher nur für Kliniken, Industriebetriebe und andere Großimmobilien gab: Contracting. Infra finanziert die Heizungsanlage, beauftragt einen örtlichen Handwerksbetrieb mit dem Einbau. Nutzer des Contracting-Angebots InfraTherm, wie der Versorger sein „Sorglos-Paket“ nennt, müssen sich um nichts kümmern. Mit dem Auslaufen des Leasingvertrages geht die Anlage in den Besitz des Hauseigentümers über.

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Für dieses Dienstleistungspaket kassiert Infra während der Vertragslaufzeit von zehn Jahren einen festen Monatsbetrag von etwa 100 Euro pro Monat und Wohnung. Das beinhaltet die jährliche Wartung, Störfallbeseitigung, Reparaturen und Ersatzteile für eine solche Anlage, die knapp 10.000 Euro kostet. Da sich mit der neuen Heizung bis zu 40 Prozent der Brennstoffkosten einsparen lassen, machen die Bewohner des Hauses spätestens dann ein Geschäft, wenn die Anlage abbezahlt ist.

Das Geschäftsmodell dürfte nicht nur bei Hausbesitzern auf Interesse stoßen. Denn bis zu vier Millionen Heizungsanlagen in Deutschland sind veraltet, schätzt Benedikt Mahr, der Präsident der Vereinigung der deutschen Zentralheizungswirtschaft. Dazu kommen nach einer Marktstudie des Instituts trend:research in Bremen rund 350.000 Großanlagen vor allem in Industrie, Kliniken und Kommunen. Allein Letztere könnten nach einer Studie der Deutschen Energie-Agentur (dena) jährlich 300 Millionen Euro bei der Energieversorgung einsparen, wenn sie sich per Contracting mit moderner Technik versorgen und beispielsweise marode Turnhallen sanieren würden. Im Winter ist es dort oft zu kalt, im Sommer zu heiß, weil sich die Heizungsanlage nicht regeln lässt.

Auch Jobst Klien sieht deshalb gute Perspektiven für das Contracting. Der Geschäftsführer des nach Übernahme von Vattenfalls Contracting-Tochter größten deutschen Contracting-Unternehmens Hochtief Energy Management in Essen steigt allerdings erst ab einem Auftragswert von 500.000 Euro ein – bei Großimmobilien etwa oder wenn es um die komplette Energie- und Wasserversorgung von Industrieunternehmen geht. „Unser Kerngeschäft ist die effektive Energienutzung“, sagt Georg Kürfgen, Sprecher der Geschäftsführung von Hochtief Energy Management, das mit 300 Mitarbeitern 90 Millionen Euro umsetzt. Und das, reklamiert er für sein Unternehmen, „können wir besser“.

Die Erneuerung komplexer Systeme bringt in den meisten Fällen die größten Energieeinsparungen – zweistellige Prozentsätze sind hier eher Regel als Ausnahme. Darauf setzt auch der Chemiebetrieb Dow in Stade. Der energieintensive Betrieb wurde ursprünglich vom örtlichen Kernkraftwerk mit Strom und Wärme versorgt. Seit der Stilllegung des Meilers im Jahr 2003 wird Dow von verschiedenen Lieferanten versorgt, darunter einem eigenen Kraftwerk. Jetzt soll eine große Lösung her, die den Brennstoffverbrauch und damit die Kosten und den Kohlendioxidausstoß deutlich reduziert. Dazu gehören ein Steinkohlekraftwerk mit einem Wirkungsgrad von etwa 46 Prozent sowie ein Erdgaskraftwerk mit nahezu 60 Prozent Wirkungsgrad. Unter anderem soll Wasserstoff verbrannt werden, der in der Chemiefabrik als Abfallprodukt entsteht. Das Konzept dafür erarbeitet Dow zusammen mit dem Karlsruher Energieversorger EnBW – dieser betrieb einst zusammen mit E.On das Kernkraftwerk Stade.

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