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Biokraftstoff: Industrie profitiert vom Boom

von wolfgang.kempkens@wiwo.de und franz rother

Vom Boom bei Biokraftstoffen profitieren besonders die deutschen Anlagenbauer – vor allem dank internationaler Aufträge.

Das Biokraftstoffpotenzial in Deutschland
Das Biokraftstoffpotenzial in Deutschland

Auch wenn der letzte Winter anderes vermuten lässt: Nie waren die Sommer heißer und die Winter statistisch milder als in den vergangenen zehn Jahren – eine Folge der globalen Klimaveränderung. Und dennoch waren Benzin, Diesel und Kerosin nie teurer als in diesem Jahr – vor allem aus politischen Gründen. Für die Hersteller von Kraftstoffen aus Biomasse eine günstige Konstellation: Davon wächst auf Feldern und in den Wäldern inzwischen so viel, dass sich damit – in verflüssigter Form – zumindest theoretisch ein Viertel des gesamten Kraftstoffbedarfs Deutschlands decken ließe, wie die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe errechnet hat. Obwohl Biodiesel seit dem 1. August mit neun Cent pro Liter besteuert wird, ist er mit einem durchschnittlichen Verkaufspreis von 98 Cent pro Liter immer noch zehn Cent billiger als Diesel auf Erdölbasis, denn der Rapsanbau wird in Deutschland vom Bund, den Ländern und von der EU kräftig subventioniert (WirtschaftsWoche 40/2006). Aus Gründen des Umweltschutzes: Biotreibstoffe sind klimaneutral – bei ihrer Verbrennung entsteht nur genau soviel Kohlendioxid (CO2), wie die Pflanzen zuvor während des Wachstums der Atmosphäre entzogen haben. Das macht sie zu relativ umweltschonenden Kraftstoffen – auch wenn Kritiker anführen, dass die zur Erzeugung der Biomasse nötigen Monokulturen einen hohen Bedarf an Pestiziden und Düngemitteln haben. Die Subventionen summieren sich auf gut 40 Cent pro Liter – was den Erzeugern ein rentables Arbeiten ermöglicht. Die Herstellkosten von Biodiesel auf Rapsölbasis zum Beispiel liegen nach Berechnungen der Beratungsgesellschaft Meó Consulting derzeit bei umgerechnet 51 Cent je Liter Kraftstoffäquivalent. Kein Wunder, dass das Angebot explosionsartig wächst und quer durch die Republik neue Produktionsanlagen aus dem Boden schießen. Schon heute lassen sich in Deutschland mit der bestehenden Kapazität jährlich 3,5 Millionen Tonnen Biodiesel erzeugen. Ende des nächsten Jahres sollen es schon fünf Millionen Tonnen sein. Nach dem Biokraftstoffquotengesetz, das am 1. Januar 2007 in Kraft tritt, soll rund ein Drittel davon dem aus Mineralöl destillierten Diesel beigemischt werden. Dieser Biodiesel-Zusatz wird zunächst mit 15 Cent pro Liter versteuert. Der Rest wird in Reinform als sogenannter „B100“-Kraftstoff über eine wachsende Zahl von Biodiesel-Tankstellen vor allem an Speditionen und andere Betreiber gewerblicher Fuhrparks verkauft – und seit dem 1. August mit neun Cent pro Liter versteuert. In diesem Jahr dürfte der Absatz von Biodiesel in Deutschland 2,5 bis 3,0 Millionen Tonnen erreichen, nach 2,2 Millionen Tonnen 2005. Vom normalen Diesel fließt mit 25 Millionen Tonnen etwa die zehnfache Menge in die Autotanks. Basis des Biosprits ist Rapsöl, vereinzelt auch Sojaöl und sogenannte technische Öle, zu denen auch Altfette zählen, wie sie etwa in den Pommesfriteusen der Gastronomie anfallen. Die Öle werden in der Produktionsanlage mit Methanol versetzt, um das Glycerin abzuscheiden – das würde die feinen Einspritzdüsen moderner Dieselmotoren verstopfen. Additive sorgen dafür, dass der Biosprit auch noch bei Temperaturen von minus 23 Grad flüssig bleibt. Die Ende nächsten Jahres erreichte Produktionskapazität von fünf Millionen Tonnen dürfte für Deutschland vorerst die Obergrenze sein – zumindest so lange nur heimische Ölpflanzen verdieselt werden. Importe würden die Produktion drastisch verteuern, weil der Bedarf an Ölpflanzen weltweit wächst. Vor allem in Ländern der Dritten Welt, in denen immer mehr Dieselgeneratoren durch Pflanzenöl-Anlagen ersetzt werden. Das lässt sich preiswert aus der Jatropha-Nuss, aus Sonnenblumen oder Palmkernen gewinnen.

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