Biologin Petra Dersch: "Da lässt sich gar nichts machen"

Biologin Petra Dersch: "Da lässt sich gar nichts machen"

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Infektionsforscherin Petra Dersch

von Susanne Kutter

Die Infektionsforscherin Petra Dersch über die Entstehung von Killerkeimen wie Ehec, über deren Gefahr und darüber, ob inwiemeit man was dagegen tun kann.

WirtschaftsWoche: Frau Professorin Dersch, woher kommt der Krankheitskeim Ehec O104 ?

Dersch: Höchstwahrscheinlich ist er im Darm eines Tieres oder eines Menschen entstanden. Dort leben die Darmbakterien namens Escherichia coli, aus denen sich gefährliche Ehec-Keime entwickeln können.

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Lassen sich diese Keime nicht vertreiben, etwa mit Medikamenten? Wäre dann die Gefahr gebannt?

Nein, das hätte fatale Folgen. Tiere und Menschen brauchen diese und viele andere Keime im Darm, um gesund zu bleiben. Ohne sie könnte der menschliche Körper zum Beispiel viele Vitamine nicht aufnehmen. Bakterien zerlegen die für uns unverdaulichen Vorstufen in kleine Stücke, die dann die Darmwand passieren können. Außerdem trainieren Darmkeime die Abwehrkräfte. Versuchsmäuse ohne Darmflora hatten kein vollständig ausgebildetes Immunsystem und waren sehr krankheitsanfällig.

Warum verwandeln sich diese nützlichen Darmbakterien dann plötzlich in monströse Krankheitserreger?

Das passiert nicht gezielt oder gerichtet. Wo viele Arten und Stämme von Bakterien zu Millionen im Darm zusammenleben, kommt es zum Austausch von Erbgutstücken. Das ist ein natürlicher Prozess, der seit Millionen Jahren so abläuft und die Evolution beschleunigt. Denn während sich durch zufällige genetische Veränderungen, die Punktmutationen, das Erbmaterial nur minimal verändert, geht es durch Austausch ganzer DNA-Stücke schneller. Bei Tieren und Pflanzen sorgt die sexuelle Fortpflanzung für eine schnelle Neukombination von Genen. Bakterien dagegen tauschen Gene direkt aus, eine Art Bakterien-Sex. Dazu bilden sie Ausstülpungen, um in Kontakt mit dem anderen Bakterium zu kommen und um das Genmaterial hin und her zu schleusen.

Und dabei entstehen Krankheitserreger?

Mitunter ja. So hat sich auch das Pestbakterium vor Tausenden von Jahren aus einem Darmbakterium entwickelt.

Als Brutstätte für neue Krankheitskeime wurden auch Biogasanlagen diskutiert, weil dort gentechnisch veränderte Mikroben wie Gärhefen im Spiel sind.

Das halte ich für sehr hypothetisch, denn Darmbakterien tauschen lieber untereinander Gene aus als mit Hefen. Und dass diese gentechnisch verändert sind, ist völlig unerheblich. Bakterien brauchen keine Hilfe.

Und wenn Gärschlamm aus Biogasanlagen als Dünger dient?

Dann kommen die Organismen mit Bodenbakterien in Kontakt, mit denen sie ebenfalls Gene tauschen können. Das passiert aber auch, wenn Gülle direkt aufs Feld kommt.

Wie und wo lässt sich eingreifen, um solche Krankheitskeime zu verhindern?

An der Tatsache, dass die Evolution weitergeht und Bakterien sich dabei gelegentlich zum Schaden für uns Menschen entwickeln, lässt sich gar nichts machen. Wir können uns nur schützen, indem wir solche Erreger schnell ausfindig machen.

Genau daran hapert es in Deutschland.

Das stimmt doch nicht. Der Erreger war innerhalb von wenigen Tagen charakterisiert, sogar sein Erbgut. Und die Kollegen in Münster haben blitzschnell einen ganz spezifischen Test für ihn entwickelt. Das wäre vor wenigen Jahren noch völlig unmöglich gewesen.  

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