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Biosprit : Der Trick mit der E10-Versicherung

von Jürgen Rees

Es steht nicht gut um den Biosprit E10: Der deutsche Autofahrer meidet ihn - trotz des Angebots einer zweifelhaften Versicherung. Jetzt kritisieren ihn auch Kirchenvertreter. Der Mineralölkonzern Total will Biosprit nicht mehr auf Halde herstellen und schwenkt auf das alte Superbenzin um. Scheitert die Einführung?

E10 Quelle: dpa
E10 Quelle: dpa

Ob das noch was wird mit dem deutschen Autofahrer und dem Biosprit E10? Das Misstrauen ist groß. Zum Leidwesen der Mineralölkonzerne lassen die Autofahrer den Biosprit links liegen und tanken stattdessen das teurere Super und Super Plus.   

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Viele Verbraucher fürchten wegen E 10 um ihre Motoren, zudem gibt es Zweifel am Nutzen für das Klima und viele Verbraucher stört es, dass sie von Heute auf Morgen plötzlich zum Tanken von Biosprit verdonnert werden.

Die Verzweiflung bei den Mineralölkonzernen ist offenbar so groß, das beispielsweise Shell die missliche Lage mit einer neuen Geschäftsidee bessern will: Einer Versicherung gegen E10-Schäden an den Automotoren. So funktioniert der Versicherungsschutz: Zunächst muss der Benziner auf der E10-Verträglichkeitsliste der Automobilhersteller auftauchen, das ist die Grundbedingung. Dann darf das Auto nicht vor 1996 zugelassen sein. Weitere Voraussetzung ist das Tanken von mindestens 30 Litern E10 bei Shell. Die Versicherungslaufzeit beträgt 18 Monate. Bestätigt ein Sachverständiger einen Schaden durch E10, werden die Reparaturkosten voll übernommen. So weit, so gut.

Der Haken bei der Versicherung: 80 Prozent des Benzinbedarfs müssen bei Shell getankt werden. Der Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands, Gerd Billen, nennt die Idee schlicht Unsinn: "Wer möchte schon Benzin tanken, gegen das er sich erst versichern muss." Michael Maurer vom ADAC hält die Shell-Versicherung in erster Linie für einen Marketing-Gag. „Das ist ein Instrument zur Kundenbindung. Wer Schutz will, muss immer Shell tanken", so Maurer. Außerdem: Wie soll ein Fahrer, der kein Fahrtenbuch führt im Schadensfall nachweisen, dass er tatsächlich den Biosprit von Shell bezogen hat?

Nur ein Marketing-Gag

Positiver bewertet der ADAC-Mann die Garantie der deutschen Automobilhersteller. Sie besagt, dass alle Fahrzeuge, die für den Biosprit freigegeben sind, bedenkenlos den neuen Kraftstoff tanken können. Über die Ausnahmen informiert die Verträglichkeitsliste der DAT, die im Internet abrufbar ist und bei den Tankstellen ausliegt. Sollte es durch die Betankung mit E10 später wider Erwarten zu Schäden kommen, wollen die Hersteller für die Kosten aufkommen. Das teilten die Autohersteller Audi, BMW, Ford, Mercedes-Benz, Opel, Porsche und Volkswagen in einer gemeinsamen Erklärung mit.

Weniger Vertrauen, dass die beinahe verzweifelten Aktionen den Verbrauchern den Biosprit noch schmackhafter machen können, habe andere Mineralölkonzerne: Total wird in seinen Raffinerien wieder mehr altes Super produzieren.  „Wir können kein E10 auf Halde produzieren", sagt ein Sprecher des Mineralölkonzerns Total. Es gebe keine Trendwende beim E-10-Absatz, heißt es. Ob der Sprit jemals an den noch fehlenden 8000 der insgesamt 15. 000 Tankstellen in Deutschland eingeführt wird, wird immer fraglicher. E 10 könnte zum Nischen- statt Hauptprodukt beim Superbenzin werden.

Shell hat bisher die Hälfte seiner 2200 Tankstellen auf E 10 umgestellt, vor allem im Osten und Süden Deutschlands. "Mit einem spürbaren Anziehen der Akzeptanz setzen wir den Rollout fort", sagt eine Sprecherin. Doch das ist bisher nirgends zu erkennen, selbst die Polizei in mehreren Bundesländern verbietet E 10 im Dienstwagentank.

"Müssen Menschen hungern, damit wir in Europa mit Biosprit fahren können?"

Dabei sollte nach dem Benzingipfel am 8. März bei Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) alles besser werden. Doch auch wenn drei Wochen später viele Hausaufgaben gemacht sind, wie Verträglichkeits-Listen an den Tankstellen und E-10-Garantien der Hersteller: Es wird nicht mehr getankt und die Kritik ebbt nicht ab.

Jetzt mischt sich auch die Kirche ein. Der Speyerer Weihbischof Otto Georgens prangerte E10 an, weil er die Hungerprobleme der Welt verschärfe. Der Weltmarktpreis für Mais habe sich mehr als verdoppelt, seit EU und Berlin die Beimischung von Bio-Ethanol beschlossen hätten, sagte Georgens zum Start der Fastenaktion "Misereor". Er sieht die verstärkte Produktion des Bio-Ethanols in einem Zusammenhang mit steigenden Boden- und Lebensmittelpreisen und der Vertreibung von Kleinbauern. „Müssen Menschen hungern, damit wir in Europa mit Biosprit fahren können?", fragt der Bischof.

Noch gibt sich der zuständige Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) gelassen. Doch wenn die Einführung scheitert, wäre er der zweite Umweltminister nach Sigmar Gabriel (SPD), der E10 nicht in den Markt bringen kann. Gabriel hatte 2008 den ersten Versuch abgebrochen, damals wie heute galten knapp drei Millionen Autos als E-10-unverträglich.

Mit Material von dpa

10 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 31.03.2011, 18:16 UhrAnonymer Benutzer: Zapfsäulen Revoluzzer

    Grins - in brüssel dürften die Verantwortlichen bereits vor Frust toben - so macht boykott richtig Spaß *ggg*

  • 31.03.2011, 13:57 UhrAnonymer Benutzer: Claudia

    Wer sind diese Politiker und Mineralölkonzerne, dass sie mir vorschreiben wollen, was ich tanken soll?! Trotz offenkundiger Nachteile für die Menschen, die Natur und das Auto / den Motorroller preisen sie den Agrar-Sprit als tolles bio-benzin an. Wessen Ziele werden hier mit Lügen und Zwang verfolgt? Kein mündiger bürger braucht sich das gefallen lassen.

  • 31.03.2011, 12:56 UhrAnonymer Benutzer: Kassandra

    E10 kommt mir nicht in den tank - auch wenn ich es schriftlich von meinem hersteller habe, dass es absolut unbedenklich wäre. unsere feine regierung hat ja schon mit der abwrackprämie den konzernen geholfen - soll sie sich doch an einer umrüstung auf gas beteiligen - da würden viele mitmachen. das würde die umwelt weniger belasten aber bringt ja weniger steuergelder ein

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