Biosprit: Kartell der Kassierer

Biosprit: Kartell der Kassierer

In Grönland schmelzen die Gletscher und in den deutschen Großstädten wächst die Zahl der Menschen, die unter Allergien oder Atembeschwerden leiden. Was haben beide Ereignisse miteinander zu tun? Ganz einfach: Schuld haben hier wie da die Autofahrer.

Die Abgase der Pkw und Lkw sorgen nach Ansicht ideologisch verblendeter Umweltaktivisten dafür, dass sich das Erdklima unaufhaltsam erwärmt und in unseren Großstädten die Luft inzwischen kaum noch zu atmen ist. So einfach ist das.  

Über derart einseitige wie kurzsichtige Betrachtungsweisen könnte man lachen. Dummerweise nur gibt es hierzulande Politiker, die solche Behauptungen offenbar ungeprüft übernehmen und zum Anlass für allerlei Aktions- und Maßnahmenpakete nehmen – Umwelt verkauft sich derzeit gut. Dies führte beispielsweise zur so genannten Feinstaub-Richtlinie, zu Luftreinhalteplänen und in diesen Tagen zur Einführung von Umweltzonen in vielen deutschen Großstädten. Seitdem dürfen die Autofahrer erst nach dem Kauf  einer Umwelt- bzw. Feinstaubplakette in die City fahren – andernfalls werden saftige Bußgelder fällig.

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Dass nach den Erhebungen des  Umweltbundesamtes im vergangenen Jahr wohl auch wetterbedingt die Feinstaub-Konzentrationen in den deutschen Großstädten trotz des ungebremsten Straßenverkehrs deutlich sanken, hat die Initiatoren der Umweltzonen nicht inne halten lassen. Im Gegenteil: Schon werden Pläne ausgebrütet, bei der Zuteilung der roten, gelben und grünen Plaketten nicht nur den Schadstoffausstoß als Maßstab zu nehmen, sondern auch die Geräusche, die von den Autos ausgehen. Auf diese Weise bleiben die neuen Pickerl den Stadtkämmerern wenigstens noch eine ganze Weile als Einnahmequelle erhalten.

Im Zeichen des Umweltschutzes Kassen machen wollten auch Auto- und Mineralölindustrie.  Weil das Neuwagengeschäft in Deutschland seit Monaten lahmt und der Absatz des hochoktanigen wie hochpreisigen  Luxussprits Super Plus stockt, hatten sich die Vertreter beider Branchen zusammen mit einigen Politikern an einen runden Tisch Biokraftstoffe gesetzt und dort eine Strategie ausgeheckt, mit der die Absatzprobleme der Industrie und die Probleme der Regierung mit den ambitionierten Klimaschutzzielen in einem Aufwasch gelöst werden sollten. Die Idee: Das preiswertere Benzin würde man ab Januar 2009 mit 10 Prozent Ethanol strecken und so viele Autofahrer dazu zwingen, auf das teure Superplus umzusteigen – oder gleich ein neues Auto zu kaufen, das höhere Beimischungen von Biokraftstoff verkraftet.

Inwieweit dies tatsächlich der Umwelt helfen würde, wurde ebenso wenig geprüft wie die Frage, wie viele Altfahrzeuge denn Probleme mit jenem E10 getauften Biosprit haben könnten. Die Lobbyisten der deutschen Autoindustrie warfen eine grob geschätzte Zahl von 375.000 Autos in die Runde – mit detaillierten Tests begannen ihre Ingenieure erst später. Inzwischen jedoch zeichnet sich ab, dass die Zahl viel zu tief gegriffen war. Tatsächlich wären wohl über eine Million Fahrer älterer Autos gezwungen, auf das teure SuperPlus umzusteigen, wenn dem konventionellen Superbenzin wie geplant zehn Prozent Ethanol beigemischt würde. Die Begeisterung von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel für den Biosprit-Coup hat sich darüber merklich abgekühlt.

Nicht nur die Verbraucher, auch die Vertreter der Autoindustrie sollten froh darüber sein: Bei einer Durchsetzung der Pläne im Hauruck-Verfahren hätten sie in den kommenden Jahren möglicherweise Milliardensummen aufwenden müssen, um all jene zu entschädigen, deren Autos bei der Betankung mit E10 kapitale Motorschäden erlitten hätten. Auch die Klimaschützer sollten sich nicht grämen. Denn tatsächlich hat bis heute noch niemand ausrechen können, um wie viel die Schmelzwasser-Rate von Grönlands Gletschern sinkt, wenn Deutschlands Autofahrer Alkohol in ihre Tanks kippen.

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