Biosprit : Streit um die Wundernuss

Biosprit : Streit um die Wundernuss

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Bäuerinnen in Burkina Faso

Mithilfe der Wunderpflanze Jatropha will die Lufthansa nachhaltig fliegen. Doch das neue Kerosin ist alles andere als öko.

Sie ist grün, wächst in Wüsten und ist nur einen Zentimeter groß – und doch lasten auf der Jatropha-Nuss die Hoffnungen der gesamten Luftfahrtindustrie: Denn sie ist extrem energiereich, ihr Öl lässt sich bestens zu hochwertigem Ökokerosin verarbeiten.

Damit soll sie das größte Problem der Branche lösen: Die Fluglinien nämlich müssen den Ausstoß an Treibhausgasen drastisch reduzieren, weil sie ab nächstem Jahr für CO2-Emissionen ab einer bestimmten Menge zahlen müssen. Und da ist grüner Sprit der einzige Ausweg.

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Jatropha, so glauben Airlines, sei dafür besonders geeignet: Sie wachse auf Brachland – ohne Zugabe von Dünger und Wasser, versicherten die Flugzeug-Manager jahrelang. Fruchtbare Äcker brauche die Wundernuss nicht zum Gedeihen. Und das Ganze sei auch noch sozial, weil der Jatropha-Anbau den Bauern zusätzliches Einkommen beschere. Als „beste Basis für Biokraftstoff" feiert deshalb auch die Lufthansa Jatropha in ihrem aktuellen Nachhaltigkeitsbericht.

Bedenken von Bauern, Umweltschützern und Wissenschaftlern

Wenn es doch bloß so wäre.

Tatsächlich aber ist die Wundernuss wesentlich umweltschädlicher als die Verantwortlichen wahrhaben wollen. Auf Brachland sind die Ernten im besten Fall mickrig, belegt eine erdrückende Zahl neuer Studien. Deshalb verdrängt Jatropha jetzt doch den Nahrungsmittelanbau auf fruchtbaren Feldern. Und weil der Ertrag so niedrig ist, drückt die Jatropha-Ernte zudem die Einkommen der Bauern. Als wäre das noch nicht genug, ist selbst die Ökobilanz des grünen Nuss-Kerosins schlechter als versprochen, weil der vermeintliche Kaktus unter den Energiepflanzen anspruchsvoller ist als gedacht: Für gute Ernten braucht er reichlich Dünger und wertvolles Wasser.

Trotz dieser Bedenken, die von Bauern, Umweltschützern und Wissenschaftlern immer lauter vorgetragen werden, haben es die Airlines plötzlich eilig, Jatropha-Kerosin marktfähig zu machen. So hebt seit Mitte Juli jeden Morgen in Hamburg ein Lufthansa-Airbus zum Testflug ab – erstmals im Linienflugverkehr, Ziel Frankfurt. Die Testflüge in Deutschland seien ein weiterer Schritt einer „erfolgreichen Nachhaltigkeitsstrategie", versichert die Lufthansa.

Dabei gäbe ein Flug nach Indonesien den Chefs der großen Airlines viel mehr Aufschluss darüber, wie nachhaltig der Pflanzensprit wirklich ist.

460 Kilometer östlich der Hauptstadt Jakarta liegt das Dorf Tumpuk: Ein paar Dutzend Holzhütten reihen sich aneinander, zwischen denen Kühe grasen und Kinder spielen – Tumpuk ist auf den ersten Blick ein Dorf wie jedes andere in der Gegend. Hinter den kleinen Maisfeldern aber hat sich in den vergangenen Monaten einiges verändert: Entlang der staubigen Wege stehen junge Büsche in lichten

Spalieren  bis zum Horizont – Jatropha-Sträucher.

Die Felder gehören der staatlichen Forstbehörde, die Pflanzen dem niederländischen Agro-Unternehmen Waterland International. In den vergangenen Jahren hat Waterland auf Java 70 000 Hektar Land mit Jatropha bepflanzt. 180 000 indonesische Familien ernten jetzt nicht mehr nur Maniok und Mais, um sich zu ernähren, sondern vor allem die kleinen Nüsse – die auch zu Lufthansa-Sprit werden.

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