Biotechnik: Zuchterfolge ohne Gentechnik - Seite 4

Biotechnik: Zuchterfolge ohne Gentechnik

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Die Technik überschreitet die Artgrenze nie. Eigenschaften, die nicht angelegt sind, können mit der Ein-Gen-Evolution auch nicht gezüchtet werden. Gentechnik ist zudem einfacher als das Tilling. Unternehmen, die eine Pflanze genetisch modifizieren wollen, müssen nicht genau wissen, wie ihr Erbgut aufgebaut ist, um etwa ein einzelnes bekanntes Gen aus einem Bakterium einzufügen. Beim Tilling hingegen braucht man eine sehr genaue Vorstellung davon, auf welches Gen der Pflanze man es abgesehen hat und welche Funktion es erfüllt.

In diesem bewussten Umgang mit Pflanzenerbinformationen liegt aber zugleich das große Potenzial des Verfahrens: Immer mehr Genome werden entschlüsselt. Den Bauplan des Lebens von Reis, Hirse und Mais kennt man schon. Erst vor wenigen Wochen hat Bayer zudem das Raps-Genom entschlüsselt. Je mehr florale Baupläne die Datenbanken füllen, desto häufiger wird die Präzisionszucht angewendet werden, betont Tilling-Erfinder Henikoff.

Schmackhafter, gesünder und einfacher zu verarbeiten

Welche Bedeutung das Wissen über das Erbgut hat, zeigt das Beispiel der Getreidesorte Gerste. Das Gen MLO etwa macht das Getreide anfällig für Mehltau. Sobald aber das Merkmal per Tilling verändert wird, werden die Halme resistent gegen die Pilzkrankheit. Auch Weizen und Roggen verfügen über ein MLO-Gen. Mit der Ein-Gen-Evolution wollen Forscher nun auch für diese Arten widerstandsfähige Nachkommen züchten. Es sind ohnehin nicht nur die politische Stimmungslage und die gesellschaftliche Akzeptanz, die das neue Verfahren begünstigen. „Wir finden die Gentechnik zwar nicht falsch“, sagt Pflanzenforscher Bachem, „aber mit dem Tilling können wir viel subtilere Veränderungen erreichen.“

Derart sanfte Modifikationen etwa in temperaturempfindlichen Enzymen „könnten Tomaten tolerant gegenüber Kälte machen“, hofft Pflanzenforscher Bachem. Dann müssten Gewächshäuser weniger geheizt werden. Auch Vitamine und Aromastoffe könnten mit der Ein-Gen-Evolution verstärkt werden. Bitterstoffe könnten vermindert, der Zuckergehalt erhöht oder die Fettzusammensetzung verändert werden. Darin, so Bachem, liege das große, nahezu unerschlossene Potenzial des Tillings für die kommerzielle Pflanzenzucht.

Die Früchte dieser Forschung sollen schmackhafter, gesünder oder einfacher zu verarbeiten sein. „Das ist aufregend für Zuchtunternehmen, weil sie so die Vielfalt ihrer Sorten um bestimmte Eigenschaften erweitern können“, sagt Bachem.

Die Gen-Kartoffel verliert mit der Konkurrenz ihre Einzigartigkeit. Amflora-Schöpfer BASF verbreitet dennoch Optimismus: Die neue Stärkekartoffel zeige, dass der Bedarf vorhanden sei. Frei nach dem Motto: Wo Platz für einen ist, ist Platz für zwei und wahrscheinlich für noch mehr – Kontrahenten freilich.

BASF will die Amflora 2010 auch in Deutschland anbauen, schließlich hat das Unternehmen einige Hundert Millionen Euro in die Gen-Knolle investiert. Doch auf die Frage, ob man heute noch einmal in eine Amflora investieren würde, bleibt das Unternehmen vage: „Es ist schwer zu sagen, wie es gewesen wäre, wenn die neue Kartoffel und die Technik schon da gewesen wären“, sagt eine Sprecherin. „Damit hat keiner gerechnet.“

5 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 04.07.2010, 19:04 UhrAnonymer Benutzer: David

    Zumindest etymologisch bedeutet Gentechnik doch die manipulation der Genen, oder? Jede Technik, die zu eine "unnatürliche" Veränderung der Erbguts verursacht, sollte doch als Gentechnik bezeichnet werden. Obwohl es in der Methode anders ist, sehe ich hier kein Unterschied ob die Veränderung per Mutagenese oder per gezieltes Einbau eines fremdes Genes aus biotischer Herkunft... Nicht schlimmer, aber eben auch nicht besser...

  • 02.12.2009, 17:10 UhrAnonymer Benutzer: Stefan Rauschen

    Übersehen wird bei der ganzen Sache folgendes: die chemisch induzierten Mutationen treten nicht gezielt im Genom der Pflanze auf, sondern ganz zufällig. Man sucht nur letztlich nach Mutationen in bestimmten Genen, und selektiert die Pflanzen daraufhin. Was mit den anderen Mutationen geschieht, braucht nicht untersucht werden, weil es sich ja nicht um einen GVO, sondern um eine konventionell gezüchtete Pflanze handelt.
    Daher dürfen diese Pflanzen auch direkt im Freiland angebaut werden - es sind "konventionelle" Pflanze. Und das, obwohl vollkommen unklar ist, was sonst so im Genom eigentlich durch die Mutagenese passiert ist. Veröffentlichungen zeigen, dass Mutationen mit Raten von 1 in 300 Kilobasen auftreten können. Das heisst letztlich, dass in einer Pflanze mehrere hundert wenn nicht gar tausende Mutationen aufgetreten sind, die gar nicht untersucht werden.

    Das steht dann im Gegensatz zur gentechnisch veränderten Pflanze, die sehr genau untersucht wird, in Hinblick auf die integration des Fremdgens, der Expression, des Einflusses auf das restliche Genom (Stichworte: Transkriptomanalyse).

    Stellt sich hier die Frage, warum die durch Ethylmethansulfonat (http://de.wikipedia.org/wiki/Ethylmethansulfonat) ausgelösten Mutationen sicherer sein sollen, als andere Eingriffe ins Genom.

    Als Kommentar am Rande: Pflanzen werden gegen insekten resistent gemacht, in denen man ihnen ein Gen aus dem bodenbakterium bacillus thuringiensis einsetzt, das für ein bestimmtes jeweiliges Protein verantwortlich ist, das spezifisch auf Gruppen von Schädlingen wirkt.
    insektengene spielen bei der Veränderung von Pflanzen da keine Rolle.

  • 18.11.2009, 21:59 UhrAnonymer Benutzer: Eckehard Manschek

    Das ist die Lösung. Zuchterfolge ohne fremde Gene.
    Dies ist wie Züchtung durch Auslese, nur viel schneller.
    Monsanto und co können einpcken.

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