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Biotechnik: Zuchterfolge ohne Gentechnik

von Susanne Donner

Erstmals lassen sich Super-Kartoffeln, herzhafte Tomaten und ungezieferfreies Getreide erzeugen – auch ohne Gentechnik. Mit einer neuen Zuchttechnik helfen Forscher der Evolution auf die Sprünge.

Bananenzucht im Kulturschälchen: "Großer Unterschied zur Gentechnik"
Bananenzucht im Kulturschälchen: "Großer Unterschied zur Gentechnik"
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Acht Jahre, Zehntausende Laborstunden und 2748 gesprossene Kartoffelkeime hat es gedauert. Dann gelang Eckhard Tacke und seinem Team die Sensation, die den Streit über Sinn und Unsinn der Gentechnik neu befeuern wird. Tacke ist wissenschaftlicher Leiter bei dem Kartoffelforschungsunternehmen Bioplant in Ebstorf bei Lüneburg. Und sein Unternehmen hat mit einem neuartigen Verfahren eine Art Super-Kartoffel entwickelt. Ein paar Erdreste kleben noch an ihrer hellbraunen Schale, innen ist sie saftig und gelb. Obwohl sie aussieht wie jede andere Kartoffel, hat sie doch das Potenzial, die Gemüsezucht zu revolutionieren.

Die neue Knolle hat die gleichen Eigenschaften wie die umstrittene, gentechnisch veränderte Amflora des Chemiekonzerns BASF Plant Science. Im Gegensatz zur Amflora ist die neue Knolle jedoch nicht gentechnisch verändert. Es wurden nicht wie beim sogenannten Gentransfer fremde Gene in ihr Erbgut geschleust. Ihre Eigenschaften wurden lediglich mit einer innovativen und technisch hochkomplexen Zuchtmethode modifiziert, dem sogenannten Tilling.

Es geht um einen riesigen Markt – jenseits von Reibekuchen und Kartoffelbrei: Denn Amflora und ihre neue Tilling-Schwester produzieren eine hochreine Stärke, von der allein die deutsche Papier- und Klebstoffindustrie jährlich mehr als 500.000 Tonnen verarbeitet. Das klassisch gezüchtete Abbild der Gen-Pflanze ist ein brisantes Novum inmitten einer hitzigen Diskussion über die grüne Gentechnik: Obwohl seit Jahren beantragt, ist die Amflora EU-weit noch nicht zugelassen. Die europäische Lebensmittelbehörde hält die Gen-Knolle zwar für sicher. Aber ebenso hartnäckig kursieren Bedenken. Kritiker fürchten, ein spezielles Gen der Kartoffel könne zu Antibiotika-Resistenzen führen, wenn es in den menschlichen Körper gelangt.

Streit um Genkartoffel

Als die Pflanze im Frühjahr versuchsweise im Freiland angebaut werden sollte, eskalierte der Streit. Der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer zog gegen die gentechnisch veränderten Erdäpfel öffentlichkeitswirksam ins Feld. Die Mehrheit der Verbraucher lehnt die Knolle ohnehin schon lange ab. Nun geht der Streit von vorne los: Die neue Bundesregierung hat in den Koalitionsvertrag geschrieben, sie unterstütze den Anbau der umstrittenen Kartoffel.

Da ist es nur verständlich, dass eine Zuchtmethode, die ähnliche Resultate verspricht wie die ungeliebte Gentechnik, die Industrie in ihren Bann zieht. Tilling steht für „targeting induced local lesions in genomes“, was frei übersetzt die zielgerichtete Suche nach winzigen Genveränderungen im Erbgut bedeutet.

Darum geht es: Beim Tilling werden im genetischen Code der Saat gezielt sogenannte Punktmutationen ausgelöst. Diese Mutationen provozieren Wissenschaftler mit einer Chemikalie namens Ethylmethansulfonat. „Dieser Prozess findet in jeder Pflanze auch natürlich statt, ausgelöst beispielsweise durch die Strahlung des Sonnenlichts“, erläutert Pflanzenforscher Jost Muth vom Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Ökologie, der die gentechnikfreie Stärkekartoffel mitentwickelt hat. „Die Chemikalie beschleunigt das allerdings.“

Dieses Verfahren gibt es schon seit Jahrzehnten. Neu ist, dass es nun zusammen mit einer schnellen Suchmethode verknüpft wird. Wurde die Mutation ausgelöst, sortieren Wissenschaftler aus Abertausenden von Keimlingen jene heraus, in denen eine bestimmte Erbanlage verändert ist. Diejenigen also, die durch die Mutation besser vor Krankheiten geschützt sind, eine süßere Frucht tragen oder eben eine spezielle Stärke bilden, wie in der neuen Kartoffel aus Ebstorf.

Wie in der Gentechnik auch optimieren die Wissenschaftler mithilfe von Tilling ausgewählte Pflanzen. Doch während die Gentechnologen ein Erbgut-stück künstlich aus dem einen Organismus in einen anderen einschleusen, optimiert die Pflanzenzucht lediglich die in der Pflanze ohnehin vorhandenen genetischen Eigenschaften. Tilling ist gewissermaßen eine Turbo-Evolution in einem Gen.

5 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 04.07.2010, 19:04 UhrAnonymer Benutzer: David

    Zumindest etymologisch bedeutet Gentechnik doch die manipulation der Genen, oder? Jede Technik, die zu eine "unnatürliche" Veränderung der Erbguts verursacht, sollte doch als Gentechnik bezeichnet werden. Obwohl es in der Methode anders ist, sehe ich hier kein Unterschied ob die Veränderung per Mutagenese oder per gezieltes Einbau eines fremdes Genes aus biotischer Herkunft... Nicht schlimmer, aber eben auch nicht besser...

  • 02.12.2009, 17:10 UhrAnonymer Benutzer: Stefan Rauschen

    Übersehen wird bei der ganzen Sache folgendes: die chemisch induzierten Mutationen treten nicht gezielt im Genom der Pflanze auf, sondern ganz zufällig. Man sucht nur letztlich nach Mutationen in bestimmten Genen, und selektiert die Pflanzen daraufhin. Was mit den anderen Mutationen geschieht, braucht nicht untersucht werden, weil es sich ja nicht um einen GVO, sondern um eine konventionell gezüchtete Pflanze handelt.
    Daher dürfen diese Pflanzen auch direkt im Freiland angebaut werden - es sind "konventionelle" Pflanze. Und das, obwohl vollkommen unklar ist, was sonst so im Genom eigentlich durch die Mutagenese passiert ist. Veröffentlichungen zeigen, dass Mutationen mit Raten von 1 in 300 Kilobasen auftreten können. Das heisst letztlich, dass in einer Pflanze mehrere hundert wenn nicht gar tausende Mutationen aufgetreten sind, die gar nicht untersucht werden.

    Das steht dann im Gegensatz zur gentechnisch veränderten Pflanze, die sehr genau untersucht wird, in Hinblick auf die integration des Fremdgens, der Expression, des Einflusses auf das restliche Genom (Stichworte: Transkriptomanalyse).

    Stellt sich hier die Frage, warum die durch Ethylmethansulfonat (http://de.wikipedia.org/wiki/Ethylmethansulfonat) ausgelösten Mutationen sicherer sein sollen, als andere Eingriffe ins Genom.

    Als Kommentar am Rande: Pflanzen werden gegen insekten resistent gemacht, in denen man ihnen ein Gen aus dem bodenbakterium bacillus thuringiensis einsetzt, das für ein bestimmtes jeweiliges Protein verantwortlich ist, das spezifisch auf Gruppen von Schädlingen wirkt.
    insektengene spielen bei der Veränderung von Pflanzen da keine Rolle.

  • 18.11.2009, 21:59 UhrAnonymer Benutzer: Eckehard Manschek

    Das ist die Lösung. Zuchterfolge ohne fremde Gene.
    Dies ist wie Züchtung durch Auslese, nur viel schneller.
    Monsanto und co können einpcken.

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