Biotechnologie: Künstliches Leben versetzt Biotech-Branche in Aufruhr

Biotechnologie: Künstliches Leben versetzt Biotech-Branche in Aufruhr

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J. Craig Venter

von Susanne Kutter

Forscher haben im Labor ein neues Bakterium kreiert. Damit ist der Mensch erstmals in der Lage, künstliche Lebewesen zu schaffen. Die deutsche Biotech-Branche hat wesentlichen Anteil an der Entwicklung.

Craig Venter hat es wieder einmal geschafft: Der 63-jährige Genforscher aus den USA füllte die Titelseiten von Wissenschafts- und Wirtschaftsmagazinen mit seinem jüngsten Coup: dem ersten von Menschenhand geschaffenen Lebewesen, einem Bakterium. Wie schon im Jahr 2000, als er die staatlich finanzierte Forscherelite bei der Entschlüsselung des menschlichen Erbguts mit seinem Unternehmen Celera fast überholte, drückte der Biochemiker auch diesmal aufs Tempo.

Der clevere Selbstdarsteller, den das US-Magazin „Forbes“ einst als „Bono der Biotech“ titulierte, wagte, was kein Forscherkollege vor ihm versucht hatte: Wie Victor Frankenstein in Mary Shelleys 192 Jahre altem Roman erzeugte er künstliches Leben im Labor. Wer noch daran zweifelte, dass moderne Biotechnologie eines Tages den göttlichen Schöpfungsanspruch infrage stellt, muss sich nun mit der von Venter geschaffenen Wirklichkeit auseinandersetzen: einer Mikrobe, deren ganzes Erbgut, das Genom, chemisch im Labor erzeugt wurde, die sich seither aber wie ein natürlich entstandener Organismus teilt und vermehrt – und damit lebt.

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Allerdings ist dieses Leben weit entfernt von intelligenten oder gar menschenähnlichen Kreaturen, wie Dr. Frankenstein sie zu schaffen versuchte. Das künstliche Bakterium besitzt mit knapp 500 Genen nur eine Minimalausstattung an Erbanlagen. Das menschliche Genom besteht aus etwa 20.000 Genen.

Angst und Hoffnung

Dennoch weckt das kleine Kunstwesen Ängste und Hoffnungen gleichermaßen: Umweltschützer warnen, synthetische Mikroben könnten in die Natur entfleuchen und dort Schaden anrichten. Mancher Kritiker befürchtet gar, sie könnten von Terroristen entwendet und zu Killerbakterien umgebaut werden. Befürworter dagegen sehen große Chancen für vollständig am Reißbrett konstruierte Bakterien.

Der Gedanke dahinter ist nicht neu: Seit gut 40 Jahren arbeiten Biotechnologen daran, natürliche Organismen in aufwendigen Verfahren gentechnisch so zu verändern, dass sie nützliche Stoffe wie Medikamente oder Vitamine herstellen.

Gen-Synthese gibt es seit Jahren

Venters Ansatz könnte die Entwicklung aber „enorm beschleunigen und die Effektivität dramatisch erhöhen“, glauben Experten wie Ralf Wagner, die ganz wesentlich zum Gelingen des Venter-Projekts beigetragen haben. Wagner ist Gründer und Chef des Regensburger Unternehmens Geneart. Dessen Mitarbeiter tun im Auftrag von Forschern nichts anderes, als Gene im Labor künstlich nachzubauen. Chemiker nennen den Vorgang Synthese. Dabei fügen sie lange Doppelstränge des Erbgutmoleküls DNA aus den biochemischen Bausteinen des genetischen Alphabets, den Basen Adenosin, Thymin, Guanin und Cytosin zusammen. Auch Venter ist dort seit Jahren Kunde.

Bisher wurden die künstlich aneinandergereihten Moleküle für Forschungszwecke bestellt oder um Gene aus der Natur so zu verändern, dass sie sich besser in andere Organismen einfügen lassen. Sie als komplettes Genom einzusetzen hatten bisher erst zwei Forscher bei Viren versucht: der deutschstämmige Eckard Wimmer von der New Yorker Stony-Brook-Universität beim Polio-Erreger. Und Venter beim Virus Phi-X174.

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