Blackberry Key One im Test: Tippen wie 1999

Blackberry Key One im Test: Tippen wie 1999

, aktualisiert 31. Mai 2017, 11:30 Uhr
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Der Hersteller hat die Tastatur weiterentwickelt.

von Christof KerkmannQuelle:Handelsblatt Online

Blackberry feiert ein Comeback – irgendwie zumindest: Mit dem Key One kehrt die bekannte Marke zurück, samt Tastatur. Gebaut wird das Smartphone vom chinesischen Hersteller TCL, doch davon merkt man im Test nichts.

DüsseldorfEs ist einige Jahre her, da war Blackberry ein Synonym für Produktivität, mehr noch, ein Statussymbol. Wer etwas auf sich zählte, hatte so eine kleine E-Mail-Maschine mit Tastatur in der Tasche. Doch als das iPhone und dutzende Android-Smartphones auf den Markt kamen, wirkten diese Geräte auf einmal nicht mehr zeitgemäß. Nicht wegen der Tasten – das Problem war eher, dass es für die Plattform kaum Apps und Multimedia-Angebote gab.

Der Hersteller ist darüber tief in die Krise gerutscht und hat sich schließlich im vergangenen Jahr aus dem Hardwaregeschäft verabschiedet. Trotzdem kommt in diesen Tagen eines neues Smartphone mit dem Beerenlogo auf den Markt: Der chinesische Konzern TCL hat eine Lizenz für die Marke erworben und fertigt nun die Geräte. Das Key One – so der Name des ersten Modells – soll dabei alt und neu kombinieren.

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Der Hersteller setzt auf die Stärken, für die Blackberry steht: Natürlich die Tastatur, aber auch einige Sicherheitsfunktionen (siehe Infokasten) und ein ausdauernder Akku, der mindestens einen Tag durchhalten soll. Es ist ein Versprechen, vor allem an die Fans früherer Tage: Effizient arbeiten wie ein Banker oder Berater, tippen wie 1999. Allerdings setzt TCL als Betriebssystem Android ein, mit all den Programmen aus dem Play Store samt Musik und Videos. Es ist das Zugeständnis an die heutige Zeit: Ohne Apps geht nichts mehr. Reicht das, um mit der Konkurrenz mitzuhalten? Auch angesichts eines stattlichen Preises von rund 600 Euro?

Intelligente Hilfe beim Schreiben

Das markanteste Merkmal des Key One ist die Tastatur. Deren Tasten sind leicht erhaben und haben einen angenehmen Druckpunkt, sind zudem beleuchtet. Wer darin geübt ist, damit E-Mails oder Memos zu schreiben, dem wird das mit dem neuen Blackberry leicht von der Hand gehen. Und auch wer gewöhnt ist, auf dem Touchscreen zu schreiben – so wie ich –, kommt relativ schnell damit klar.

Zumal die Tastatur berührungsempfindlich und somit zusätzlich als Touchpad fungiert. So lassen sich die Wortvorschläge, die beim Schreiben auf dem Bildschirm erscheinen, mit einem kleinen Wischer auswählen; oder ganze Wörter mit einer Geste löschen. Und in Dokumenten oder auf Websites kann man mit Streichbewegungen navigieren. Das Gerät verbindet somit virtuelle und echte Tastatur.

Eine elegante Lösung hat der Hersteller für die Entsperrung des Bildschirms gefunden: Der Fingerabdrucksensor ist in die Leertaste eingelassen – ein Klick, und das Gerät ist einsatzbereit. Die übrigen Tasten lassen sich zudem für den Schnellstart ausgewählter Programme nutzen. Das T habe ich zum Beispiel mit Twitter verknüpft, dass F mit Facebook.


Kompromisse bei Leistung und Kamera

Wer nicht auf die Tastatur verzichten will, muss allerdings einige Kompromisse machen. Das betrifft zum einen die Ausstattung. So ist der Snapdragon-625-Prozessor keine aktuelle Ware – er kommt sonst in günstigeren Modellen wie dem Huawei Nova und dem Moto G5 Plus zum Einsatz. Im Alltag einer E-Mail Maschine macht sich das selten bemerkbar, für aufwendige Spiele ist das Key One aber nicht geeignet. Smartphones mit ähnlich hohen Preisen schneiden im Vergleichstest jedenfalls besser ab.

Ähnlich ist es mit der Kamera: Sie kann vielleicht mit den Spitzenmodellen der Konkurrenz nicht ganz mithalten, erledigt ihre Aufgaben aber solide. Und das ist für Geräte mit dem Beerenlogo bei weitem nicht selbstverständlich. Der Hersteller baut einen Sensor von Sony mit zwölf Megapixeln Auflösung ein, verzichtet aber auf einen optischen Bildstabilisator. Angesichts des durchschnittlichen Prozessors ist zudem die softwareseitige Nachbearbeitung nicht so aufwendig wie beispielsweise beim Galaxy S8.

Bei guter Beleuchtung und wenig Bewegung macht das nicht viel aus, bei schlechtem Licht werden die Unterschiede aber sichtbar, etwa an der Schärfe und am Bildrauschen. Ein weiteres, kleines Manko: Die Selfie-Kamera auf der Vorderseite, die eine Auflösung von acht Megapixel bietet, löst mit etwas Verzögerung aus.

Die Tastatur beansprucht zudem einigen Platz, so dass der Bildschirm mit einer Diagonale von 4,5 Zoll vergleichsweise klein ausfällt und ein ungewöhnliches 3:2-Seitenformat hat. Dadurch sind beispielsweise in der Twitter-App selten mehr als drei Tweets auf einmal zu sehen, auf Handelsblatt Online teils auch nur drei Nachrichten, je nach Einstellung. Auch Videos im Querformat haben weniger Platz.

Als Betriebssystem kommt Android 7.1 zum Einsatz, große Anpassungen nimmt der Hersteller nicht vor. Allerdings ergänzt er das Softwareangebot um zwei eigene Apps. Zum einen das Sicherheitsprogramm DTEK, zum anderen die Kommunikationszentrale Blackberry Hub. Es bündelt alle Arten von Nachrichten, ob E-Mails oder Tweets und weist auf verpasste Anrufe hin. Auch das ist noch ein Erbe von Blackberry.

Fazit: Ordentlich, nicht überdurchschnittlich

Wer lieber auf einer echten Tastatur statt auf Glas tippen will, ist mit dem Key One bestens bedient – es ist ein ordentliches, wenn auch nicht überdurchschnittliches Smartphone, bei dem man auf nichts verzichten muss. Wem das nicht so wichtig ist, der bekommt für den üppigen Preis von rund 600 Euro allerdings Hardware, die mehr leistet.

Quelle:  Handelsblatt Online
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