Millionen konnten in den vergangenen Wochen am Fernseher erleben, wie spannend auch das verbale Passspiel sein kann. Wenn Gerhard Delling und Günter Netzer im ARD-WM-Studio Spielszenen analysierten, Rückblenden einspielten und sich kabbelten, war das oft ebenso unterhaltsam wie das Geschehen auf dem Platz. Was Kommunikationswissenschaftler als „The Power of Pairs“ bezeichnen, nutzen TV-Macher schon seit Jahren als Erfolgsrezept. Menschen, die paarweise zusammenarbeiten, sind innovativer und leistungsfähiger als Einzelkämpfer, aber auch als Gruppen. Harald Schmidt und Manuel Andrack sind dafür ebenso ein Beispiel wie Götz Alsmann und Christine Westermann, Moderatoren der Sendung „Zimmer frei“. In der Arbeitswelt setzt sich diese Erkenntnis erst langsam durch. Angestellte, die nicht allein an ihrem Schreibtisch hocken, sondern lieber mit einem Kollegen am Computer brüten oder die Köpfe zum Fachsimpeln zusammenstecken, wurden von Kollegen und Chefs bisher eher kritisch beäugt. Jetzt sollen Zweierteams aber auch in den Büros ihre volle Kreativität entfalten. Möbelhersteller und Forscher haben Schreibtische und Büroumgebungen entwickelt, die die Paararbeit fördern. Der Büromöbelspezialist Steelcase hat im vergangenen Jahr in den USA die Schreibtischkombination Duo auf den Markt gebracht, die auf zwei Personen zugeschnitten ist. Jeder behält dabei eine individuelle Arbeitsplatte. Die beiden Schreibtische sind jedoch über eine Ablage verbunden, die die Kollegen im Sitzen als Sichtschutz, im Stehen als gemeinsame Arbeitszone nutzen können. Der Sichtschutz ist so hoch angebracht, dass beide konzentriert arbeiten können, aber nur den Kopf heben müssen, um Augenkontakt aufzunehmen. Der Hersteller König + Neurath propagiert elektromotorisch höhenverstellbare Steh-Sitz-Arbeitsplätze. Auf Stehhöhe gebracht, sollen diese bei großzügigen Arbeitsflächen ideale Voraussetzungen für Zweierteams bieten. „Beide können im Stehen am selben Computer arbeiten, ohne dass einer dem anderen über die Schulter schauen muss, weil die gesamte Arbeitsfläche auf einheitliche Höhe gefahren werden kann“, sagt König + Neuraths Ergonomie-Experte Peter Feldmann. Arbeitspsychologen und Kommunikationswissenschaftler haben die Vorteile des so genannten Laddering – der eine baut auf Ideen des anderen auf – längst wissenschaftlich belegt. „Wenn Paare zusammenarbeiten, ist die Kommunikation fokussierter als in Gruppen, offener, häufig tiefgründiger und kreativer, vor allem aber weniger von hierarchischen Einflüssen geprägt“, sagt Stephan Zinser, Professor für Organisationslehre und Innovationsmanagement an der Fachhochschule Heidelberg und Leiter des Instituts für Arbeitsforschung und Organisationsberatung (iafob) in Nürtingen. Schon Anfang des 20. Jahrhunderts stellte der Soziologe Georg Simmel fest, dass zwei Menschen ihre Gedanken und Ideen offener und informeller austauschen, als dies in Gruppen geschieht. Stößt eine dritte Person hinzu, verändert sie sofort das soziale Gefüge. Die Gruppe böte zwar neue Chancen, so Simmel, beschneide aber gleichzeitig die Ausdrucksmöglichkeiten jedes Einzelnen. Auf den Forschungsergebnissen von Simmel bauten Erziehungswissenschaftler aus Australien auf. Ihre Erkenntnis: Sobald eine dritte Person zu einem Zweierteam hinzukommt, verkompliziert sich die gesamte Interaktion. Die von ihnen untersuchten Schüler-Trios brauchten im Vergleich zu den Zweierteams wesentlich länger, um Aufgaben zu lösen. Eine neue Forschungsarbeit des Göttinger Psychologieprofessors Stefan Schulz-Hardt untermauert diese Erkenntnis. Bei Gruppenentscheidungen haben Fachleute mit ihrem Spezialwissen per se schlechte Karten, wenn ihre Meinung nicht der vorherrschenden Ansicht in der Diskussion entspricht. Bei Besprechungen in großer Runde werden generell weniger bekannte oder meinungskonträre Informationen kritischer getestet und dadurch leicht als weniger stichhaltig eingestuft. Mit der Folge, dass gerade Experten mit ihren Argumenten – und seien sie noch so stichhaltig – häufig keine Akzeptanz finden. Besonders bei Forschungs- und Entwicklungsprojekten hat sich dagegen gezeigt, dass vor allem Paare aus einem älteren und einem jüngeren Forscher durch die Symbiose aus Tatendrang und Erfahrung bessere Ergebnisse erzielen. Wissenschaftler der Universität Pittsburgh beobachteten 20 Einzelpersonen und 30 Paare beim Entwerfen einer Brücke am Computer und stellten fest, dass die Testpersonen Probleme besser lösen konnten, wenn sie mit einem Partner zusammenarbeiteten. Die finnischen Wissenschaftler Aino Halinen, Asta Salmi und Virpi Havila analysierten die Dynamik innerhalb von Unternehmensnetzwerken. Ihr Ergebnis: „In der Unternehmenswelt sind Duos die Innovationstreiber Nummer eins. Nur sie haben häufig ausreichend Kraft und Dynamik, um Trägheit und Beharrungsvermögen von großen Organisationen zu überwinden.“ Diese Erkenntnisse setzen Unternehmen nun auch organisatorisch um. Beim Computerhersteller Dell kümmern sich um strategisch wichtige Aufgaben stets zwei Vorstände. Auch der Schweizer Uhrenhersteller TAG Heuer weiß um die Vorteile von Paaren. Die Entwicklung neuer Produkte vertraut TAG-Heuer-Chef Jean-Christophe Babin stets einem Duo aus einem Design- oder Marketingexperten und einem Ingenieur an. „Die beiden teilen sich während des gesamten Projekts ein Büro, können den ganzen Tag den Fortgang der Entwicklung diskutieren und viele fachliche Probleme im Zwiegespräch lösen“, sagt Babin.
Teil 8 – Die silberne Geldklammer. Geld regiert die Welt, das war so und das bleibt so. Nur das Geld verändert seine...








