CeBIT: Klimawandel im Computer

CeBIT: Klimawandel im Computer

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Die CeBIT 2008 zeigt GreenIT

Wachsende Computerleistung treibt Stromkosten und CO2-Ausstoß der IT. Virtuelle Rechner sollen den Energiehunger drosseln.

Ein Computer ohne Stromanschluss – am Massachusetts Institute of Technology im amerikanischen Cambridge wurde der Traum vom Ökorechner im vergangenen Dezember zumindest für 20 Minuten wahr. Zehn Studenten strampelten auf Trimmrädern und trieben über Dynamos einen Linux-Rechner mit 648 Mikroprozessoren an – allein mit der Kraft ihrer Muskeln. Mit der ungewöhnlichen Aktion wollte der Hersteller Sicortex auf das Strom sparende Design seiner Rechenmaschine aufmerksam machen.

Der Stromhunger aller Computer und der gesamten IT-Infrastruktur dieser Welt lässt sich mit Trimmrädern allerdings nicht stillen. Nach Schätzungen der Stanford University verbrauchten 2005 alle Rechenzentren weltweit inzwischen 120 Millionen Megawattstunden, etwa doppelt so viel wie noch fünf Jahre zuvor. Zum Vergleich: Der weltweit größte Stromfresser, die Spielerstadt Las Vegas im US-Wüstenstaat Nevada, hat einen jährlichen Stromverbrauch von 20 Millionen Megawattstunden.

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Wenn nicht gegengesteuert werde, steige der Stromverbrauch der Rechenzentren bis 2010 noch mal um 50 Prozent, warnt eine alarmierende Studie des Beratungsunternehmens Gartner. 18 Großkraftwerke wären nötig, um diesen Energiehunger zu decken – mit weitreichenden Folgen fürs Klima: Zwei Prozent des weltweiten Kohlendioxidausstoßes gehen auf das Konto von Informationstechnik, errechnete die Umweltorganisation WWF im vergangenen Jahr. Die Server genannten Hochleistungscomputer in den Rechenzentren steuern gut ein Drittel bei. Kleinvieh macht dabei auch Mist: Bei jeder Suchanfrage blasen die Google-Server geschätzte vier Gramm CO2 in die Luft – und das bei mehreren Hundert Millionen Abfragen pro Tag.

Weil Stromverbrauch, Energiekosten und CO2-Ausstoß in den weltweiten Rechenzentren geradezu explodieren sind Computerhersteller und Kunden gleichermaßen aufgeschreckt – „Green IT“ ist laut den Marktforschern von Gartner derzeit Thema Nummer eins in der IT-Welt und ab kommendem Dienstag eines der großen Themen auf der Cebit. Das Thema Ökologie eignet sich sogar für Werbeaktionen: Die Deutsche Telekom wirbt auf Plakaten mit dem Slogan „Server, die Grünzeug fressen?“ für ihr mit Biogas betriebenes neues Rechenzentrum nahe München.

Das schlechte Umweltgewissen ist keineswegs der einzige Grund, warum der Stromverbrauch so schlagartig ins Bewusstsein gerückt ist. Die Branche hat vielmehr Sorge, dass den Kunden die Energiekosten für die Rechner und für deren Kühlung über den Kopf wachsen. Die EU-Studie Efficient Server hat errechnet, dass sich die Stromkosten der Rechenzentren in der EU 2006 auf sechs Milliarden Euro summierten und 2011 voraussichtlich bereits den doppelten Betrag verschlingen.

Die Kostenexplosion zeigt sich auch an anderer Stelle: Nach einer Hochrechnung des Marktforschers IDC überstiegen die Betriebskosten der Computer im vergangenen Jahr erstmals deren Anschaffungspreis. Bereits 2009 könnten die Kosten für den Betrieb eines Rechenzentrums mehr als doppelt so hoch sein wie die für die Hardware.

„Die IT befindet sich in der ökologischen und ökonomischen Zwickmühle. Einerseits muss sie leistungsfähiger werden. Das führt zu höheren CO2-Emission. Andererseits muss der CO2-Ausstoß sowohl innerhalb als auch außerhalb des Rechenzentrums reduziert werden“, so Marcus Eul, Partner bei A.T. Kearney und Experte für strategisches IT-Management, Mitte Februar bei der Vorstellung der Studie „Von Green-IT zu Green Business“.

Der Teufelskreis aus steigender Rechnerleistung und wachsendem Stromhunger wird sich in den kommenden Jahren kaum durchbrechen lassen. Umso wichtiger ist es, die vorhandenen Ressourcen möglichst effektiv einzusetzen. Und da liegt vieles im Argen. Denn bisher wird die vorhandene Infrastruktur erschreckend ineffizient genutzt: Gängige Windows-Server sind nur zu 10 bis 20 Prozent ausgelastet, bei Linux-Maschinen sind es etwa 25 Prozent.

Festplatten sind nur zu 40 Prozent gefüllt, möglich wären über 80 Prozent, doch der Wert wird selten erreicht. „Zu viele Unternehmen kaufen nach dem Motto „Eine Anwendung, ein Rechner, eine Festplatte“, weiß Rolf Kersten, Produktmanager für Server beim Computerhersteller Sun Microsystems. In den Rechenzentren stapeln sich so Hunderte Computer, die jeweils nur eine Anwendung ausführen, meist im Leerlauf sind, aber dennoch Strom verbrauchen.

„Bei uns langweilt sich kein Server“, widerspricht Jörg Hennig, Bereichsleiter Infrastruktur des Internet-Dienstleisters 1&1, Heimat eines Drittels aller deutschen Web-Seiten. Auch Hennig kennt den Wunsch vieler Kunden, ihren Web-Shop exklusiv auf einem Rechner laufen zu lassen – bei 40.000 Server-Kunden ein frommer Wunsch.

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