CeBIT: Klimawandel unterm Hermesturm

CeBIT: Klimawandel unterm Hermesturm

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Blick in die Halle 2 auf dem CeBIT-Messeglände

Nach zwei frühlingshaft sonnigen Messetagen bestimmen endlich wieder Nebel, Niesel und Kälte das Klima auf der CeBIT. Dafür scheint sich die Laune in den Hallen aufzuheitern. WirtschaftsWoche-Redakteur Thomas Kuhn hat sich unterm Hermesturm umgehört und ist auf durchweg zufriedene Aussteller gestoßen.

Es ist brechend voll in Halle 2. Auf dem Messestand von IBM drängeln sich die Besucher. „Sieht das nach Krise aus?“, fragt Martin Jetter, Deutschland-Chef von Big Blue. Die Antwort gibt er gleich selbst: „Für uns läuft es bestens!“ Sein Maßstab: die so genannten Leads, der Aussteller-Jargon für Besucher, die mit konkretem Informations- oder Beratungsinteresse auf dem Stand von IBM vorbeischauen. Die Zahl der Leads liege etwa auf Vorjahresniveau, die die Qualität der Gespräche deutlich darüber. „Wir sollten endlich mal damit aufhören, die Messe kleinzureden.“

Keine Frage, in vielen Hallen kaschieren Stellwände und raumhohe Vorhänge mehr schlecht als recht, die fehlenden Stände. Auffällig viele Sitzecken und Grünpflanzen sollen die Lücken füllen, eher „luftig“ gehaltene Gemeinschaftsstände Freiflächen belegen. Für Messe-Chef Ernst Raue kam der Einbruch bei den Ausstellern zu spät, um bei der Hallenbelegung noch reagieren zu können. „Bis November lief es bestens und wir haben die Messe entsprechend der Nachfrage durchgeplant, dann war schlagartig Schluss und wir waren in der Vorbereitung so weit fortgeschritten, dass wir keine Hallen mehr 'rausnehmen konnten.“

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Gerade zu CeBIT-Beginn – fast schon traditionell war die Besucherresonanz am ersten Messetag eher schwach – fielen die Lücken fast schon schmerzlich ins Auge. Spätestens seit gestern aber sorgt der anschwellende Besucherstrom nicht nur bei IBM für wesentlich besser gefüllte Hallen. Wie etwa in Halle 6, im sogenannten Webciety-Forum, jenem Messebereich, der sich – erstmals in diesem Jahr – mit der Digitalisierung von Gesellschaft und Alltag befasst, herrscht Gedränge und Geschiebe zwischen den Ständen und vor der Diskussionsbühne. Dabei hat die Messe das neue Forum ganz in den hinteren Bereich der Halle 6 platziert – zentral ist anders.

Gute Resonanz

Und dennoch: „Die Resonanz ist klasse“, fasst Wolf Ingomar Faeks, der Deutschland-Chef des Technologie-Beraters und -Integrators Sapient seinen Eindruck der ersten Messetage zusammen. Sapient ist einer der Messeneulinge, der – gegen den Trend – erstmals mit einem größeren Stand in Hannover vertreten ist. „Hier hinten ist den ganzen Tag volles Haus.“

Nicht anders sieht es ein paar Hallen weiter bei der Datev aus. „Für uns ist die Messe sehr ordentlich angelaufen“, freut sich Stefan Schröder, Leiter der Entwicklung Rechnungswesen beim Technologie-Dienstleister aus Nürnberg. Der Stand sei voll, das Interesse der Besucher nicht minder: „Von Messe-Krise ist bei uns wirklich nichts zu spüren“, freut er sich.

Mein Messerundgang in Sachen – keineswegs repräsentativer – Messestimmung endet in Halle 13 beim Aachener Spezialisten für Netzwerktechnik Lancom. Und auch bei Lancom, einem der beiden überlebenden Zweige des einstigen Aachener Kommunikationselektronik-Herstellers Elsa, und Spezialist für Netzwerk-Infrastruktur in Unternehmen, herrscht Optimismus, dass sich der Sechs-Tage-Trip aus dem Rheinland nach Niedersachsen lohnen wird: „Nachdem der Andrang am ersten Messetag noch verhalten war, herrscht bei uns inzwischen Andrang wie zu besten Cebit-Zeiten“, freut sich Lancom-Chef Ralf Koenzen über den Klimawandel unterm Hermesturm. „Dass in diesem Jahr deutlich weniger Stickersammler auf der Messe unterwegs sind, mag die Besucherzahl drücken, uns kommt es nur gelegen.“

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