Apple gegen das FBI: Der Zoff um die Sicherheit trifft deutsche Firmen

Apple gegen das FBI: Der Zoff um die Sicherheit trifft deutsche Firmen

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Apple-Chef Tim Cook.

von Thomas Stölzel, Jürgen Berke, Matthias Hohensee, Stefan Hajek und Thomas Kuhn

Der Streit zwischen FBI und Apple betrifft auch die deutsche Wirtschaft. Die sucht aus Sorge um Geschäftsgeheimnisse schon nach Alternativen.

Die Kollegen in São Paulo haben Anfang März vergeblich auf Facebook-Manager Diego Dzodan gewartet. Statt ins Büro zu kommen, landete der Lateinamerika-Chef des Social-Media-Riesen, der bis vor wenigen Monaten für die Software AG in Darmstadt gearbeitet hat, in einer Zelle der brasilianischen Bundespolizei. Die hat ihn auf dem Flughafen Guarulhos bei der Einreise abgefangen.

Der Grund: Facebook soll seit mehr als einem Monat mehrere Gerichtsentscheide ignorieren. Sie verpflichten den Konzern, der Polizei Zugriff auf Chats von Drogendealern auf der Tochterplattform WhatsApp zu gewähren. 

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Die Methoden werden rauer, mit denen sich Sicherheitsbehörden global Zugang zu Daten von Terroristen, Drogenbossen und Kleinkriminellen verschaffen wollen. So zerren auch Ermittler in den USA Facebook derzeit vor Gericht, um Zugriff zu WhatsApp-Konversationen zu bekommen.

Wo Ihre Gespräche und Nachrichten sicher sind

  • Gut

    Am sichersten sind Ihre Gespräche und Nachrichten bei:

    • Blackberry protected
    • Facetime
    • iMessage

    Kriterien: Ende-zu-Ende-Verschlüsselung vorhanden? Kann Anbieter Inhalt einsehen?
    Quelle: EFF

  • Mittelmäßig

    Hier bekommen Sie mittelmäßige Sicherheit:

    • Blackberry Messenger
    • Google Hangout
    • Facebook Messenger
    • Skype
    • SnapChat
    • WhatsApp
    • Yahoo Messenger
  • Schlecht

    Am unsichersten sind Gespräche und Nachrichten bei:

    • Telefon
    • SMS

Und mit Apple befindet sich der immerhin wertvollster Konzern der Welt seit mehr als fünf Wochen in einem schmutzigen Schlagabtausch mit den ihrerseits mächtigsten Strafverfolgern der Welt, der US-Bundespolizei FBI. Die fordern von Apple, für sie eine Hintertür in ein verschlüsseltes iPhone 5C aufzustoßen. Es gehörte dem islamistischen Terroristen Syed Farook, der im Dezember im kalifornischen San Bernardino 14 Menschen erschoss. Am 22. März findet im kalifornischen Riverside nun eine mit Spannung erwartete Anhörung zu dem Streit statt.

Besonders die US-Behörden nutzen solche Fälle nur zu gern. Sie wollen so die Sicherheitsbarrieren durchlöchern, die praktisch alle IT-Unternehmen in den vergangenen Jahren zum Schutz ihrer Nutzer errichtet haben. Die Ermittler versuchen mit der Furcht vor Anschlägen Meinung zu machen. Was zu funktionieren scheint: Die Mehrheit der Amerikaner schlägt sich laut einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsunternehmens Morning Consult inzwischen auf die Seite des FBI.

Die Taktik hat auch für Deutschland Folgen. Denn bei Konzernen wie Mittelständlern gleichermaßen wächst die Sorge, verschlüsselte Geschäftsgeheimnisse auf Firmenhandys und Cloud-Servern könnten nicht mehr sicher sein, sollten sich ausländische Ermittler durch Hintertüren beliebig Zugang verschaffen können.

„Mittlerweile spielen Datenschutz und Datensicherheit in jedem Gespräch mit Kunden und Partnern eine zentrale Rolle – sei es bei Cloud-Angeboten, sei es bei Industrie 4.0“, sagt Bernd Leukert, Vorstand für Produkte und Innovation beim Softwareriesen SAP.

Und so wird, wenn sich die Elektronikbranche ab kommendem Montag in Hannover zur Computermesse Cebit trifft, die Spitzelsicherheit von IT-Angeboten eines der wichtigsten Messethemen sein.

Selbst in der Regierung von Barack Obama werden die Stimmen derer immer lauter, die es für keine gute Idee halten, so die Datensicherheit zu unterhöhlen. Doch die Strafermittler handeln aus purer Verzweiflung. Immer häufiger scheitern sie an den Verschlüsselungsverfahren. Wollten FBI, NSA und Co. neue iPhones knacken, indem sie alle Varianten des bis zu acht Buchstaben und Zahlen langen Zugangscodes durchprobierten, benötigten sie 7152 Jahre – weil Apple zwischen zwei Passworteingaben 80 Millisekunden verstreichen lässt. Wer seine Daten noch besser schützen will, aktiviert die Option, dass sich das Gerät nach zehn Falscheingaben kurzerhand selbst löscht.

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