Big Data: Röntgengerät für die IT

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Big Data: Röntgengerät für die IT

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Die Analyse von Big Data ist ein stark Wachsender Markt, aber nur wenige deutsche Unternehmen sind bisher beteiligt

von Matthias Hohensee und Michael Kroker

Die neue blitzschnelle Analyse gigantischer Datenmengen eröffnet IT-Unternehmen riesige Chancen. Neben Granden wie IBM, Oracle oder SAP gibt es dies- und jenseits des Atlantiks auch einige kleine, aber feine Profiteure des Datenbooms.

Dass er in der Lage ist, die Extra-Meile zu gehen, beweist Godfrey Sullivan mit seinem ungewöhnlichen Hobby: Seit zwei Jahrzehnten frönt der 60-Jährige der Sportart „Ride and Tie“, einer selbst in seiner Heimat USA eher seltenen Freizeitbetätigung: Bei ihr wechseln sich zwei Menschen in einem Langstreckenrennen beim Ausdauer-Reiten mit einem Pferd ab – und das im Gelände. Der nicht reitende Partner joggt dabei neben- oder hinterher. „Nach 30 oder 40 Meilen weiß man, wie sehr man von seinem Team abhängig ist“, sagt Sullivan.

Gut möglich, dass ihm diese Erfahrung auch im Job hilft. Dabei benötigt er nämlich ebenfalls ausreichend Durchhaltevermögen. Sullivan ist Vorstandschef von Splunk, einem erst zehn Jahre alten Anbieter von Software zur schnellen Analyse riesiger Datenmengen. Das Unternehmen aus San Francisco hat sich spezialisiert auf die Durchforstung aller Arten von Maschinendaten, egal, ob von Großrechnern, Smartphones, Tablets, PCs oder Web-Servern. Damit können Unternehmen zum Beispiel schneller und genauer Probleme diagnostizieren – vom Netzausfall beim Mobilfunk bis zum schiefgelaufenen Bestellvorgang im Online-Handel. „Splunk ist sozusagen ein Röntgengerät für die IT-Systeme von Unternehmen“, sagt Sullivan im Interview mit der WirtschaftsWoche.

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Datenanalysen sind deutlich schneller geworden

Dieses Big Data genannte Geschäft ist aktuell einer der wichtigsten Treiber der IT-Branche. Grund sind die allerorten explodierenden Datenmengen – sei es aufgrund der rasenden Verbreitung von Mobilgeräten wie Smartphones und Tablets, sei es wegen der immer stärkeren Verlagerung von Diensten ins Internet, Neudeutsch Cloud Computing.

Befeuert wird der Big-Data-Boom zudem durch einige wichtige technologische Fortschritte in den vergangenen Jahren. So sorgt eine neuartige Technologie namens In Memory dafür, dass die schnelle Analyse von gigantischen Datenmengen gegenüber früher um den Faktor 1000 und mehr beschleunigt wird.

Dies ist möglich, weil die Rechner alle Daten komplett im Hauptspeicher bearbeiten, statt für jede Rechenoperation den langsameren Umweg über die Festplatte nehmen zu müssen. Die Folge: Analysen selbst größter Datenbanken mit einer Größe von einem Terabyte – das sind eine Billion Byte – oder mehr benötigen nur wenige Sekunden statt einiger Stunden. Dadurch können Unternehmen Big-Data-Anfragen fast in Echtzeit durchführen.

Big Data, Big Business

Big Data, Big Business. Weltweite Umsätze und Wachstum im Geschäft mit Hard- und Software zur Datenanalyse

Auf diesem Wachstumsmarkt machen sich bereits Konzerne wie IBM, Oracle, Hewlett-Packard oder SAP breit. Jenseits dieser Granden der IT-Welt gibt es aber auch einige kleinere Profiteure des Datenbooms. Dazu zählen hierzulande eher unter dem Radar fliegende Hidden Champions wie Splunk oder Teradata aus den USA, aber auch deutsche Anbieter wie die Software AG aus Darmstadt oder Exasol aus Nürnberg.

Sie alle buhlen um Kunden in einem Markt, der nach einer Prognose des amerikanischen IT-Marktforschers IDC in diesem Jahr erstmals die Schwelle von 15 Milliarden Dollar überschreiten soll. Mindestens bis 2017 wächst das Geschäft jährlich weiter mit Steigerungsraten oberhalb von 25 Prozent und wird sich bis dahin auf 32 Milliarden Dollar mehr als verdoppeln, so die Erwartung von IDC (siehe Grafik).

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