Cebit 2016: Das Internet wird zur Telefonzentrale

Cebit 2016: Das Internet wird zur Telefonzentrale

von Thomas Kuhn

Telekom-Riesen und Startups wollen Bürotelefon, Handy, Chat-Messenger und Videokonferenztechnik im Netz verschmelzen. Im zweiten Anlauf soll das endlich gelingen.

Die Sache ist, ehrlich gesagt, ein großer Murks. Ob moderne, vernetzte Managerin, ob moderner mobile Mitarbeiter: Wer die Klaviatur digitaler Zusammenarbeit virtuos nutzen will, verhaspelt sich allzu leicht in den Tücken konkurrierender Kommunikationswege. Smartphone und Bürotelefon haben unterschiedliche Anrufbeantworter, Adressbücher in PC, Schreibtischtelefon oder Handy sind nicht synchronisiert. Die Zugänge zu Instant-Messaging-Diensten, Telefon- oder Videokonferenzsystemen sind nicht einheitlich, die Passwörter ständig verlegt.

Die moderne Kommunikation könnte so schön sein, ist aber für viele ein großes Leiden.

Anzeige

Den Ausweg aus dem Dilemma gibt es längst. Schon vor gut einem halben Jahrzehnt verfielen Technikpioniere auf die Idee, Schreibtischtelefone, Handys und E-Mail-Systeme mithilfe sogenannter IP-Telefonanlagen im Netz zusammenzuschalten - und warben auf der Cebit 2010 vehement für die IP-Centrex genannte Technik. Kommunikationskonzerne aber auch Startups versuchten Angebote wie DeutschlandLAN (Deutsche Telekom) oder OfficeNet (Vodafone) an die Kunden zu bringen.

Die, so das Versprechen, sollten nicht bloß die traditionellen Telefonanlagen in Büros überflüssig machen, sondern unter anderem auch Mobiltelefone in die internen Nummernpläne integrieren, die Erreichbarkeit von Mitarbeitern unter einer Rufnummer ermöglichen (egal, ob die gerade im Büro oder unterwegs sind), und kostenlose interne Gespräche zwischen Fest- und Mobiltelefon ermöglichen.

Cebit 2016 "Druckbetankung in digitaler Transformation"

Die heute in Hannover startende IT-Messe Cebit will nicht mehr nur die neuesten Computertrends abbilden, sondern sieht sich als Leitmesse für die allumfassende Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft.

Die Cebit will nicht mehr nur die neuesten Computertrends abbilden. Sie sieht sich als Leitmesse für die allumfassende Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft. Quelle: dpa

In der Praxis hielt sich die Begeisterung der Kundschaft in überschaubaren Grenzen. Und zwar nicht bloß, weil viele der möglichen Nutzer noch über Jahre in den Serviceverträgen ihrer Anlagenlieferanten wie Siemens, Alcatel oder Bosch gefangen waren. Fehlende Bandbreite bei den Online-Anschlüssen, über die die neuen Endgeräte für die internetgestützte Telefonie ihre Verbindung aufbauen sollten, sorgten für Gesprächsabbrüche. Die (teils erforderlichen) Apps für den Zugriff auf die Technik von Smartphones aus waren mitunter nicht stabil oder sie verbrauchten die Datenguthaben am Handy all zu schnell.

Kein Wunder, dass weder DeutschlandLAN noch OfficeNet in den Folgejahren allzu offensiv beworben wurden. Allenfalls aufmerksamen Beobachtern fiel auf, dass beide großen Netzbetreiber die entsprechenden Dienste überhaupt noch im Angebot hatten.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%