Cebit 2016: "Druckbetankung in digitaler Transformation"

Cebit 2016: "Druckbetankung in digitaler Transformation"

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Die Cebit will nicht mehr nur die neuesten Computertrends abbilden. Sie sieht sich als Leitmesse für die allumfassende Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft.

von Michael Kroker

Die heute in Hannover startende IT-Messe Cebit will nicht mehr nur die neuesten Computertrends abbilden, sondern sieht sich als Leitmesse für die allumfassende Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft.

Die – immer noch – weltgrößte Computermesse Cebit, die am Montag in Hannover ihre Pforten öffnet, begeht in diesem Jahr ihr 30-jähriges Jubiläum als eigenständige Veranstaltung. 1986 wurde sie erstmalig separat neben der Hannover Messe ausgetragen. Heute würde man Neudeutsch sagen: die IT-Messe als Spin-off der Industrieveranstaltung, aus der sie einst als Sonderausstellung in Halle 1 hervorging.

Seitdem hat die Cebit alle Höhen und Tiefen der Branchen durchlebt: die PC-Revolution Ende der Achtziger Jahre ebenso wie die Internet-Revolution Ende der Neunziger und die Mobil-Revolution Ende der Nuller Jahre. Parallel dazu hat der Veranstalter Deutsche Messe AG über die Jahre so manche Strategieschwenks vollzogen – mal unter Einbeziehung des Endkunden, dann wieder mit Fokus nur auf IT-Spezialisten und Unternehmens-Anwender.

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Inzwischen lautet aber das alles überstrahlende Mega-Thema digitale Transformation, also die Digitalisierung aller Prozesse im Unternehmen, angefangen bei der intelligenten Vernetzung von Maschinen in der Fertigung über Sensoren in den Endprodukten bis hin zu komplexen Tools zur Analyse der ständig anfallenden und immer größer werdenden Datenmengen.

Unter anderem aus diesem Grund hört man bei den Cebit-Verantwortlichen das Wort "IT" – oder, noch schlimmer, weil so nach "Neunziger Jahre" klingend – das Wort "Computermesse" heute gar nicht mehr so gerne. Viel lieber möchte die Deutsche Messe ihr lange Zeit erfolgreiches, aber in den letzten Jahren doch ein wenig strauchelndes und unter Druck geratenes Lieblingskind noch einmal neu erfinden.

Die Digitalisierung sei das Top-Thema der Cebit, verkündete Messe-Chef Oliver Frese in einem Interview vor dem Veranstaltungsstart. Und bei ihrer Eröffnungspressekonferenz am Sonntag übten sich der ITK-Branchenverband Bitkom – der wiederum den Messebeirat der Messe mit Vertretern der Aussteller-Firmen besetzt – und die Cebit-Führung im demonstrativen Schulterschluss, vertreten durch Bitkom-Geschäftsführer Bernhard Rohleder sowie Messe-Vorstand Frese.

Cebit 2016 Wenn der Gürtel vorm Kaufrausch schützt

Die Cebit verzichtet angesichts ohnehin sinkender Besucherzahlen auf Nerds und konzentriert sich auf Geschäftskunden. Neben Industrie 4.0 bleibt dennoch Platz für Gadgets – etwa schlaue Gürtel und kalorienzählende Shirts.

Ein beleuchtetes Hintergrundplakat hängt am 11.03.2016 auf dem Messegelände der CeBIT in Hannover. Quelle: dpa

"Die CeBIT will die weltweit wichtigste Messe für Cloud Computing sein", verkündete Deutsche-Messe-Chef Frese. Immerhin: Es ist ihm im November 2015 nach zähen Verhandlungen gelungen, den weltweiten Cloud-Primus Salesforce als gewichtigen Partner an Bord zu holen, der unter anderem zwei komplette Messehallen auf der CeBIT anmietet. Vergleichbare Pläne gab es bereits 2013, diese scheiterten aber unter anderem am Gegenwind des deutschen Salesforce-Konkurrenten SAP.

Neben ordentlichem Umsatz in den Kassen der Deutschen Messe dürften die Amerikaner bei einem weiteren Ziel helfen, das sich die Cebit auf die Fahne geschrieben hat: "Wir wollen den disruptiven Geist des Silicon Valley in Hannover haben", beteuerte Rohleder gestern. Ein solcher Spirit, so hofft der Bitkom-Chef, könne dann auch den hiesigen Firmen Beine machen: Zwar hätten die meisten Unternehmen inzwischen erkannt, dass sie sich digitalisieren müssten – es hake aber oft noch an der Umsetzung.

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Und genau hier wolle könne die Messe ansetzen: „Die Cebit ist Druckbetankung in digitaler Transformation für Unternehmen in fünf Tagen“, so Rohleder. Die scheint in der Tat mehr als nötig: Laut einer vom Bitkom durchgeführten und gestern vorgestellten Umfrage nutzen acht von zehn deutschen Unternehmen immer noch häufig das Faxgerät zur Kommunikation, nur halb so viele setzen Online- oder Videokonferenzen ein – und sogar nur 15 Prozent Soziale Netzwerke.

Der Weg in die schöne neue Digitalwelt ist also noch weit - insbesondere für die deutschen Unternehmen.

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