Cloud Computing: Darum drängen alle IT-Giganten in die deutsche Wolke

Cloud Computing: Darum drängen alle IT-Giganten in die deutsche Wolke

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Obwohl die Cloud wächst, wollen deutsche Unternehmen ihre Daten nicht in amerikanischen Rechenzentren unterbringen.

von Michael Kroker

Ob Amazon, Oracle, IBM oder VMWare: Immer mehr amerikanische IT-Anbieter eröffnen eigene Rechenzentren in Deutschland. Warum das ein geschickter Zug ist und welchen Bedürfnissen die IT-Giganten damit nachkommen.

Der Cloud-Markt in Deutschland bleibt in Bewegung. Erst Ende Oktober des vergangenen Jahres hatte der amerikanische E-Commerce-Riese Amazon ein eigenes Rechenzentrum in Deutschland eröffnet. Seitdem bedient die Cloud-Sparte Amazon Web Services (AWS) ihre Kunden von Frankfurt aus.

Amazons Cloud-Lösung: AWS

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„AWS ist in Deutschland bereits seit 2006 sehr stark gewachsen“, sagt Martin Geier, AWS-Geschäftsführer in Deutschland. „Doch seit dem Start unseres eigenen Rechenzentrums in Frankfurt hat das Wachstum sogar noch einmal zugelegt.“ So zählen inzwischen unter anderem Berliner Startups wie der Musik-Streaming-Dienst SoundCloud oder die Foto-App EyeEm zu den Amazon-Kunden; dem stehen Großkunden wie Kärcher, Bayer oder Axel Springer gegenüber.

Damit ist Amazon Vorreiter einer Welle, die seit wenigen Monaten insbesondere amerikanische Cloud-Anbieter bei ihren Deutschland-Plänen antreibt. Lange galt im Cloud Computing das Gebot, dass für die Bereitstellung von Softwareangeboten per Internet-Zugriff der Standort der dazu notwendigen Rechenzentren mehr oder weniger egal sei. Schließlich benötigen die Kunden für die Nutzung solcher Dienste bloß eine Internet-Verbindung und einen Browser.

Datenschutz

Dies hat sich mit der durch den ehemaligen NSA-Mitarbeiter Edward Snowden losgetretenen Schnüffelaffäre durch amerikanische und britische Geheimdienste grundlegend geändert: Insbesondere vielen deutschen Unternehmen bereitete es lange Zeit großes Unbehagen, dass der Großteil der amerikanischen Cloud-Anbieter den europäischen Markt über Rechenzentren in Irland und den Niederlanden versorgt.

Vor- und Nachteile des Cloud Computing

  • Kosten

    Wenn ein Unternehmen seine Kundendatenbank nicht im eigenen Rechenzentrum pflegt, sondern einen Online-Dienst wie Salesforce.com nutzt, spart es sich Investitionen in die Infrastruktur. Die Abrechnung erfolgt außerdem zumeist gestaffelt, zum Beispiel nach Nutzerzahl oder Speicherverbrauch. Geschäftskunden erhoffen sich dadurch deutliche Kosteneinsparungen.

  • Skalierbarkeit

    Wer Speicherplatz im Netz mietet, kann flexibel auf die Nachfrage reagieren und den Bedarf unkompliziert und schnell erhöhen oder versenken. Wenn beispielsweise ein Startup rasant wächst, fährt es einfach die Kapazitäten hoch. Somit fallen auch niedrige Fixkosten an.

  • Einfachheit

    Die Installation auf den eigenen Rechnern entfällt. Damit lässt sich ein neues System äußerst schnell einführen. Auch die Updates bereiten keine Probleme mehr, somit sinkt der Administrationsaufwand. Allerdings lassen sich die Cloud-Dienste in der Regel auch nicht so individuell konfigurieren.

  • Ortsunabhängigkeit

    Zur Nutzung der Cloud-Dienste benötigen Mitarbeiter lediglich einen Internetanschluss – unabhängig von ihrem Aufenthaltsort und dem Gerät, das sie nutzen.

  • Sicherheit

    Die Daten-Dienstleister werben damit, dass sie sich intensiver mit der IT-Sicherheit beschäftigen als einzelne Nutzer oder Unternehmen. Allerdings sind die Rechenzentren der Cloud-Anbieter aufgrund der großen Datenmenge auch ein attraktives Ziel für Angriffe von Hackern. Zudem ist von außen schwer nachzuvollziehen, ob der Anbieter die Daten ausreichend vor den eigenen Mitarbeitern schützt. Die Auslagerung bedeutet somit einen Kontrollverlust.

  • Abhängigkeit

    Viele Unternehmen sind von ihrem Dienstleister abhängig, weil sie nicht ohne weiteres zu einem anderen Anbieter wechseln können. Das liegt etwa daran, dass sie ihre Systeme aufwendig an die Schnittstellen anpassen müssen. Auch Nutzer haben oft Schwierigkeit, wenn sie mit ihren Daten den Anbieter wechseln wollen. Eine weitere Frage: Was ist, wenn der Betreiber eines Dienstes pleite geht? Erst wenn es Standards gibt, die den Wechsel von einem zum anderen Dienstleister ermöglichen, sinkt die Abhängigkeit.

Der Druck aus dem Markt sorgt nun dafür, dass immer mehr amerikanische Cloud-Anbieter eigene Rechenzentren in Deutschland eröffnen – und so auf die Sicherheitsbedenken der hiesigen Unternehmen reagieren. „Das AWS-Rechenzentrum in Frankfurt hat den deutschen Cloud-Markt beflügelt“, sagt auch René Büst, Analyst beim IT-Consultingunternehmen Crisp Research mit Sitz in Kassel.

Oracle Cloud

So wie etwa Oracle: Der amerikanische Anbieter von Unternehmenssoftware und SAP-Konkurrent hat sein hiesiges Engagement sogar noch vor Amazon angekündigt. Vor gut einem Jahr veröffentlichte Oracle den Plan, zwei Cloud-Rechenzentren in Deutschland eröffnen zu wollen, und zwar in Frankfurt und in München. Konkrete Namen von Kunden wollte der Anbieter auf Anfrage nicht nennen, beteuerte aber: „Die Rechenzentren sind in Betrieb und hosten bereits die ersten Kunden“, so Hakan Yüksel, Applications Sales Director von Oracle Deutschland.

IBM

Erzrivale IBM wiederum hat Ende des vergangenen Jahres in Frankfurt ein zweites Cloud-Rechenzentrum eröffnet. Es ist Teil der Investitionen in Höhe von 1,2 Milliarden US-Dollar, mit der IBM seine weltweite Cloud-Präsenz und ihr Cloud-Angebot ausbaut. Mit Frankfurt, Amsterdam, London, Paris und Mailand betreibt IBM nun fünf Rechenzentren in Europa.

Top 10 der Softwareunternehmen nach Umsatz 2013

  • Salesforce.com

    Umsatz: 3,8 Milliarden Dollar

    Wachstum: 33,3 Prozent (gegenüber dem Vorjahr)

    Quelle: Gartner, März 2014

  • CA Technologies

    Umsatz: 4,2 Milliarden Dollar

    Wachstum: -2,6 Prozent

  • VMware

    Umsatz: 4,8 Milliarden Dollar

    Wachstum: 14,1 Prozent

  • HP

    Umsatz: 4,9 Milliarden Dollar

    Wachstum: -2,7 Prozent

  • EMC

    Umsatz: 5,6 Milliarden Dollar

    Wachstum: 4,9 Prozent

  • Symantec

    Umsatz: 6,4 Milliarden Dollar

    Wachstum: -0,8 Prozent

  • SAP

    Umsatz: 18,5 Milliarden Dollar

    Wachstum: 9,5 Prozent

  • IBM

    Umsatz: 29,1 Milliarden Dollar

    Wachstum: 1,4 Prozent

  • Oracle

    Umsatz: 29,6 Milliarden Dollar

    Wachstum: 3,4 Prozent

  • Microsoft

    Umsatz: 65,7 Milliarden Dollar

    Wachstum: 6,0 Prozent

VMWare

Auf der diesjährigen CeBIT hat zudem der US-Anbieter VMWare die Verfügbarkeit seines deutschen Rechenzentrums offiziell vorgestellt. VMWare ist spezialisiert auf Software im Bereich der Virtualisierung, das bedeutet: Ein Server-Computer wird mittels VMWare in mehrere parallel laufende virtuelle Rechner aufgeteilt. Unternehmenskunden können ihre Hardware dadurch effizienter einsetzen.

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