Hannover Messe: Wie das Internet der Dinge den Maschinenbau revolutioniert

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Hannover Messe: Wie das Internet der Dinge den Maschinenbau revolutioniert

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Nicht ohne meine Daten: Produkte senden ihre Kennung automatisch ins System und führen sich selbst durch Fertigung und Versand

von Lothar Schnitzler und Matthias Hohensee

Auf der Hannover Messe ist es das große Thema: das Internet der Dinge. Teile, die wissen, wo sie eingebaut werden müssen. Werkzeuge, die vor dem eigenen Verfallsdatum warnen. Ein Besuch bei Unternehmen, in denen die vierte industrielle Revolution begonnen hat.

Da stehen sie, sauber aufgereiht in blauen Kisten, die Gussstücke, aus denen Einspritzdüsen für Dieselmotoren werden sollen. Ein halbes Dutzend dieser Kisten steht auf den hüfthohen Rollwagen, vor der Schleuse zum Reinraum, wo die Rohlinge mit Ventilen und anderen Teilen bestückt werden: Alltag in der Halle Ho202 des Bosch-Werks für Motorenteile in Homburg an der Saar.

Kleine Plastikkarten führen die Kisten und ihren Inhalt präzise durch die Produktion. Es sind sogenannte RFID-Chips, die in die Karten integriert sind. „Hier kann nichts verloren gehen“, sagt Andreas Müller, der die Einführung von RFID in der Logistik des Technologiekonzerns Bosch verantwortet.

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Die Abkürzung RFID steht für „radio-frequency identification“ – auf Deutsch, Identifizierung über Funkwellen – und braucht anders als die gängigen optischen Systeme wie Strichcodes kein zusätzliches Lesegerät. RFID-Codes funken ihre Botschaft von allein an den Empfänger. Die kleinen blauen Kästen fahren an einem sogenannten Gate vorbei, wo die Ladung registriert wird. Aufgrund der Nummer der Chips stehen vor Ort alle Anweisungen über die Bearbeitung zur Verfügung, ebenso wie die Informationen über Bestimmungsort und den Motor, zu dem sie gehören.

Prognose des weltweiten mobilen Datenvolumens

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Die unspektakulären Chips sind der erste Schritt in eine Zukunft, die unser Leben gravierend verändern könnte. Im saarländischen Bosch-Werk ist heute schon sichtbar, was auf die Industriegesellschaft zukommt. Industrie 4.0 oder Internet der Dinge heißen die neuen Zauberwörter hierzulande, in den angelsächsischen Ländern wird von Industrial Internet oder Cyber-Physical Systems gesprochen. Für die Hannover Messe, die diese Woche startet, ist „Integrated Industry“ in diesem Jahr das Leitmotiv. Auch in der Politik ist das Thema angekommen. Bundeskanzlerin Angela Merkel betonte im März auf der Computermesse Cebit: „Das Internet hat sich in der realen Industriewelt eingenistet.“

In den Neunzigerjahren veränderten E-Mails und die Möglichkeit des Datenaustauschs im Büro die Arbeitswelt. Nach der Jahrtausendwende kamen die sozialen Netzwerke wie Facebook oder Xing dazu. Doch im Vergleich zum Internet der Dinge sind die Auswirkungen von Web 2.0 und E-Mail-Verkehr harmlos. Bei beiden Schritten ging es darum, zwischen Menschen Informationen auszutauschen – die Welt der Dinge blieb bei den wachsenden Datenströmen weitgehend außen vor.

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