IT-Sicherheit: „Man kann das Internet nicht in deutschen Grenzen einsperren“

InterviewIT-Sicherheit: „Man kann das Internet nicht in deutschen Grenzen einsperren“

von Oliver Voß

Im Interview spricht Christian Illek, Microsoft-Deutschland-Chef und Vorsitzender von „Deutschland sicher im Netz“, über die Folgen des NSA-Skandals und die Unvorsichtigkeit vieler Internetnutzer und Unternehmen.

Kürzlich sorgte der Datendiebstahl von 16 Millionen deutschen E-Mail-Konten für Aufsehen. Ist das eine neue Dimension oder wurde nur öffentlich, wie anfällig die Internetnutzer schon lange sind?

Datendiebstahl geschieht seit Jahren, doch dadurch ist das Problem noch einmal ins Bewusstsein gerufen worden. Es war daher ein guter Weckruf.

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Christian Illek, Microsoft-Deutschland-Chef und Vorsitzender von „Deutschland sicher im Netz“ Quelle: Presse

Christian Illek, Microsoft-Deutschland-Chef und Vorsitzender von „Deutschland sicher im Netz“

Bild: Presse

Lernen die Nutzer denn dazu und werden vorsichtiger?

Man sieht, dass einerseits das Vertrauen in die Datensicherheit gesunken ist. Doch wenn man sich andererseits anschaut, welche Passwörter immer noch genutzt werden ist klar, dass sich viele Menschen noch deutlich besser schützen müssen.

Was sind die wichtigsten Vorsichtsmaßnahmen, die immer noch nicht angewendet werden?

Oft wirklich so etwas grundlegendes wie sichere Passwörter. Also solche, die aus mindestens acht Zeichen bestehen, Groß- und Kleinbuchstaben, sowie Sonderzeichen und Ziffern enthalten. Dann sollte man seine Antivirensoftware und andere Programme immer auf dem neuesten Stand halten.

Unternehmen sollten dazu regelmäßig ihre Mitarbeiter über Gefahren und grundlegende Sicherheitsmaßnahmen aufklären. Außerdem werden viel zu wenig Mails verschlüsselt, gerade bei vertraulichen Informationen sollte das jedoch selbstverständlich sein.

Das ist leider technisch immer noch komplex, wann bietet Microsoft als Marktführer mit Outlook eine einfache Lösung an?

Ich spreche hier im Namen der Initiative Deutschland-Sicher-im-Netz und da äußere ich mich zu Fragen eher branchenübergreifend. Dennoch kann ich zu Microsoft sagen, dass wir bereits im Dezember angekündigt haben, unser gesamtes Serviceportfolio sukzessive mit einer starken Verschlüsselung auszustatten.

Grundsätzlich ist es aber richtig, dass die Verschlüsselung für Nutzer einfacher werden muss. Es ist eine Herausforderung für alle Unternehmen, dafür eine one-click-experience, also eine Lösung mit einem Klick anzubieten.

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Wenn man all ihren Empfehlungen folgt, schützt das auch vor der NSA?

Die NSA-Diskussion ist komplex, wir können ja auch nur spekulieren, was genau die NSA tut. Aber als Konsequenz muss es deswegen vor allem Absprachen und Vereinbarungen zwischen den Staaten geben. Und für viele Unternehmen ist eine Verstärkung ihrer Sicherheitsvorkehrungen sicher nicht von Nachteil.

Es wird auch darüber gestritten, ob die NSA auch Wirtschaftsspionage betreibt. Was denken Sie?

Ich weiß es nicht. Es wäre aber naiv anzunehmen, dass es keine Wirtschaftsspionage gibt - ob durch die NSA oder andere Einheiten. Unternehmen müssen sich daher prinzipiell vor Angriffen schützen, egal woher sie kommen. Und da gibt es sicherlich Nachholbedarf.

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Einige Politiker und Unternehmen wollen zum Schutz Daten soweit wie möglich nur noch über Netze innerhalb Deutschlands oder der EU transportieren. Eine praktikable Lösung?

Nein, das Internet ist ein globales Medium, dass man nicht so einfach in deutschen oder europäischen Grenzen einsperren kann. Das klingt vielleicht attraktiv, aber glauben Sie, dass jemand der Wirtschaftsspionage betreibt, sich davon abhalten ließe? Dann wird eben innerhalb dieses Raums versucht an die Daten zu gelangen. Was wir viel dringender benötigen ist eine europaweite Datenschutzverordnung.

Viele Nutzer kümmert die NSA-Affäre kaum, sie fühlen sich davon nicht betroffen. Was entgegnen Sie?  

Gutgläubigkeit ist nie besonders zielführend. Sie schließen ja auch ihr Haus ab, obwohl sie keine Einbrecher erwarten. Wer sich schützt ist auf der sicheren Seite.

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