Mobilität der Zukunft: Mit dem Drohnen-Taxi einfach abheben

Mobilität der Zukunft: Mit dem Drohnen-Taxi einfach abheben

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Fliegender Bayer: 500 Kilometer weit soll es der Elektroflieger von Lilium Aviation aus dem bayrischen Gilching schaffen. Marktstart: 2018.

von Andreas Menn und Oliver Voß

Stau auf dem Weg zur Arbeit? Wie schön wäre es da, einfach einen Knopf zu drücken und losfliegen zu können. Start-ups wollen mit Roboter-Fliegern die Verkehrsprobleme unserer Städte lösen.

Staus, Autounfälle, rote Ampeln – für Daniel Wiegand sind das Zumutungen, mit denen wir uns nicht mehr lange herumschlagen sollen. Wenn die Pläne des Luftfahrtingenieurs aufgehen, dann schweben Pendler bald über verstopfte Straßen hinweg. Gemeinsam mit drei Studienfreunden von der Technischen Universität München will Wiegand einen alten Traum wahr werden lassen: fliegende Autos. Dazu haben sie das Start-up Lilium Aviation gegründet und arbeiten nun im bayrischen Gilching am ersten Prototyp.

Der Lilium-Jet soll im Sommer fertig sein. Noch darf ihn kein Besucher sehen. Aber so viel verraten die vier Gründer: Der Privatflieger soll Elektroantrieb haben, Tempo 400 schaffen und schon Anfang 2018 auf den Markt kommen. „Fliegen ist die effizienteste Methode, um Menschen von A nach B zu bringen“, sagt Wiegand. Umso mehr, wenn das Fluggefährt eines Tages sogar im Vorgarten landen kann.

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Warum das plötzlich möglich erscheint? Werkstoffe sind leicht genug geworden, um fliegende Autos zu bauen; Batterien stark genug, sie anzutreiben; Computer schlau genug, sie zu lenken. Und so herrscht in der Luftfahrt Aufbruchstimmung wie zu Zeiten Charles Lindberghs, der als Erster den Atlantik überflog. Start-ups wie E-Volo aus Deutschland, Joby Aviation aus den USA oder Ehang aus China arbeiten an Helikoptern und Flugautos für jedermann. Allein bis Anfang 2018 sollen sieben neue Modelle auf den Markt kommen. Erfüllen sich ihre Pläne, sähe die viel beschworene Mobilitätsrevolution anders aus – das selbstfahrende Auto wäre schon überholt, bevor es überhaupt an den Start ging.

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Bis dahin muss allerdings noch die ein oder andere Hürde genommen werden. So groß wie die Ambitionen der Flugpioniere sind auch die Hindernisse auf dem Weg zu einem Masseneinsatz der fliegenden Autos.

Bis zur Haustür durch die Luft

Die neuen Flugpioniere konkurrieren mit ganz verschiedenen Konzepten um die Lufthoheit. Start-ups wie Carplane aus Braunschweig, Pal-V aus den Niederlanden oder Aeromobil aus der Slowakei wollen Autos und Flieger verschmelzen. Sie schweben durch die Luft wie Sportflugzeuge, klappen dann auf der Landebahn Flügel oder Propeller ein und fahren wie ein gewöhnlicher Wagen auf der Straße weiter.

„Erst wenn Sie damit auch fahren können“, sagt Pal-V-Gründer Robert Dingemanse, „verändert das die Mobilität.“ Denn es gibt zwar in Deutschland alle 38 Kilometer einen kleinen Flughafen, doch bisher müssen Privatflieger von dort mit dem Taxi weiter – wenn es denn eines gibt. „Wir lösen das Problem der letzten Meile“, verspricht John Brown, Gründer der niedersächsischen Carplane. In der zweiten Jahreshälfte soll sein Zweisitzer erstmals fliegen. Seit Monaten befindet er sich im Zulassungsverfahren beim Luftfahrt-Bundesamt. Läuft alles gut, könnte 2020 der Verkauf starten. Browns Zielgruppe: Geschäftsflieger in Russland, China oder Brasilien.

Sicherer Schrauber: Der Volocopter vom Karlsruher Start-up E-Volo fliegt auch weiter, wenn ein paar Propeller ausfallen, notfalls landet er per Fallschirm. Marktstart: 2017. (zum Vergrößern bitte anklicken)

Sicherer Schrauber: Der Volocopter vom Karlsruher Start-up E-Volo fliegt auch weiter, wenn ein paar Propeller ausfallen, notfalls landet er per Fallschirm. Marktstart: 2017. (zum Vergrößern bitte anklicken)

So praktisch Auto und Flugzeug in einem sein mögen – das Konzept hat Tücken. So müssen die Ingenieure das Vehikel einerseits möglichst leicht bauen, damit es weit fliegen kann, andererseits benötigt es schwere Bauteile wie Reifen und Getriebe, um auf der Straße zu fahren. Das Gewicht ist einer der Knackpunkte: Leichtflugzeuge dürfen je nach Klasse bis zu 750 Kilogramm wiegen. „Aber alle Flugautos, die ich kenne, liegen darüber“, sagt Brown. Etwa 100 Kilo mehr wünscht sich der Carplane-Macher von den Behörden. Sonst werde die Zulassung zu aufwendig und der Pilotenschein zu anspruchsvoll, den die Besitzer neben dem Führerschein erwerben müssen. Auch so sind Flugautos mit Preisen von 300.000 Euro und mehr ein teures Vergnügen.

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