Produktneuheiten: Mehr Telekom-Flops als -Tops 

Produktneuheiten: Mehr Telekom-Flops als -Tops 

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Auf der Cebit will Konzernchef Timotheus Höttges versuchen die Kunden von der Innovationskraft der Telekom zu überzeugen

von Jürgen Berke

Die Deutsche Telekom macht aus jeder Cebit ein Mega-Event mit einem der größten Messestände. Doch viele der Produktneuheiten der vergangenen Jahre setzten sich nicht durch. So auch in diesem Jahr?

Für die Deutsche Telekom ist die Cebit die wichtigste Messe, um Produktneuheiten und Tarifinnovationen zu verkünden. Auch dieses Jahr reist wieder der gesamte Vorstand mit dem neuen Konzernchef Timotheus Höttges an der Spitze nach Hannover, um in Halle 4 zu demonstrieren, was der Konzern seinen Privat- und Geschäftskunden so alles zu bieten hat. Das Bild eines modernen und besonders innovativen Unternehmens zu zeichnen – das steht bei der Telekom seit jeher ganz oben auf der Agenda jedes Cebit-Auftritts.

Doch in diesem Jahr ist die Telekom offenbar über das Ziel hinaus geschossen. Auf einer Preview für Pressevertreter, die traditionell im Vorfeld der Cebit stattfinden, kündigte die Telekom an, zusammen mit dem US-Softriesen Microsoft eine vollwertige TK-Anlage aus der Datenwolke (Cloud) als Weltpremiere vorzustellen. Bei einem direkten Konkurrenten stößt dies auf große Verwunderung: „Als man verkündete, dass dies nur bei der Telekom als erstem Anbieter in der Welt funktioniere, musste ich etwas stutzen“, schreibt Arnold Stender, im Topmanagement des Kölner IT-Dienstleisters QSC zuständig für die Weiterentwicklung von Produkten aus der Cloud, in einem Blog-Beitrag. „Wir können das schon lange.“

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Stender stellte einen offenen Brief an den bei Telekom für das Geschäftskunden-Marketing zuständigen Bereichsleiter Dirk Backofen auf der QSC-Webseite ins Internet und protestierte öffentlich: „Wären Sie bei Ihrem Rundgang auf der Cebit 2013 doch mal an unserem Stand gewesen. Sie hätten schon vor einem Jahr Ihre Weltpremiere bei uns in Form der QSC-tengo-Produkte bewundern können.“

Die Woche im Netz Warum wir Joyn, EPost und DE-Mail nicht brauchen

Einmal in der Woche blicken wir zurück - auf Phänomene, Hypes und wichtige Entwicklungen im Internet. Worüber es sich nachzudenken lohnt. Diesmal: das Scheitern der Konzerne bei neuen Kommunikationsmöglichkeiten.

Joyn soll die SMS auf dem Smartphone ablösen. Quelle: dpa

Das Scharmützel zwischen Stender und Backofen ist mehr als ein kleiner Betriebsunfall. Vieles von dem, was die Telekom als Produktneuheit auf der Cebit vorstellt, bleibt auch nach Jahren kaum mehr als ein Nischenprodukt.

Im vergangenen Jahr stellte die Telekom zum Beispiel ihr neues Angebot Wlan-to-go zusammen mit der spanischen Startup-Firma Fon vor. Doch die Idee, dass die 12,4 Millionen DSL-Kunden zu Foneros werden, ihre persönlichen Wlan-Hotspots in der Wohnung für fremde Besucher öffnen und dadurch ein quasi flächendeckendes Hotspot-Netz zumindest in den Großstädten entsteht, wartet noch auf ihren Durchbruch.

2,5 Millionen neue Hotspots will die Telekom bis 2016 auf diese galante Art schaffen. Doch die Planvorgaben wurden bislang verfehlt. Gerade mal 20.000 DSL-Kunden, also weniger als ein Prozent aller Kunden, schafften sich den dafür erforderlichen Wlan-to-go-Router bis heute an. Zusammen mit den 20.000 Telekom-eigenen Hotspots können sich Wlan-to-go-Nutzer also lediglich an 40.000 Standorten ins Internet einwählen.  

Auch der Online-Kiosk Pageplace, von der Telekom auf der Cebit 2011 zusammen mit einigen Verlegern erstmals vorgestellt, erfüllte die Hoffnungen nicht. Ende des Monats zieht die Telekom die Reißleine und schließt den Kiosk wegen fehlender wirtschaftlicher Perspektiven. Pageplace war mit 40.000 Büchern, 450 Zeitungen und 50 Magazinen an den Start gegangen – konnte aber nur 180.000 registrierte Nutzer gewinnen. Mit dem Nachfolge-Projekt Tolino wagt die Telekom nun einen zweiten Anlauf.

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