Startups: Die heimlichen Stars der Cebit

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Startups: Die heimlichen Stars der Cebit

von Oliver Voß

Mehr als 300 Startups tummeln sich auf der Computermesse, die interessantesten Gründer und ihre Ideen im Überblick.

Wer einen kleinen Eindruck davon haben möchte, wie viel Facebook über seine Nutzer weiß, muss auf der Cebit an den Tisch von Meelis Kosk kommen. In einem blauen Ordner hat er seine eigenen Basisinformationen ausgedruckt, allerdings nur 139 von 400 Seiten. Die insgesamt 17.394 Zeilen sind für Außenstehende kryptischer Computercode. Kosk macht sie sich für sein Startup Big Data Scoring zu Nutze: „Wir prognostizieren damit das Rückzahlungsverhalten bei Krediten“.

Dazu wird das Netzwerk der Freunde analysiert, zudem das Nutzungsverhalten. „Wenn jemand ständig etwas postet und unzählige Freunde akzeptiert, ist das ein schlechtes Zeichen“, sagt Kosk. In Polen, Tschechien oder Finnland bietet das Unternehmen aus Estland seinen Service bereits an, in Dänemark oder Norwegen laufen Tests. Die Nutzer müssen bei der Beantragung eines Kredits in die Nutzung ihrer Facebook-Daten einwilligen und erhalten dafür eine Gutschrift, die je nach Land zehn Euro oder mehr beträgt.

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Interessant sind solche Modelle vor allem in Ländern, wo es wenige Daten über die Kreditwürdigkeit gibt. Diese Märkte hat auch das Startup Kreditech im Visier. Die Hamburger arbeiten ähnlich, stellen die Kredite aber auch gleich selbst zur Verfügung. Zehn Millionen Euro waren es im vergangenen Jahr, 2014 soll sich die Summe verdreifachen. Auch das Volumen der angebotenen Kredite wird demnächst nämlich deutlich ausgeweitet: Statt 500 Euro werden bis zu 2500 Euro verliehen, die Laufzeit beträgt statt 30 Tagen bis zu einem Jahr. „Wir zielen insbesondere auf Länder, wo es keine Schufa gibt“, so Kreditech.

IT-Messe Cebit will mit IT-Sicherheit und Startups punkten

Big-Data und Datensicherheit sind die großen Themen der diesjährigen Cebit. Am Montag öffnet die Messe in Hannover für Fachbesucher. Welche Topps und Flopps sie erwarten.

Dreidimensionale Handy-Bilder können mit dem Aufsteck-Adapter "Dive" bei der Cebit in Hannover dargestellt werden. Quelle: dpa

In Polen, Tschechien, Russland, Spanien und Mexiko vergibt Kreditech bereits Privatkredite, Brasilien und Peru sollen in diesem Jahr folgen. Als erster Test für reifere Märkte startet das Angebot zudem auch in Australien.

Die beiden Kreditanalysespezialisten sind zwei von 50 Startups, die sich auf der diesjährigen Cebit für den Wettbewerb Code_n qualifiziert haben. Bereits zum dritten Mal stellt der Stuttgarter IT-Dienstleister GFT den Jungunternehmern eine eigene Halle zur Verfügung, um sich zu präsentieren.

Inzwischen wird sie allgemein als einer der Höhepunkte der gealterten Computermesse wahrgenommen.

Dazu trägt auch die Gestaltung durch wechselnde Künstler bei, die sich deutlich von den anderen Messehallen unterscheidet. In diesem Jahr laufen riesige farbige Kurven von den schwarz verhangenen Wänden herab. Sie zeigen wie oft bestimmte Begriffe seit 1800 in der Literatur vorkommen. Das Leitmotto der Cebit, „Datability“, wird so auch optisch erfassbar.

Gründer Gründer werden und Angestellter bleiben

Weniger Risiko, bessere finanzielle Absicherung, mehr Zeit: Wer die Doppelbelastung aushält und grünes Licht vom Chef bekommt, hat als Gründer im Nebenerwerb gute Chancen, ein erfolgreiches Unternehmen aufzuziehen.

Quelle: Deniz Saylan für WirtschaftsWoche

Nachdem im Vorjahr der Fokus auf grüner Technologie lag, wurden diesmal für Code_n Big-Data-Startups ausgewählt. Der Wettbewerb ist dabei so international wie nie: aus 17 Ländern kommen die Gründer, 13 der 50 Startups stammen aus Deutschland.

Viele von ihnen versprechen, Datenanalysen schneller und günstiger zu machen oder bieten vielfältigste Formen der Auswertung und Visualisierung von Informationsmassen an. Bei einigen wird das abstrakte Thema Big Data dagegen greifbarer. Auf der Seite von Marineexplorer kann jedermann vor dem Strandurlaub nachschauen, welche Temperatur das Meer vor Ort gerade hat. Die estnischen Gründer mit Firmensitz im kalifornischen Sunnyvale kombinieren die Daten aus tausenden verfügbaren Quellen, von Bojen und Bohrplattformen, Roboterschiffen bis zu markierten Robben. Genutzt werden sie einerseits von 6800 Wissenschaftlern, andererseits stellen sie Unternehmen eine kommerzielle Version der Plattform zur Verfügung.

Precogs aus Paris wiederum analysiert die Entwicklung von Preisen, Lieferzeiten und Bestellmengen diverser elektronischer Bauteile. Die Genauigkeit hat schon manchen Kunden beeindruckt: „Ein Interessent aus Peking sagte einmal, wir sind Chinesen, wir wissen am Besten wo es was am günstigsten gibt“, erzählt Precogs-Manager Jean-Louis Andorin. Doch nach einer Demonstration hatte er die Chinesen als Kunden gewonnen.   

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