Studie: Windkraft: Europäischer Markt bleibt stabil

Studie: Windkraft: Europäischer Markt bleibt stabil

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Die Zeiten des Rekord-Wachstums sind für die Hersteller von Windenergieanlagen vorbei. In Europa bleibt der Markt zumindest stabil.

Seit Jahren stagniert das Wachstum auf dem globalen Markt für Windkraftanlagen. 2013 brach es sogar erstmals deutlich ein. Während die Märkte in China und den USA massiv schwanken, bleibt Europa laut einer Studie immerhin stabil.

Die Flaute in der Windkraftbranche hält an: Seit 2009 stagniert das Wachstum auf dem globalen Markt für Windkraftanlagen. 2013 gab es sogar erstmals einen deutlichen Rückgang. Der Einbruch wirkt dramatisch: Das weltweite Neubaugeschäft für die großen Mühlen ist im vergangenen Jahr von rund 44,5 Gigawatt auf 35,4 geschrumpft. Grund für den massiven Wachstumsrückgang ist insbesondere der amerikanische Markt. Weil in Nordamerika durch Fracking große Erdgasreserven günstig erschlossen werden können, wurde kaum in Windenergie investiert. 2013 nahm die neu installierte Leistung um gerade einmal 3,3 Gigawatt zu. 2012 lag das Wachstum noch bei 14,8.

Im Gegensatz dazu beurteilen die Analysten der Managementberatung Oliver Wyman die Entwicklung in Europa in einer aktuellen Studie positiv: „Trotz diverser Haushaltskrisen ist der europäische Windenergiemarkt sehr stabil“, sagt Wolfgang Krenz, Partner bei Wyman und Experte für die Windenergiebranche. Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 12 Gigawatt wurden 2013 neu installiert. Im Jahr zuvor waren es zwar noch 0,5 Gigawatt mehr, durchschnittlich ist der Windmarkt in den letzten fünf Jahren aber um drei Prozent gewachsen.

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Deutschland ist dabei in Europa weiter Vorreiter. Daran haben auch Förderkürzungen für Windstrom und der Streit um Stromtrassen nichts geändert. 1200 neue Windräder kamen 2013 mit einer Gesamtleistung von gut 3,2 Gigawatt hinzu - das entspricht etwa drei Atomkraftwerken. Aber auch im Süden und Osten Europas gewinnt die Windenergie an Bedeutung. In Polen, Rumänien und die Türkei wurden kräftig Anlagen gebaut.

Kleinere Unternehmen verschwinden

Für die Hersteller bleibt die Lage weiter schwierig. Preis- und Margendruck halten in der Branche an, darunter leiden die kleinen Hersteller. Die hohen Investitionskosten für Forschung und Entwicklung, Produktionsanlagen, das vorgehaltenen Vertriebs- und Servicenetz rechnen sich erst bei großen Stückzahlen. Insbesondere im Offshore-Bereich sind viele Unternehmen in den letzten Jahren in die Pleite gerutscht, fusioniert oder übernommen worden. Zwar stehen im Onshore-Bereich größere Zusammenschlüsse noch aus, die Experten gehen aber davon aus, dass die Konsolidierungswelle anhält.

In diesem schwierigen Umfeld schlagen sich die europäischen Hersteller laut Wymann insgesamt gut und "stellen chinesische Wettbewerber in den Schatten". Schon seit Jahren geht in der Branche die Sorge um, dass die asiatische Konkurrenz den globalen Markt mit billigen Produkten erobern könnte. Ein Schicksal, das die Solar-Industrie ereilte. Parallelen sieht Krenz aber nicht. "Hierzu ist es nicht gekommen und wird es voraussichtlich auch nicht kommen", urteilt der Branchenkenner. "Einige wenige chinesische Hersteller werden auf den internationalen Märkten Fuß fassen, dort aber eher keine dominante Position aufbauen."

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China fällt zurück

Tatsächlich war die Furcht bislang unbegründet. Zwar ist das Wachstum in Asien weiterhin am größten, doch die Marktentwicklung schwankt stark. So gab es 2013 wieder ein Wachstumsplus, in den beiden Vorjahren waren aber deutlich weniger Windkraftanlagen installiert worden als zuvor.

Die asiatischen Windkraftanlagenhersteller sind weiterhin fast ausschließlich von ihrem Heimatmarkt abhängig. Gerade einmal drei Prozent wurden 2013 exportiert. Das eindeutige Urteil der Wymann-Analysten: Gegenwärtig sind die chinesischen Anbieter auf dem internationalen Markt nicht wettbewerbsfähig.

Der Unterschied zwischen den Regionen macht sich auch beim Blick auf den Gewinn bemerkbar. Gamesa aus Spanien sowie Siemens und Nordex aus Deutschland sind laut Wymann die drei profitabelsten Anbieter der Branche. „Die europäischen Hersteller können ihr Profit-Niveau halten und führen das Feld an“, sagt Krenz. Die ehemaligen Spitzenreiter aus Asien sind hingegen deutlich zurückgefallen, und wie der Windriese Sinovel teils in die Verlustzone gerutscht.

Die Zukunftsprognose des Management-Beraters Krenz fällt daher positiv aus: „Wenn die europäischen Hersteller ihre Hausaufgaben so konsequent weitermachen wie in den vergangenen Jahren, brauchen sie die chinesischen Hersteller nicht zu fürchten – allerdings dürfen sie auch nicht den Fehler machen, sich auf dem Erreichten auszuruhen.“ Um auf lange Sicht Erfolg zu haben, müssen die Unternehmen weiter Kosten senken und mit Innovationen einen technischen Vorsprung aufbauen.

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