Vodafone kritisiert Konkurrenz: Die bösen Tricks mit dem Internet der Dinge

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Vodafone kritisiert Konkurrenz: Die bösen Tricks mit dem Internet der Dinge

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Kritik an Telekom und Telefónica von Vodafone Deutschland CEO Hannes Ametsreiter.

von Jürgen Berke

Autohersteller und Anlagenbauer rüsten ihre vernetzten Maschinen mit den Sim-Karten der Mobilfunkbetreiber aus. Mit dem Boom beim Internet der Dinge treiben Telekom und Telefónica ihre Kundenzahlen künstlich in die Höhe, kritisiert der neue Deutschlandchef von Vodafone, Hannes Ametsreiter.

Der Mobilfunkmarkt tickt an einer ganz entscheidenden Stelle anders als viele andere Branchen. Wenn ein Marktführer gekürt wird, dann zählt nicht wie sonst üblich, wer den höchsten Umsatz erwirtschaftet. Analysten und Journalisten schauen oft zuerst auf eine Kennziffer und das ist die Kundenzahl. Keiner weiß warum, aber im Mobilfunkmarkt ist das die wichtigste Währung.

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Auf diese eher einfache Art schaffte es zum Beispiel Telefónica nach der Fusion mit E-Plus, die Marktführerschaft mit weit über 40 Millionen Kunden für sich zu beanspruchen. Und genauso schlitterte Vodafone in die Krise und kostete Jens Schulte-Bockum schließlich den Chefposten, weil in nur vier Jahren sieben Millionen Kunden dem einstigen Marktführer die rote Karte zeigten und zur Konkurrenz wechselten. Von einstmals stolzen 37,6 Millionen zählt Vodafone heute nur noch 30,4 Millionen Kunden.

Vodafone teilt aus Ametsreiter bezweifelt Kundenzahl der Konkurrenz

Der Deutschlandchef des Mobilfunkriesen Vodafone, Hannes Ametsreiter, wirft der Konkurrenz vor, ihre Kundenzahlen künstlich aufzublasen. Im Interview spricht er außerdem über die Wachstumspläne des Unternehmens.

Vodafone Deutschland-Chef Hannes Ametsreiter wirft der Konkurrenz vor, ihre Kundenzahlen künstlich aufzublasen. Quelle: REUTERS

Umso erstaunlicher ist, dass sich offenbar niemand das Zustandekommen der Kundenzahlen genauer angeschaut hat. Auf dieses Versäumnis macht jetzt Hannes Ametsreiter, der neue Deutschland-Chef von Vodafone, aufmerksam.

Der Abstand zwischen dem Platzhirschen Deutsche Telekom (40,4 Millionen Kunden) und Vodafone (30,4 Millionen Kunden) betrage gar nicht zehn Millionen Kunden, wie die veröffentlichten Zahlen in den Geschäftsberichten ausweisen. Tatsächlich liegen die beiden Unternehmen viel näher beieinander. "Wir machen uns kleiner als wir in Wirklichkeit sind", sagt Ametsreiter im Interview mit der "WirtschaftsWoche".

Zwei wichtige Kundengruppen fließen im Gegensatz zur Konkurrenz gar nicht in Vodafones Teilnehmerstatistik ein: Die Kunden von Drittanbietern wie zum Beispiel 1&1, die das Vodafone-Netz nutzen. Und die in Maschinen eingebauten Sim-Karten, das sogenannte Machine-to-Machine-Geschäft (M2M). Genaue Zahlen für den deutschen Markt veröffentlicht Vodafone für diese beiden Marktsegmente nicht. "Aber gehen Sie davon aus, dass es einige Millionen Kunden mehr sind."

Wie wichtig zum Beispiel das M2M-Geschäft für das Internet der Dinge (IoT) ist, zeigt sich an den Zahlen der Deutschen Telekom. Das am schnellsten wachsende Kundensegment war im vergangenen Geschäftsjahr 2015 das M2M-Geschäft mit einem Plus von 34,6 Prozent. Die Zahl der installierten Sim-Karten konnte die Telekom um knapp 1,3 Millionen auf jetzt 4,9 Millionen steigern. Gezählt werden sie als vorausbezahlte Prepaid-Karten von Geschäftskunden, die laut Bilanz nur einen Durchschnittsumsatz von gerade mal einem Euro pro Monat und Karte einbringen.

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Das Plus im M2M-Geschäft ist ziemlich genau die Kundenzahl, die die Deutsche Telekom 2015 insgesamt im Mobilfunk zugelegt hat. Ohne das M2M-Geschäft wäre die Kundenzahl nahezu konstant geblieben. Ohne die Neukunden der zuletzt wieder stärker zulegenden Drittanbieter hätte die Telekom sogar Kundenverluste melden müssen. Aber das bleibt Telekom-Chef Tim Höttges erspart. Er ist lieber der strahlende Held, der die Konkurrenz in Deutschland mit dem höchsten Mobilfunk-Kundenwachstum in Schach hält, auch wenn die Wirklichkeit viel trister aussieht.

Selbst die oberste Aufsichtsbehörde für die Telekommunikationsmarkt, die Bundesnetzagentur, macht dieses Spiel mit und durchkreuzt die Schönfärberei von Telekom und Telefónica nicht. Hochoffiziell stellt sie in ihren Tabellen zur Marktbeobachtung die offiziellen Teilnehmerzahlen der drei Netzbetreiber ein, ohne auf die unterschiedlichen Zählweisen hinweisen.

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