Chemie: Klimakiller für den Hausgebrauch

Chemie: Klimakiller für den Hausgebrauch

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Niederaußem

von Wolfgang Kempkens

Kohlendioxid schadet dem Klima. Doch mithilfe innovativer Technologien wird das Gas zu Schaumstoff, Benzin und sogar DVDs.

Ohne den Kunststoff Polyurethan wäre unser Alltag nur halb so komfortabel. Denn PU, wie Chemiker das Material abkürzen, ist nicht nur Grundlage für Armaturen-bretter und Lenkräder, sondern auch für Schaumstoffmatratzen, Sofas und Sessel. Je nach Zusammensetzung ist der Stoff weich wie ein Schwamm oder stabil wie die Armstützen im ICE. Eines aber gilt für alle PU-Materialien: Sie werden aus Erdöl hergestellt – bisher.

Seit Kurzem betreibt der Chemiekonzern Bayer in Leverkusen eine Pilotanlage für die PU-Produktion, in der ein Teil des Erdöls durch Kohlendioxid (CO2) ersetzt wird. Das klimaschädliche Gas wird aus den Rauchgasen des Kohlekraftwerks Niederaußem bei Köln herausgewaschen, verflüssigt und nach Leverkusen transportiert. Dort wird es dann zu Schaumstoff weiterverarbeitet. Bis 2015 will Bayer hier eine Großanlage zur Herstellung von PU-Schaum in Betrieb nehmen und größere Mengen Klimagas in Kunststoff verwandeln.

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Unerschöpfliche Quelle

Während die einen noch streiten, ob man das klimaschädliche CO2 unterirdisch lagern soll, verwendet eine wachsende Zahl von Unternehmen das Gas als Rohstoff. Aus CO2 besteht zum Beispiel Trockeneis zum Kühlen. In Kügelchenform wird es zum reinigenden Beschuss verschmutzter Oberflächen genutzt, und im Theater erzeugt es Bodennebel. Auch Harnstoff, Vorprodukt von nahezu allen Düngemitteln, basiert auf CO2, und selbst in Treibhäusern ist das Klimagas willkommen: Es beschleunigt das Wachstum von Gurken, Radieschen und Eisbergsalat. Bislang verbrennen Bauern dafür Erdgas.

Noch aber wird weltweit nicht einmal eine Milliarde Tonnen CO2 im Jahr verwertet – weniger als fünf Prozent der von Menschen verursachten Emissionen. Basierend auf heutigen Technologien, sind zusätzlich zum aktuellen Verbrauch rund 180 Millionen Tonnen pro Jahr als Chemierohstoff nutzbar, schätzt die Frankfurter Dechema Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie.

Leistungsfähige Katalysatoren sind der Schlüssel

Langfristig, glaubt Georg Menges, emeritierter Professor am Institut für Kunststoffverarbeitung an der RWTH Aachen, kann Kohlendioxid aber eine nahezu unerschöpfliche Quelle für Kohlenstoff werden – als Ersatz für Kohle, Erdöl und Erdgas. Und Deutschland ist bei dieser Entwicklung führend.

Den Leverkusener CO2-Schaumstoff machte die Forschungsarbeit des Catalytic Center in Aachen möglich, das gemeinsam von der RWTH und Bayer betrieben wird. Das Forschungszentrum hat einen Katalysator entwickelt, der das reaktionsträge Kohlendioxid ohne Einsatz größerer Energiemengen dazu bringt, sich mit anderen Molekülen zu verbinden, sodass neue Wertstoffe entstehen. Leistungsfähige Katalysatoren sind daher der Schlüssel, um CO2 als Chemierohstoff und Energielieferant zu nutzen.

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