Chemie: Klimakiller für den Hausgebrauch

29. Juli 2011
Niederaußem Quelle: dpaBild vergrößern
Niederaußem Quelle: dpa
von Wolfgang Kempkens

Kohlendioxid schadet dem Klima. Doch mithilfe innovativer Technologien wird das Gas zu Schaumstoff, Benzin und sogar DVDs.

Ohne den Kunststoff Polyurethan wäre unser Alltag nur halb so komfortabel. Denn PU, wie Chemiker das Material abkürzen, ist nicht nur Grundlage für Armaturen-bretter und Lenkräder, sondern auch für Schaumstoffmatratzen, Sofas und Sessel. Je nach Zusammensetzung ist der Stoff weich wie ein Schwamm oder stabil wie die Armstützen im ICE. Eines aber gilt für alle PU-Materialien: Sie werden aus Erdöl hergestellt – bisher.

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Seit Kurzem betreibt der Chemiekonzern Bayer in Leverkusen eine Pilotanlage für die PU-Produktion, in der ein Teil des Erdöls durch Kohlendioxid (CO2) ersetzt wird. Das klimaschädliche Gas wird aus den Rauchgasen des Kohlekraftwerks Niederaußem bei Köln herausgewaschen, verflüssigt und nach Leverkusen transportiert. Dort wird es dann zu Schaumstoff weiterverarbeitet. Bis 2015 will Bayer hier eine Großanlage zur Herstellung von PU-Schaum in Betrieb nehmen und größere Mengen Klimagas in Kunststoff verwandeln.

Unerschöpfliche Quelle

Während die einen noch streiten, ob man das klimaschädliche CO2 unterirdisch lagern soll, verwendet eine wachsende Zahl von Unternehmen das Gas als Rohstoff. Aus CO2 besteht zum Beispiel Trockeneis zum Kühlen. In Kügelchenform wird es zum reinigenden Beschuss verschmutzter Oberflächen genutzt, und im Theater erzeugt es Bodennebel. Auch Harnstoff, Vorprodukt von nahezu allen Düngemitteln, basiert auf CO2, und selbst in Treibhäusern ist das Klimagas willkommen: Es beschleunigt das Wachstum von Gurken, Radieschen und Eisbergsalat. Bislang verbrennen Bauern dafür Erdgas.

Noch aber wird weltweit nicht einmal eine Milliarde Tonnen CO2 im Jahr verwertet – weniger als fünf Prozent der von Menschen verursachten Emissionen. Basierend auf heutigen Technologien, sind zusätzlich zum aktuellen Verbrauch rund 180 Millionen Tonnen pro Jahr als Chemierohstoff nutzbar, schätzt die Frankfurter Dechema Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie.

Leistungsfähige Katalysatoren sind der Schlüssel

Langfristig, glaubt Georg Menges, emeritierter Professor am Institut für Kunststoffverarbeitung an der RWTH Aachen, kann Kohlendioxid aber eine nahezu unerschöpfliche Quelle für Kohlenstoff werden – als Ersatz für Kohle, Erdöl und Erdgas. Und Deutschland ist bei dieser Entwicklung führend.

Den Leverkusener CO2-Schaumstoff machte die Forschungsarbeit des Catalytic Center in Aachen möglich, das gemeinsam von der RWTH und Bayer betrieben wird. Das Forschungszentrum hat einen Katalysator entwickelt, der das reaktionsträge Kohlendioxid ohne Einsatz größerer Energiemengen dazu bringt, sich mit anderen Molekülen zu verbinden, sodass neue Wertstoffe entstehen. Leistungsfähige Katalysatoren sind daher der Schlüssel, um CO2 als Chemierohstoff und Energielieferant zu nutzen.

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Kommentare | 9Alle Kommentare
  • 29.07.2011, 10:17 UhrMV

    Wenn selbst nach Auffassung der Klimahysteriker das Strahlungsfenster, welches CO2 beeinflussen kann, schon lange durch selbiges geschlossen ist, wie kann dann weiteres CO2 dem Klima schaden?

    im Nachbarartikel wurde darauf hingewiesen, dass ab einem Einkommen von ca. 60000€ keine Glückssteigerung mehr stattfinde. Ein "Mehr" an Geld erzeugt also kein "Mehr" an Glück. Hier wird der Zusammenhang komischer Weise Nachvollzogen.

    bei der bereits erreichten CO2-Konzentration sei der mögliche Treibhauseffekt bereits zu 100% erreicht - ein "Mehr" an CO2 erzeugt also kein "Mehr" an Erwärmung. Wieso findet man nirgendwo mal zumindest einen kritischen Gedanken hierzu? ist dazu kein Redakteur in der Lage? ist ja fast wie bei der "Frauenquote".

    Aber schön, dass sich auch hier so lang und breit über (teure) Techniken zur Vermeidung von CO2 ausgelassen wird ohne sich weiter mit der Sinnfrage auf zu halten.

  • 29.07.2011, 13:32 Uhr@MV

    Aus diesem Grund redet man ja auch nicht mehr von der Erderwärmung, sondern allgemein vom Klimawandel. CO2 ist laut Artikel ja auch ein Klimagas. immer neue Wortschöpfungen, die an idiotie kaum noch zu überbeiten sind. Aber wer sich dagegen stellt, ist ein Ketzer. Wir werden noch erleben, dass das "Leugnen des Klimawandels" unter Strafe gestellt wird. Manchmal scheint es, dass das Neonazitum eher geduldet wird, als eine kritische Meinung zur *menschengemachten Erderwärmung*. Diese ist weder bewiesen noch allgemein anerkannt. Das wird nur in den Medien immer wieder behauptet.

  • 29.07.2011, 17:23 UhrWIWO = Heuchelladen

    warum redet die Wiwo über Klima und nebendran gibts Luxuskarossen als Werbung......sagt es doch wie es ist:

    Dieser Artikel wurde von der deutschen Chemischen industrie GEKAUFT und uns ist ALLES SCHEiS_SEGAL - hauptsache der Chefredakteur wohnt in Starnberg am Ostufer und fährt S-Klasse mit Chauffeur.

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