China: Aufklärung im größten Museum der Welt

China: Aufklärung im größten Museum der Welt

von Matthias Kamp

Während die Regierung den Druck auf politisch Andersdenkende verschärft, beginnt in Pekings neu eröffnetem Nationalmuseum eine Ausstellung zur Epoche der Aufklärung – organisiert von drei deutschen Museen.

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Eingangsbereich des National Museum of China am Platz des Himmlischen Friedens in Peking (China)

Einen symbolträchtigeren Ort hätten China und Deutschland für ihre Ausstellung kaum wählen können. Im Morgengrauen des 4. Juni 1989 donnerten Panzer über die Straße vor Pekings Nationalmuseum und begruben unter ihren Ketten die Hoffnungen der demonstrierenden Studenten auf etwas mehr Freiheit, etwas mehr Demokratie und weniger Korruption. Menschenrechts-organisationen schätzten später, dass bei der Niederschlagung der Proteste mehr als 1000 Menschen den Tod fanden. Seit März 1989 hatten die jungen Studenten, am Ende unterstützt von einfachen Arbeitern und Hausfrauen, auf dem Platz des Himmlischen Friedens und den angrenzenden Straßen demonstriert.

Jetzt, 22 Jahre später, bringen drei deutsche Museen eine Ausstellung über eine Epoche nach China, in der in Europa das geistig-philosophische Fundament für manche Forderungen der Demonstranten vom Tiananmen-Platz gelegt wurde; die Grundlagen für das heutige Verständnis von Demokratie und Freiheit im Westen. Unter dem Titel „Die Kunst der Aufklärung“ zeigen die Staatlichen Museen zu Berlin, die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen München ab Anfang April im Pekinger Nationalmuseum fast 600 Exponate aus dem 18., 19. und 20. Jahrhundert – eine heikle Veranstaltung.

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An Superlativen herrschte schon lange vor Beginn der Ausstellung kein Mangel. Chinas Nationalmuseum liegt an der Ostseite des Tiananmen-Platzes, direkt gegenüber der Großen Halle des Volkes. Wenn der lang gezogene, graue Säulenbau nach mehrjähriger Renovierung durch das Hamburger Architekturbüro Gerkan, Marg und Partner am 1. April seine Türen öffnet, wird es mit einer Fläche von 200 000 Quadratmetern das größte Museum der Welt sein.

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Die Ausstellung aus Deutschland, die für ein Jahr laufen wird, sei das wichtigste Kulturprojekt Deutschlands in China und die größte deutsche Ausstellung in Asien, vermutlich sogar der Welt, sagen die Organisatoren aus Berlin, Dresden und München. Auch der Louvre, der Prado und andere große Museen der Welt haben sich um den Auftritt am Tiananmen-Platz gerissen. Da ist es nur folgerichtig, dass Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) plant, zur Eröffnung nach Peking zu reisen.

Politische Bedenken wegen des Themas habe es von chinesischer Seite zunächst nicht gegeben, beteuern die Veranstalter. „Die deutschen Sammlungen hätten den Auftrag nie bekommen, wenn es kein politisches Interesse gegeben hätte“, sagt ein europäischer Diplomat in Peking. Im Mai 2007 einigten sich Staats- und Parteichef Hu Jintao und der damalige Bundespräsident Horst Köhler auf das Projekt. Knapp zwei Jahre später schlossen die drei Deutschen Museen und das chinesische Nationalmuseum im Beisein von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Premierminister Wen Jiabao einen Vertrag zu der Gastausstellung in Peking. Der deutsche Auftritt ist sogar Bestandteil des deutsch-chinesischen Kommuniques zur Förderung der strategischen Partnerschaft beider Länder, das Merkel und Wen im Sommer vergangenen Jahres unterschrieben haben.

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