CO2-Zertifikate: Die fünf Schritte der Emissions-Diebe

CO2-Zertifikate: Die fünf Schritte der Emissions-Diebe

von Andreas Wildhagen

Bei der Deutschen Emissionshandelsstelle wurden CO2-Zertifikate im Wert von mehreren Millionen Euro gestohlen. Für Betrüger steht das Handelssystem für den Zertifikatehandel sperrangelweit offen, die WirtschaftsWoche dokumentiert den Betrug.

Bei der Deutschen Emissionshandelsstelle wurden CO2-Zertifikate im Wert von mehreren Millionen Euro gestohlen, die genaue Schadenshöhe ist noch unbekannt. Wie wurden Emissionszertifikate geklaut? Die WirtschaftsWoche dokumentiert das Betrugssystem:

Schritt 1: Die Betrüger tun so, als ob sie die Deutsche Emissionshandelsstelle in Potsdam wären. Sie senden unter falscher Adresse Emails an europäische und asiatische Unternehmen. Der Gipfel des Zynismus: Sie fordern die Empfänger auf, sich neu zu registrieren, um den Einbruch von Hackern in das Handelssystem zu verhindern. Doch genau das tun sie selbst. Und wer sich jetzt neu registriert, hat den Betrügern den Schlüssel ausgehändigt.

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Schritt 2: Die Ganoven transferieren mit Hilfe der Registrationsdaten auf internationale Konten hin und her, um die spätere Rückverfolgung so gut wie unmöglich zu machen. Die Emissionszertifikate sind durch Nummern gekennzeichnet, die durch die Hin- und Herüberweisung unter den Tisch fallen.

Schritt 3: Schließlich landen die Emissionsrechte auf Konten in Großbritannien und Skandinavien, weil hier die Kontrolle durch staatliche Stellen besonders lax sind und so gut wie nie durchgeführt werden. Für den Erwerb von Zertifikaten ist die Registrationsnummer in diesen Ländern nicht erforderlich.

Schritt 4: Von diesen Konten aus werden sie nun neu verkauft

Schritt 5: Die Käufer handeln arglos. Sie wissen nicht, dass sie nun zu Hehlern werden, sondern glauben an den rechtmäßigen Erwerb der Emissionsrechte.

Inkompetenz der beteiligten Behörden

In Norwegen und Deutschland sperrten die Aufsichtsbehörden die Emissionskonten innerhalb weniger Stunden, nachdem sie in Besitz einer anonymen Information eines in Millionenhöhe geschädigten europäischen Betreibers von Kohlekraftwerken kamen. Doch einen Tag später wurden die Konten wieder geöffnet, ohne dass das Leck im Handelssystem geschlossen wurde.

Der massenhafte Betrug und seine Bekämpfung - deutsche Mittelständler sind im Einzelfall in Schadenshöhen zwischen ein und fünf Millionen Euro betroffen - ist zur Chefsache erklärt worden, aber ausgerechnet an einem Ort, der bisher nicht durch Kompetenz aufgefallen ist. Im internationalen Klimasekretariat UNFCCC werden die Fäden zusammengehalten. Dieses Kompetenzzentrum ist bisher vor allem durch Inkompetenz aufgefallen. Das Sekretariat ist für peinliche Pannen im vor Fehler strotzenden Weltklimabericht verantwortlich.

Die deutsche Emissionshandelsstelle will die gesperrten Konten am heutigen Nachmittag wieder öffnen und Transaktionen möglich machen. Dazu wurden an die 2000 Emissionshändler neue Passwörter verteilt. Ob die Emissionsdiebe diese auch ergattern können?

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