Computer: Amazon bringt Nachfolger für sein Lesegerät Kindle

Computer: Amazon bringt Nachfolger für sein Lesegerät Kindle

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Amazons neues Lesegerät für Ebooks: Kindle 2

Die neue Generation des Ebook-Lesegeräts Kindle von Amazon ist leichter, dünner und eleganter. Europäische Kunden müssen sich allerdings gedulden.

So einen Erfolg hatte sich Jeff Bezos in seinen kühnsten Träumen nicht ausgemalt. „14 Jahre haben wir vergeblich mit dem Verkauf von elektronischen Büchern experimentiert", gestand Bezos scheinbar zerknirscht am gestern Vormittag in der Morgan-Bibliothek in Manhattan, während an der Leinwand hinter dem Gründer des Online-Händlers Amazon eine stagnierende Kurve aufleuchtete. „Dann brachten wir den Kindle!" Mit dessen Premiere im November 2007 schoss die Kurve der abgesetzten elektronischen Bücher steil nach oben.

Zehn Prozent seiner Buchverkäufe – bei denen der Titel sowohl in gedruckter als auch elektronischer Version vorliegt – wickelt Amazon mittlerweile über sein Lesegerät Kindle ab, das Hunderte von Büchern, Zeitschriften, Zeitungen und Blogs aufnehmen und auf seinem papierähnlichen elektronische Display darstellen kann – eine Bibliothek in der Aktentasche. Genaue Absatzzahlen will Amazon nicht nennen. Analysten schätzen, dass der Online-Händler seit November 2007 rund 750.000 Geräte zu Preisen von zwischen 359 und 399 US-Dollar verkauft hat. Käufer mussten wegen Lieferschwierigkeiten monatelang warten. „Wir hatten den Bedarf schlichtweg unterschätzt", sagt Kindle-Chef Ian Freed. Amazon hat einen Nerv getroffen. Der Kindle ist deshalb so beliebt, weil Bücher, Zeitungen und Zeitschriften in unter einer Minute direkt drahtlos auf das Gerät geladen werden, ohne dass es mit einem Computer verbunden werden muss.

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Amazons neues Lesegerät für Ebooks: Kindle 2

Amazons neues Lesegerät für Ebooks: Kindle 2

Nun kommt die Fortsetzung. Der Kindle 2 hat eine Diät und Schönheitskur genossen. Das Lesegerät wiegt 290 Gramm – etwa zehn Gramm weniger als sein Vorgänger, ist statt 2 Zentimeter nur noch 9 Millimeter dünn und damit sogar schmaler als Apples iPhone.

Ein hauseigenes Team von Designern, die Amazon unter anderem bei der renommierten deutsch-amerikanischen Firma Frogdesign abwarb, hat dem Kindle 2 ein elegantes Antlitz verpasst, das an Apple-Produkte erinnert.

Die schöne Plastikunterseite ist nun mit Metall ersetzt, in das zwei Lautsprecher eingelassen sind. Seine Entwickler haben ihn mit einer Sprachfunktion ausgestattet. Der Kindle 2 kann Bücher vorlesen – wahlweise in Männer – oder Frauenstimme – und folgt dabei dem Vorleser, es blättert automatisch um. Auch die Handhabung ist wesentlich verbessert. Der Vorgänger lag wegen seiner Keilform unbequem in der Hand, regelmäßig tippte man ungewollt die Tasten zum

Vor- und Zurückblättern an. Sein Nachfolger ist flach wie ein Tablett und liegt eindeutig besser in der Hand. Vor allen Dingen kann man ihn besser mit nur einer Hand beim Lesen halten.

Die Größe des elektronischen Displays ist gleich geblieben, allerdings kann es jetzt 16 Graustufen statt nur vier anzeigen. Beim Um -und Zurückblättern gibt es noch immer eine leichte Verzögerung, aber sie ist nur noch minimal. Das Display wurde ursprünglich am Massachusetts Institute of Technology (MIT) entwickelt. Es besteht aus feinen Kunststoffkügelchen, die sich beim Anlegen von Spannung ausrichten und Text oder Bilder formen – daher der Name elektronische Tinte. Einmal angeordnet, behalten sie ihre Gestalt. Strom ist nur nötig, um sie wieder neu auszurichten – damit sie den Inhalt der nächsten Seite anzeigen. Dadurch hält der Akku länger durch. Amazon.com gibt die Betriebszeit mit rund zwei Wochen an. Das gilt jedoch nur, wenn das integrierte Funkmodem ausgeschaltet ist.

Im Alltag muss der Kindle alle vier Tage wieder aufgeladen werden.

Trotz seines edlen Designs: „Der Vorzug an einem Buch ist, dass es verschwindet. Niemand achtet auf Einband oder Papier, die Story steht im Vordergrund", sagt Bezos. Dieses Eintauchen in die Handlung sollte beim Kindle 2 noch leichter geschehen, vorausgesetzt die Handlung ist spannend. Doch dafür gibt es mehr als genug Auswahl – 230 000 Titel sind es mittlerweile. Beim Start der ersten Generation waren es 90.000 Titel. „Wir werden den Katalog erweitern und dabei Bestsellern Priorität einräumen", sagt Bezos. „Unsere Vision ist es, jedes Buch in jeder Sprache innerhalb von sechzig Sekunden für Leser verfügbar zu haben."

„Wir müssen davon wegkommen, dass Computer und Buch in Konflikt miteinander stehen", so Horror-Bestsellerautor Stephen King, der als Überraschungsgast bei der Präsentation des Kindle 2 auftauchte. Für den Kindle 2 hat King das Werk „Ur" verfasst, die zunächst nur exklusiv für das Lesegerät verfügbar sein wird. Es handelt von einem Englisch-Lehrer, der bei Amazon.com einen Kindle ordert. Die von King ersonnene Version hat natürlich magische Eigenschaften. „Damit können wir leider nicht dienen", witzelte Bezos.

Wermutstropen für europäische Interessenten: Der Kindle 2 ist vorerst nur in den USA erhältlich. Ab 24. Februar wird er dort exklusiv über Amazon.com für 359 US-Dollar verkauft. „Wir wissen, dass der Kindle auch in Deutschland nachgefragt wird", sagt Kindle-Chef Ian Freed.

„Aber momentan können wir nicht mehr dazu sagen." Interessenten in Deutschland, die über eine US-Kreditkarte verfügen, können jedoch den Kindle 2 über Amazon ordern. Allerdings funktioniert das drahtlose Herunterladen von Büchern in Deutschland nicht, sie müssen über den Computer auf dem Lesegerät installiert werden.

Sony nutzt die Angebotslücke in Europa. Sein Lesegerät PR505 wird ab diesem Frühjahr auch in Deutschland verkauft. Vom Design her kann sich Sony mit dem Kindle 2 ohne Probleme messen. Doch dem Gerät fehlt das gewisse Etwas, das die Popularität des Kindle ausmacht – der Sony benötigt einen Windows-Computer, um Lesematerial aus dem Internet zu laden. Wer mit einem kleineren Bildschirm und älteren Werken zufrieden ist, kann eine Menge Geld sparen. Google bietet seit vergangener Woche 1,5 Millionen Titel zum direkten Lesen auf Mobiltelefonen an.

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