Computerspiel Minecraft: Mit Klötzchengrafik zum Millionär

Computerspiel Minecraft: Mit Klötzchengrafik zum Millionär

, aktualisiert 14. November 2011, 15:44 Uhr
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Auch Computerspiele gibt es zum schnellen Download – ohne, dass auf die Paketpost gewartet werden muss. Die größte Auswahl hat die Internet-Vertriebsplattform Steam. Dort gibt es auch immer aktuelle Sonderangebote von nicht mehr ganz tauffrischen Spielen – derzeit beispielsweise das Rollenspiel „The Witcher 2“ mit toller Grafik und epischer Story für 24 Euro. Spiele kan bei Steam auch für andere Personen erwerben und somit schenken. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass der Beschenkte auch einen Steam-Account besitzt.

Neben dem Platzhirsch beim digitalen Vertrieb von Spielen gibt es aber auch kleine unabhängige Entwickler, die ihre Spiele zum Download anbieten. Zum großen Hit entwickelte sich beispielsweise Minecraft (Screenshot), eine Art Lego-System für den PC. Als kleines Männchen ist der Spieler in einer zufällig generierten Pixel-Welt auf sich allein gestellt – und besitzt dabei alle Freiheiten, die vorgefundene Welt nach seinen Vorstellungen zu formen. Das fängt harmlos und mühsam an – doch am Ende können ganze Schlösser, Städte und Flugzeugträger entstehen. Das Spiel ist allerdings nur für jede geeignet, die für das süchtigmachende Spielprinzip auch genug Zeit haben.

von Stephan DörnerQuelle:Handelsblatt Online

Ein simples Klötzchenspiel ist derzeit einer der größten Internethypes. Nach dem Lego-Prinzip entstehen Schlösser, Achterbahnen und sogar Computer aus Pixel-Klötzchen. Einen 32-jährigen Schweden machte das zum Millionär.

DüsseldorfDas Computerspiel Minecraft wurde bereits mehr als vier Millionen Mal verkauft – und das, obwohl es offiziell noch gar nicht fertig ist. Der Grund ist keine geniale Vermarktungsstrategie eines großen Spielkonzerns. Von den Großen der Spieleindustrie lange unbemerkt hat sich ein regelrechter Kult um das Spiel eines unabhängigen Programmierers entwickelt.

Grund dafür ist das Spiel-Prinzip mit Suchtfaktor: Als kleines Männchen ist der Spieler in einer zufällig generierten Pixel-Welt auf sich allein gestellt – und besitzt dabei alle Freiheiten, die vorgefundene Welt nach seinen Vorstellungen zu formen. Das fängt ganz harmlos und einfach an: Mit bloßen Händen formt der Spieler Erde zu Blöcken, um sich daraus eine erste behelfsmäßige Hütte zu bauen.

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Virtuelle Welt mit unbegrenzten Möglichkeiten

Das Prinzip erinnert an einen Lego-Baukasten – und genauso kreativ geht die Spielegemeinschaft mit dem Spiel auch um. Aus den in der Spielewelt vorhandenen Rohstoffen werden Werkzeuge gebaut, um auch Steine, Holz und Lehm zu Blöcken zu verarbeiten. Das ermöglicht auch die Herstellung weiterer Werkzeuge.

Und so wandelt sich die schroffe Pixelwelt nach und nach zu einem Ort nach den ganz persönlichen Vorstellungen des Spielers. Dann geht es weiter - bis zum Bau von Schlössern, Achterbahnen, Schlachtschiffen und ganzer Städte. Erklärt wird dabei nichts – nur durch Ausprobieren kommt der Spieler auf die zahlreichen Möglichkeiten, die in der Welt vorhandenen Materialien zu kombinieren, um daraus faszinierende Spiele-Welten zu bauen.

Entwickelt hat das Spiel der erst 32 Jahre alte schwedische Programmierer Markus Persson zu Anfang im Alleingang. Inzwischen hat Persson die Firma Mojang AB gegründet, die das Spiel weiterentwickelt und vertreibt. Die Grundlage für das legte er allerdings noch ganz alleine – ganz ohne großen Spielehersteller im Rücken.

Perssons Spiel kennt weder ein Ziel, noch Highscores oder Level - und doch sind schon Millionen Spieler dem Spiel verfallen. Einzige definierte Aufgabe des Spielers ist das Überleben. Verteidigen muss sich der Spieler dabei gegen Zombies und andere Gegner, die in der kurzen Nacht den Spieler angreifen. Daher die ursprüngliche Notwendigkeit, sich eine Behausung zu bauen, die als Schutz vor den nächtlichen Angreifern dient.

Die Zombies sind jedoch längst in den Hintergrund getreten, die Internet-Community hat das virtuelle Lego-Spiel für sich entdeckt. Stolz präsentieren zahllose Minecraft-Spieler auf dem Video-Portal Youtube ihre virtuellen Bauwerke: eine Kathedrale, ein Fußballstadion, eine Szenerie aus dem Fantasy-Film „Herr der Ringe“, einen Fernseher, ein Flugzeug, eine Achterbahn, eine virtuelle Rechenmaschine – sogar den New Yorker Stadtteil Manhatten hat ein Spieler in mühsamer Detailarbeit nachgebaut. Ein Überblick über die schönsten Bauwerke des Spiels bietet auch das Computerspiele-Portal Gamestar.de.


Ein Ende des Kults ist nicht abzusehen

Open-World-Spiel heißt das Genre, dessen populärster Vertreter Minecraft ist. Das Geheimnis des erfolgreichen Konzepts wird Emergent Gameplay genannt. Aus einer im Prinzip simplen Spiele-Mechanik, die nur wenige Gesetze vorgibt, wird dabei ein komplexes Spiel mit unbegrenzten Möglichkeiten.

Auch andere Spiele nutzend das Prinzip, vor allem Online-Rollenspiele wie „Second Live“ oder das Weltraum-Spiel „Eve Online“. Immer stellen die Spiele nur die Rahmenbedingungen und Gesetze auf, nach denen sich die Spielwelt verhält - und erst die Interaktion der Spieler macht sie interessant. Dabei formen die Spieler ihre Welt nicht selten in einer Art und Weise, an die die Entwickler nie gedacht hätten.

Noch immer befindet sich das Spiel in der Entwicklungs- und Test-Phase – in der Sprache der Programmierer Beta-Phase genannt. Dennoch ist Persson längst Millionär, denn seit 2009 wird Minecraft online vertrieben – und schon mehr als vier Millionen Mal verkauft. Derzeit kostet ein Download 15 Euro, die fertige Version soll für 20 Euro verkauft werden.

In wenigen Tagen, am 18. November, soll die finale Version des Spiels für 20 Euro für Windows, Mac OS X, Android und Linux erhältlich sein. Versionen für die Spielekonsolen Xbox 360 und Playstation 3 sind ebenfalls geplant. Ein Ende des Kults ist also nicht abzusehen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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