
TokioJapans Militär wappnet sich für den Cyberkrieg – mit der Entwicklung eines gefährlichen Virus’ zum Gegenangriff bei Cyberattacken. Das Virus soll virtuelle Angriffe zurückverfolgen und sowohl die zwischengeschalteten Server, über die Angriffe gelenkt werden, als auch die Quelle punktgenau ausschalten können, berichtet die Zeitung Yomiuri.
Die virtuelle Lenkrakete ist gedacht als Präzisionswaffe gegen eine der beliebtesten Angriffsvarianten im Internet: die sogenannte DDoS-Attacke. Das Kürzel steht für „Distributed Denial of Service“ und bedeutet, einen Server durch den Beschuss mit Klicks oder E-Mails von einer Heerschar von Rechnern gezielt zu überlasten und damit auszuschalten. Aber der Virus soll auch mehrere Angriffsmethoden entdecken können, die auf Datendiebstahl abzielen.
Das Projekt soll bereits im Jahr 2008 begonnen worden sein. Als Partner zog das Verteidigungsministerium demnach für rund 1,8 Millionen Euro den japanischen Elektronik- und Computerhersteller Fujitsu an Land, dessen Computer- und Serversparte in Augsburg ihr Hauptquartier hat. Beide Seiten bestätigen nichts. Das Verteidigungsministerium sagt lediglich, dass man den Virus intern nutze.
Das Motiv für die Übung ist leicht verständlich. Gerade japanische Firmen und Regierungsstellen stehen im Zentrum von Hackerangriffen. Allein im Jahr 2011 wurden nicht nur mehr als 100 Millionen Nutzerkonten von Online-Diensten der japanischen Videospielanbeiter Sony und Sega geknackt. Auch sieben japanische Botschaften und Unternehmen der Verteidigungsindustrie wurden virtuell ausgespäht.
Flächenbombardement statt Präszisionswaffe
Doch internationale IT-Sicherheitsexperten schlagen die Hände über dem Kopf zusammen. Andere Länder hätten diesen Weg schon lange verworfen, sagt der in Japan ansässige Sicherheitsberater Jean-Guy Rioux von Resilience Consulting: „Niemand, der noch alle Sinne beisammen hat, würde noch in die Virus-Route investieren.“ Die Gefahren würden den Nutzen bei weitem übertreffen.
Dass die Entwicklung des Virus’ gegen japanisches Recht verstößt, ist noch das geringste Problem. Aber so ein Virus ist eben nicht die versprochene Präzisionswaffe, sondern eher ein Flächenbombardement.
Erst einmal freigelassen, können die Viren nicht nur umgewandelt werden und auch die eigenen Systeme treffen. „Sie verursachen auch riesige Kollateralschäden, in dem sie die gekapperte Rechner von unschuldigen Nutzern stören“, sagt William Saito, der in den USA und Japan Ministerien in Fragen der IT-Sicherheit berät.
Am schlimmsten ist für Saito jedoch, dass nur „Skript-Kiddies und Semi-Profis“ die Waffe fürchten müssten. „Staaten können ruhig schlafen“, so Saito. „Die Ortung des Ursprungsrechners ist nahezu unmöglich.“ Denn der Abschussort virtueller Angriffe lässt sich besser tarnen als eine reale Raketenabschussrampe.








