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Cyber-Geld: Warum Internetwährungen Staaten nervös machen

von Andreas Menn

Im Netz entsteht eine unberechenbare Konkurrenz für Euro, Dollar und Yen: Neue Online-Währungen wie Bitcoin untergraben die Hoheit der Währungshüter. Welche Gefahr vom neuen Cyber-Geld ausgeht.

Cybergeld
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Nur Bares ist Wahres. Roger Ver, Chef des US-Internet-Händlers Memory Dealers, kann dem Spruch neuerdings immer mehr abgewinnen. Fast täglich versuchen Kriminelle, in Vers Online-Laden aus dem kalifornischen Santa Clara teure PC-Speicherchips mit gefälschten Kreditkartendaten einzukaufen. "Die meisten erwischen wir", sagt Ver. Jüngst aber gelang wieder einem der Betrug, Ver blieb auf dem Schaden sitzen.

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Wäre er klassischer Einzelhändler, hätte der Unternehmer die Plastikkarten längst aus seinem Laden verbannt. Aber als Online-Händler ist er auf sie angewiesen. Bislang jedenfalls.

Komplementärwährung aus Bits und Bytes

Seit Ende April jedoch akzeptiert der Kalifornier Bitcoin – ein neues Zahlungsmittel im Internet. Bitcoin ist digitales Geld, eine Komplementärwährung aus Bits und Bytes – und für Händler Ver „die wichtigste Innovation seit Erfindung des Internets“.

Denn die virtuellen Taler lassen sich per Software so leicht von PC zu PC versenden wie E-Mails. „Das Geld ist binnen Minuten da“, sagt Shop-Betreiber Ver. „Damit ist Bitcoin für mich sicherer als Kreditkarten oder Paypal – und es fallen keine Gebühren an.“ Schließlich werden die Zahlungen direkt zwischen Computern ausgetauscht – ohne Umweg über eine Bank. Möglich macht das ein dezentrales Rechnernetz, ähnlich der einst von der Musikindustrie gefürchteten Online-Tauschbörse Napster.

Ohne Staatsaufsicht

Erstmals ist damit ein virtuelles Geldsystem entstanden, das nur auf einem Programmcode beruht – und das kaum jemand mehr stoppen kann. Denn es pflanzt sich von privaten Rechnern zu anderen privaten Computern fort. Abertausende machen bereits mit und ihre Zahl steigt.

Brisant daran: Keine Zentralbank, kein Staat, keine Aufsicht kontrolliert die Entstehung der Web-Taler, ihren Zahlungsfluss und ihre Wechselkurse gegen Dollar und andere Devisen. Dabei umgehen Bitcoin-Nutzer nicht nur Steuerfahnder und Strafverfolgungsbehörden. Sie unterwandern auch das Geschäft von Kreditkartenfirmen, Zahlungsdiensten wie Paypal und Geschäftsbanken, die bisher den Geldverkehr im Internet beherrschen.

Verfechter der Privatsphäre im Internet und alternativer Wirtschaftssysteme sind begeistert – und träumen vom freien Geld im World Wide Web. US-Senatoren, Finanzwissenschaftler und deutsche Internet-Verbände dagegen rufen zum Boykott auf. Sie fürchten den Vormarsch einer unkontrollierbaren Komplementärwährung von nie da gewesener Stärke.

22 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 15.07.2011, 22:28 Uhr@Gold Owner

    Die Erklärungen findest du alle in englischer Sprache im Umfeld von bitcoin.org. Das ist nicht versteckt, man muß aber recherchieren und wirklich einiges lesen und verstehen, bis man den Überblick hat. Das tun nur die wenigsten. Man findet dort auch Spekulation über die möglichen Gründe des Erfinders, im Schutze der Anonymität zu verbleiben. beispielsweise haben Teile der amerikanischen Regierung den Entwickler von PGP recht unschön gemobbt.


    Akzeptanz im Sinne von PR und Massentauglichkeit ist möglicherweise überhaupt nicht notwendig, um bitcoin zum Durchbruch zu verhelfen: braucht Gold PR oder Massenakzeptanz, um von einer kleinen Gruppe von Leuten für wertvoll erachtet zu werden?

    Aber es arbeiten gerade einige fähige Leute daran, das Handling von bitcoin massentauglich bzw. idiotensicher zu machen. Das ist es nämlich im Moment nicht. Um zum jetzigen Zeitpunkt die eigenen bitcoins zu sichern, muß man eine Datei verschlüsseln (dabei ein starkes Paßwort benutzen) und diese möglichst mehrfach backuppen. Man sollte den eigenen Rechner beim Umgang mit bitcoins von einer Linux-CD booten, um vor diversen Trojanern geschützt zu sein. Wer kann und macht das schon, außer gutinformierten und einigermaßen kompetenten Computernutzern?

    ich würde bitcoin am liebsten jedem empfehlen, aber wenn ich mir die Skills der meisten Leute (insbesondere der Frauen) in Sachen Umgang mit informationstechnologie und Computern anschaue, bin ich sehr skeptisch, daß die damit zurecht kämen. Vorläufig eben noch eine Währung der Nerd-Elite.

  • 15.07.2011, 19:32 UhrBayer

    "Weniger gut funktioniert der bitcoin als Wertaufbewahrungsmittel, da es weder Konten noch Zinsen für die Münzen gibt. "

    DAS ist aber genau die positive Seite. Kapitalismus ist eigentlich nicht dazu gedacht dass sich materieller besitz (Geld ist kein materieller besitz aber kann jederzeit in solchen getauscht werden, de facto also schon) immer mehr bei einem Teil der Gesellschaft anballt sondern Kapitalismus lebt und atmet mit dem ständigen, möglichst schnellen, routieren des Kapitals. Eben keine Anhäufung, Aufbewahrung, Anraffung,...sondern investieren, bezahlen, kaufen, leihen und tilgen,...Kapitalismus heißt Geldzirkulation. Das was die Finanzmärkte daraus gemacht haben ist ein Selbstzweck geworden der nur dazu dient einzelne immer mehr zu bevorteilen. Wenn wir eine Währung hätten in der es keine Zinsen mehr gäbe, weder negative noch positive Zinsen, dann gäbe es keinerlei Anreize mehr zum Anhäufen von Geld. Sondern es auszugeben, zu investieren oder anderen für ihre guten ideen - und DAS ist doch gerade die schöpferische Kraft des Kapitalismus - zu überlassen und später an deren Gewinnen teilzuhaben.

    Genau genommen sind die heutigen Weltwährungen semikommunistisch geprägt, der Geldwert aufgebläht und die Kurse künstlich. Zentralbanken kaufen auf politische Order Staatsanleihen auf ("Gelddrucken") um den Staat aus dem Nichts zu finanzieren, entgegen jeder Regel des Kapitalismus werden banken und Unternehmen andauernd "gerettet" anstatt innovativeren Konkurrenten neuen Raum zu geben wird damit das System immer schwächlicherin seiner Gesamtheit. ich weiss nicht wie man das aktuelle Geldsystem in der "echten Welt" nennen soll, aber kapitalistisch ist es nicht mehr.

  • 15.07.2011, 18:44 UhrJohn

    Das ist es was wir brauchen! einen fairen Wettbewerb der Währungen. Zwangläufig werden sich am Ende des Prozesses die besten Systeme durchsetzen. Lieber vertraue ich intelligenten Nerd-Programmierern, als den bisherigen "Währungshütern".
    Aber das Polit- und bankenkartell wird es zu verhindern wissen!

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